“XRP ist das Herz von allem”: Ripple-CEO klärt die Stablecoin-Frage
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Ripple hätte sich für seine Konferenz Swell in New York keinen besseren Zeitpunkt wünschen können. Zu Wochenbeginn bekam das Unternehmen die finale Genehmigung für seine eigene Treuhandbank in den USA. Kurz darauf vergab die Ratingagentur Moody’s dem hauseigenen Stablecoin RLUSD für kurze Laufzeiten sogar die Bestnote. XRP-Anleger haben hingegen weniger Grund zur Freude, denn der Token liegt auf Monatssicht gut elf Prozent im Minus. Im Interview mit Bloomberg Crypto macht Ripple-Chef Brad Garlinghouse aber klar: "Wer nicht glaubt, dass XRP das Herz von allem ist, was Ripple tut, übersieht das große Ganze."
RLUSD erhält als erster Stablecoin grünes Licht von Moody’s
Ein Stablecoin ist ein Token, der eins zu eins an eine Währung gekoppelt und durch Reserven gedeckt ist. Bei Ripple's hauseigenem Coin RLUSD ist das der US-Dollar. Wie verlässlich diese Kopplung hält, hängt an der Qualität der Reserven und an der Frage, ob Anleger ihr Geld im Ernstfall rechtzeitig zurückbekommen.
Für RLUSD vergab Moody’s die Langfristnote A2, die für geringes Kreditrisiko steht, und mit P-1 die beste Note für kurze Laufzeiten. Ripples Stablecoin-Chef Jack McDonald verkündete das Ergebnis am 28. Oktober stolz auf X.
Er spricht vom ersten Stablecoin überhaupt, den Moody’s mit solider Bonität einstuft, was vor allem an der Zusammensetzung des Coins liegt. Die Reserven befinden sich überwiegend in kurzlaufenden US-Staatsanleihen und Bargeld und werden größtenteils von der BNY der "Bank of New York Mellon", seines Zeichens die älteste Bank der USA verwahrt. Ripple wolle bei Regulierung und Lizenzen „der Goldstandard“ sein.
Die Marktkapitalisierung von RLUSD hat sich seit Jahresbeginn auf 2,57 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Am Stablecoin-Markt, den DefiLlama auf gut 300 Milliarden US-Dollar beziffert, entspricht das knapp einem Prozent. Garlinghouse sieht noch einiges an Spielraum, weil Institutionen gerade erst anfangen, sich ernsthaft mit Stablecoins zu beschäftigten.
Warum XRP als Brücke zwischen Währungen dienen soll
Ob Ripple mit dem eigenen Stablecoin den Nutzen von XRP untergräbt, wird in der Szene seit Monaten heiß diskutiert. Garlinghouse beantwortet die Frage mit der Bauart von RLUSD: "Ein Stablecoin ist per Definition ein Token, ein Dollar." Weil fast alle Stablecoins auf US-Dollar lauten, helfen sie wenig, wenn zwei andere Währungen getauscht werden sollen. Wer heute Australische Dollar in Philippinische Pesos überweist, nimmt laut Garlinghouse meist den Umweg über den US-Dollar. XRP soll hier als Brückenwährung einspringen, also als neutrale Zwischenstation, die günstig ist und große Volumen verkraftet.
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RLUSD versteht Garlinghouse als Einstieg für Finanzchefs, die sich an die Blockchain herantasten: "Je mehr wir das tun, desto stärker können wir XRP überall einführen." Zudem bringe der Stablecoin Liquidität auf den XRP Ledger, die Blockchain hinter XRP.
Laut DefiLlama stellt RLUSD am 29. Oktober gut neun Zehntel der Stablecoins auf dem XRP Ledger, die zusammen auf rund 1,07 Milliarden US-Dollar kommen. Stablecoins in anderen Währungen erreichen gerade einmal knapp ein Prozent und bieten damit keine Grundlage für den direkten Tausch zwischen zwei Landeswährungen. Der größere Teil von RLUSD liegt mit gut 1,6 Milliarden US-Dollar allerdings auf Ethereum.
Rückenwind kommt auch seitens Wall Street. Die BNY hält als Verwahrer bereits den Großteil der RLUSD-Reserven und bewahrt seit dieser Woche auch XRP für ihre Kunden auf. Laide Majiyagbe, die bei der BNY das Marktgeschäft leitet, beschreibt auf der Swell, wie ihre Kunden inzwischen auf digitale und klassische Finanzwerte schauen: "Die Leute wollen sich nicht entscheiden müssen."
Clarity Act gescheitert: Weshalb Ripple trotzdem gelassen bleibt
Der Clarity Act sollte nicht zuletzt die Aufsicht über Krypto-Märkte zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Derivateaufsicht CFTC aufteilen. Im Repräsentantenhaus erhielt das Krypto-Gesetzeswerk im Juli 2025 noch eine breite Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen. Im Senat billigte der Bankenausschuss im Mai 2026 zwar eine überarbeitete Fassung, ins Plenum schaffte es das Gesetz vor den Midterms am 3. November nicht mehr. Garlinghouse, der nach eigenen Worten viel Zeit in das Vorhaben investiert hat, nennt das "sehr frustrierend".
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Ripple Labs selbst ist auf das Gesetz weniger angewiesen. Im Verfahren gegen die SEC entschied Bundesrichterin Analisa Torres im Juli 2023, dass XRP an sich kein Wertpapier sei und auch Verkäufe über Börsen nicht unter das Wertpapierrecht fallen, anders als Ripples direkte Verkäufe an institutionelle Investoren. Einen Machtwechsel im Kongress fürchtet Garlinghouse nicht, weil die Spitzen beider Behörden vom Präsidenten bestimmt werden: "Die CFTC und die SEC bleiben mindestens in den nächsten zwei Jahren dieselben."
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