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13:20 Uhr, 05.05.2026

Wie funktioniert die Börse? Angebot, Nachfrage und Kurse einfach erklärt

Nach unserem ersten Artikel der neuen Goldesel Akademie weißt du jetzt, dass die Börse ein Marktplatz ist. Aber wie läuft dort der Handel wirklich ab? Wer bestimmt den Preis? Und was passiert eigentlich zwischen dem Moment, in dem du auf „Kaufen“ tippst, und dem Moment, in dem die Aktie in deinem Depot liegt? In diesem Artikel erklären wir dir die Mechanik hinter der Börse – Schritt für Schritt, ganz unkompliziert. Wir zeigen dir, was die Börse mit dem Prinzip von Angebot und Nachfrage zu tun hat und wie Kurse wirklich entstehen.

Wenn du den ersten Artikel nochmal nachlesen möchtest, kann du ihn über diesen Link aufrufen.

Das Orderbuch: Wo Kurse wirklich entstehen

Jede Börse führt ein sogenanntes Orderbuch. Das ist eine digitale Liste, in der alle offenen Kauf- und Verkaufsaufträge gesammelt werden. Stell dir zwei Spalten vor:

Links: Alle Kaufaufträge (Bids). Käufer sagen: „Ich will kaufen, maximal für X Euro.“

Rechts: Alle Verkaufsaufträge (Asks). Verkäufer sagen: „Ich verkaufe, mindestens für Y Euro.“

Das Orderbuch ist nach Preis sortiert: Die höchsten Kaufgebote stehen oben links, die niedrigsten Verkaufsangebote oben rechts. So sieht ein vereinfachtes Orderbuch aus:

Menge Käufer (Bid) Verkäufer (Ask) Menge Spread
150 Stück 230,00 € 230,20 € 80 Stück 0,20 €
200 Stück 229,80 € 230,50 € 120 Stück
75 Stück 229,50 € 231,00 € 300 Stück
500 Stück 229,00 € 231,50 € 50 Stück

Das höchste Kaufgebot liegt bei 230,00 € (der „Best Bid“). Das niedrigste Verkaufsangebot bei 230,20 € (der „Best Ask“). Die Differenz – in diesem Fall 0,20 EUR – nennt man den Spread.

Was ist der Spread – und warum kostet er dich Geld?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem besten Kaufkurs (Bid) und dem besten Verkaufskurs (Ask). Er ist im Grunde eine versteckte Handelsgebühr.

Beispiel: Du kaufst eine Aktie zum Ask-Kurs von 230,20 EUR. Wenn du sie sofort wieder verkaufen würdest, bekommst du nur den Bid-Kurs von 230,00 EUR. Du hast also sofort 0,20 EUR pro Aktie „verloren“ – das ist der Spread.

Faustregel zum Spread

Je mehr eine Aktie gehandelt wird (je liquider sie ist), desto enger ist der Spread. Apple hat einen winzigen Spread von wenigen Cent. Eine kleiner Nebenwert kann einen Spread von mehreren Prozent haben.

Markttiefe: Wie viel Volumen steht hinter dem Kurs?

Im Orderbuch siehst du nicht nur den besten Preis, sondern auch die Menge (Volumen) auf jedem Preisniveau. Das nennt man Markttiefe oder Depth of Market.

Warum ist das wichtig? Wenn auf dem besten Preisniveau nur 80 Stück angeboten werden, du aber 500 kaufen willst, werden die restlichen 420 zu schlechteren Kursen ausgeführt. Das nennt man Slippage – dein Durchschnittspreis weicht vom angezeigten Kurs ab.

Für Anfänger mit kleinen Orders (unter 1.000 EUR) ist Slippage bei liquiden Aktien wie Apple, Siemens oder SAP kaum ein Thema. Bei Nebenwerten oder großen Orders wird es dagegen relevant.

Wie ein Trade wirklich abläuft – in 6 Schritten

Du tippst in deiner Broker-App auf „Kaufen“. Aber was passiert dann genau? Hier der komplette Ablauf:

Schritt Phase Was passiert
1 Orderaufgabe Du gibst in deiner Broker-App den Auftrag ein: Aktie, Menge, Ordertyp (Market oder Limit), Handelsplatz.
2 Orderprüfung Dein Broker prüft: Hast du genug Geld? Ist der Handelsplatz geöffnet? Stimmen die Daten? Wenn ja, leitet er die Order weiter.
3 Matching Die Börse sucht im Orderbuch einen passenden Gegenpart. Bei einer Market Order wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt. Bei einer Limit Order nur, wenn der Wunschpreis erreicht wird.
4 Ausführung Käufer und Verkäufer werden zusammengeführt. Der Trade ist „ausgeführt“ (executed). Du bekommst eine Bestätigung.
5 Clearing Eine zentrale Stelle (in Deutschland: Eurex Clearing) prüft, ob beide Seiten liefern können. Das minimiert das Risiko, dass jemand nicht zahlt.
6 Settlement Die Aktien werden tatsächlich in dein Depot übertragen, das Geld vom Verkäufer-Konto abgebucht. Das dauert in der Regel T+2 (zwei Bankarbeitstage nach dem Trade).

Gut zu wissen

Du merkst von Schritt 5 und 6 im Alltag nichts. Dein Broker zeigt dir die Aktie sofort im Depot an, auch wenn das Settlement technisch erst zwei Tage später abgeschlossen ist.

Market Order vs. Limit Order: Der wichtigste Unterschied

Beim Orderaufgeben musst du dich für einen Ordertyp entscheiden. Die zwei wichtigsten Ordertypen im Überblick:

Market Order Limit Order
Bedeutung „Kauf sofort, egal zu welchem Preis.“ „Kauf nur, wenn der Preis bei X oder besser ist.“
Geschwindigkeit Sofort ausgeführt Nur wenn Preis passt (kann dauern oder verfallen)
Preiskontrolle Keine – du bekommst den nächsten verfügbaren Preis Volle Kontrolle – du bestimmst den Maximalpreis
Risiko Slippage: Kurs kann schlechter sein als erwartet Order wird möglicherweise nicht ausgeführt
Geeignet für Sehr liquide Aktien (Apple, SAP), wenn du schnell handeln willst Weniger liquide Aktien, größere Orders, wenn Preis wichtiger als Tempo

Nutze immer Limit-Orders

Unsere Empfehlung für Anfänger: Nutze immer eine Limit Order. So vermeidest du böse Überraschungen, besonders bei Aktien mit niedrigem Handelsvolumen. Setz dein Limit einfach knapp über dem aktuellen Kurs – dann wirst du fast genauso schnell ausgeführt, behältst aber die Kontrolle.

Preisbildung: Was bewegt Aktienkurse wirklich?

Wir wissen jetzt: Kurse entstehen durch Angebot und Nachfrage im Orderbuch. Aber was treibt Angebot und Nachfrage? Hier die wichtigsten Einflussfaktoren:

1. Unternehmensnachrichten

Quartalszahlen, Gewinnwarnungen, neue Produkte, CEO-Wechsel – alles, was die Erwartung an die Zukunft eines Unternehmens verändert, bewegt den Kurs. Gute Quartalszahlen? Mehr Käufer, Kurs steigt. Gewinnwarnung? Mehr Verkäufer, Kurs fällt.

2. Wirtschaftsdaten & Makro-Events

Zinsentscheidungen der EZB oder Fed, Inflationsdaten, Arbeitsmarktberichte – das bewegt nicht einzelne Aktien, sondern ganze Märkte. Wenn die Zinsen steigen, werden Aktien tendenziell weniger attraktiv (weil Anleihen dann höhere Renditen bieten).

3. Marktstimmung (Sentiment)

Angst und Gier sind mächtige Treiber. In einer Euphorie-Phase wird gekauft, weil alle kaufen. Die Kurse steigen immer weiter, weil jeder bei der Party dabei sein will. In einer Panik-Phase wird verkauft, weil alle verkaufen. Das hat oft wenig mit den realen Unternehmensdaten zu tun und mehr mit Psychologie.

4. Große Marktteilnehmer

Wenn ein großer Fonds Millionen in eine Aktie investiert, steigt der Kurs – einfach weil die Nachfrage plötzlich riesig ist. Umgekehrt: Wenn ein Fonds eine große Position auflöst, fällt der Kurs. Institutionelle Anleger bewegen Märkte stärker als Privatanleger.

Kurswert = Marktwert?

Der Kurs einer Aktie ist nicht das, was das Unternehmen „wert“ ist. Er ist das, was der Markt gerade bereit ist zu zahlen. Das kann rational sein – oder komplett irrational. Beides passiert täglich.

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Börsen in Deutschland: Wo wird gehandelt?

In Deutschland gibt es mehr Börsenplätze als die meisten denken. Hier ein Überblick mit den wichtigsten Details:

Börse Handelszeit Details
XETRA 9:00 – 17:30 Elektronisches Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt. Rund 90 % des deutschen Aktienhandels laufen hier. Höchste Liquidität = engste Spreads. Referenzmarkt für deutsche Aktienkurse.
Tradegate 8:00 – 22:00 Gehört zur Deutschen Börse. Speziell auf Privatanleger ausgerichtet. Längere Handelszeiten als XETRA. Viele Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net Zero) nutzen Tradegate als Standardhandelsplatz.
Börse Stuttgart 8:00 – 22:00 Zweitgrößte Präsenzbörse Deutschlands. Stark bei Derivaten, Hebelprodukten und Anleihen. Betreibt auch die Krypto-Plattform BSDEX.
gettex (München) 8:00 – 22:00 Elektronischer Handelsplatz der Börse München. Wird von Scalable Capital im Prime-Modell genutzt. Keine zusätzlichen Gebühren für Orders.
Regionalbörsen variiert Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Berlin. Geringeres Volumen, für Anfänger weniger relevant. Teilweise Spezialisierung auf bestimmte Wertpapierarten.

XETRA oder Tradegate – wo solltest du handeln?

Die ehrliche Antwort: Als Anfänger mit normalen Ordervolumen (unter 5.000 EUR) ist der Unterschied minimal. Trotzdem gibt es Faustregeln:

Wähle XETRA, wenn… Wähle Tradegate, wenn…
Du größere Orders aufgibst (> 5.000 EUR) Du abends oder früh morgens handeln willst
Dir der engste Spread wichtig ist Dein Broker keine XETRA-Orders anbietet
Du während der XETRA-Zeiten handelst Du kleine Orders aufgibst (< 1.000 EUR)

Kleiner Tipp am Rande

Viele Neobroker bieten nur einen Handelsplatz an (z. B. Trade Republic mit LS Exchange, Scalable Capital Free mit gettex). Das ist für den Anfang völlig okay. Erst bei größeren Beträgen lohnt sich ein Broker mit XETRA-Zugang.

Handelszeiten: Wann kannst du handeln?

Die Börse hat feste Öffnungszeiten – ähnlich wie ein Geschäft. Außerhalb dieser Zeiten kannst du keine Orders ausführen lassen (du kannst sie aber schon aufgeben, sie werden dann bei Öffnung ausgeführt).

Börse / Markt Handelszeit (MEZ) Hinweis
XETRA 9:00 – 17:30 Eröffnungsauktion ab 8:50, Schlussauktion 17:30–17:35
Tradegate / gettex 8:00 – 22:00 Längere Zeiten, aber weniger Liquidität morgens/abends
US-Börsen (NYSE, Nasdaq) 15:30 – 22:00 Deutsche Zeit. Pre-Market ab 10:00, After-Hours bis 02:00
Asien (Tokio, Shanghai) 2:00 – 8:00 Läuft, wenn deutsche Börsen geschlossen sind

Wichtig: Außerhalb der Kernhandelszeiten (9:00–17:30 bei XETRA) sind die Spreads oft größer, weil weniger Teilnehmer handeln. Wenn du abends um 21 Uhr eine Aktie kaufst, zahlst du im Schnitt etwas mehr als um 10 Uhr morgens.

Wer überwacht die Börse?

Die Börse ist nicht der Wilde Westen. Deshalb gibt es in Deutschland mehrere Aufsichtsebenen:

BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht): Die oberste Aufsichtsbehörde. Überwacht Broker, Börsen und Marktteilnehmer. Schützt Anleger vor Manipulation und Insiderhandel.

Handelsüberwachungsstellen: Jede Börse hat eine eigene Abteilung, die den Handel in Echtzeit überwacht. Verdächtige Kursbewegungen oder ungewöhnlich hohe Volumina werden sofort untersucht.

Einlagensicherung: Dein Geld auf dem Verrechnungskonto ist bis 100.000 EUR gesetzlich geschützt. Deine Aktien im Depot sind Sondervermögen – sie gehören dir, nicht dem Broker. Selbst wenn dein Broker pleitegeht, sind deine Aktien sicher.

Gut regulierter Handel

Das deutsche Finanzsystem ist eines der am strengsten regulierten der Welt. Als Privatanleger bist du gut geschützt – solange du bei einem BaFin-regulierten Broker bist.

Zusammenfassung: So funktioniert die Börse

  • Das Orderbuch sammelt alle Kauf- und Verkaufsaufträge. Wo sich Bid und Ask treffen, entsteht der Kurs.
  • Der Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) ist eine versteckte Handelskosten. Je liquider die Aktie, desto enger der Spread.
  • Ein Trade durchläuft 6 Phasen: Orderaufgabe, Prüfung, Matching, Ausführung, Clearing, Settlement.
  • Limit Orders geben dir Preiskontrolle. Nutze sie — besonders als Anfänger.
  • Kurse werden von Unternehmensnachrichten, Wirtschaftsdaten, Sentiment und Großinvestoren bewegt.
  • XETRA und Tradegate sind die wichtigsten Handelsplätze für Privatanleger in Deutschland.
  • Die BaFin und Einlagensicherung schützen dich als Anleger.

Was ist der Unterschied zwischen Market und Limit Order

Bei einer Market Order wird eine Aktie zu jedem verfügbaren Preis gekauft, auch wenn der Preis deutlich ansteigt oder fällt. Mit der Limit Order legst du einen festen Kaufpreis fest, die Order wird möglicherweise nicht ausgeführt.

Ist der deutsche Aktienmarkt reguliert?

Ja, die BaFin reguliert als oberste Behörde den deutschen Aktienmarkt.

Was sind die wichtigsten Börsenplätze?

Für Anleger in Deutschland sind die wichtigsten Börsenplätze XETRA und Tradegate. Für den US-Handel ist insbesondere die NYSE von Bedeutung. Asien handelt überwiegend über die Börsenpläte Tokio und Shanghai.

Wodruch ändert sich der Preis einer Aktie?

Steigende oder sinkende Aktienkurse sind immer das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, sinkt der Kurs einer Aktie. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, steigt der Kurs.

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