Volumenanalyse: Was das Handelsvolumen über die Stärke eines Trends verrät
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Herzlich willkommen beim nächsten Artikel der Goldesel Akademie! In den bisherigen Lektionen haben wir uns intensiv mit dem Preis einer Aktie beschäftigt. Wir haben gelernt, wie man Unterstützungen einzeichnet, Trends bestimmt, gleitende Durchschnitte liest und Candlestick-Muster interpretiert. Doch die reine Betrachtung des Preises hat eine Schwachstelle: Sie zeigt dir zwar, wohin sich der Kurs bewegt, aber sie verrät dir nicht, wie viel Kraft wirklich hinter dieser Bewegung steckt.
Um diese Kraft zu messen, nutzen Profi-Trader die Volumenanalyse.
Das Handelsvolumen ist das ultimative Wahrheitsserum der Börse. Es entlarvt sofort, ob ein Kursausbruch ein echter Trend oder nur eine feige Falle ist. In diesem Artikel zeigen wir dir, was das Volumen überhaupt ist, wie man das klassische Volumen-Histogramm liest und wie du es als Bestätigung für deine Trades nutzt.
Was ist das Handelsvolumen überhaupt?
Ganz einfach erklärt: Das Handelsvolumen (Volume) zeigt dir die Gesamtzahl der Aktien (oder Kontrakte) an, die in einem bestimmten Zeitraum zwischen Käufern und Verkäufern den Besitzer gewechselt haben.
Wenn du dir ein klassisches Chart-Tool anschaust, siehst du am unteren Rand meistens vertikale Balken – das sogenannte Volumen-Histogramm. Jeder Balken entspricht einer Kerze im Chart:
- Ein hoher Balken bedeutet: Es fand ein reger Handel statt, Millionen von Euro wurden bewegt. Die „großen Player“ (institutionelle Anleger) sind aktiv.
- Ein niedriger Balken bedeutet: Es herrscht Desinteresse, kaum jemand handelt die Aktie. Der Kurs wird nur von ein paar Privatanlegern hin und her geschoben.
Wichtig zu wissen: Die Farbe des Volumenbalkens (Grün oder Rot) richtet sich in den meisten Chart-Programmen einfach nach der Farbe der darüberliegenden Kurskerze. War der Tag positiv (grüne Kerze), ist auch der Volumenbalken grün. Sie zeigt nicht, dass nur gekauft wurde – denn zu jedem Käufer gehört an der Börse immer auch ein Verkäufer!
Das Grundgesetz der Volumenanalyse: Die Trendbestimmung
Das wichtigste Prinzip der Volumenanalyse lautet: Das Volumen sollte den übergeordneten Trend bestätigen.
- Im Aufwärtstrend: Wenn eine Aktie steigt, sollte das Volumen bei steigenden Kursen idealerweise zunehmen. Das zeigt uns, dass immer mehr Marktteilnehmer auf den Zug aufspringen und die Rallye mit echtem Geld unterstützen. Korrigiert die Aktie kurz nach unten (Rücksetzer), sollte das Volumen abnehmen. Das bedeutet, dass kaum jemand bereit ist, seine Aktien zu diesen niedrigeren Preisen herzugeben. Der Trend ist gesund.
- Im Abwärtstrend: Wenn eine Aktie fällt und das Volumen dabei zunimmt, herrscht Verkaufsdruck oder sogar Panik. Die Masse will raus. Steigt der Kurs kurzfristig in einer technischen Gegenbewegung an, während das Volumen austrocknet, weißt du: Das ist nur eine kurze Erholung ohne Substanz.
Die 2 wichtigsten Signale der Volumenanalyse im Trading
Das Handelsvolumen liefert dir in der Praxis zwei extrem wertvolle Warn- und Startsignale:
1. Der echte Ausbruch vs. Die Bullenfalle (Fakeout)
Wir haben in Modul 5.0 gelernt, dass der Bruch einer Nackenlinie oder eines Widerstands ein starkes Kaufsignal ist. Das Volumen verrät dir nun, ob du dem Braten trauen kannst:
- Echter Ausbruch: Der Kurs bricht über einen harten Widerstand aus und der Volumenbalken schießt explosionsartig nach oben. Signal: Die Institutionellen kaufen im großen Stil. Der Ausbruch ist valide, du kannst einsteigen.
- Fehlausbruch (Fakeout): Der Kurs kriecht über den Widerstand, aber das Volumen bleibt flach und niedrig. Signal: Niemand hat wirklich Interesse daran, zu diesen hohen Preisen zu kaufen. Der Kurs sackt wahrscheinlich schnell wieder in sich zusammen. Finger weg!
2. Divergenzen – Wenn dem Trend die Kraft ausgeht
Eine Divergenz entsteht, wenn der Preis und das Volumen nicht mehr die gleiche Sprache sprechen.
Stell dir vor, eine Aktie steigt seit Monaten und markiert im Chart ein neues Allzeithoch nach dem anderen. Wenn du aber nach unten blickst, stellst du fest: Die Volumenbalken werden von Hoch zu Hoch immer kleiner und flacher.
- Was bedeutet das? Dem Trend geht schlichtweg die Kraft aus. Immer weniger Trader sind bereit, auf diesem hohen Niveau noch einzusteigen. Ein solches Szenario kündigt sehr häufig eine scharfe Trendwende oder eine heftige Korrektur an.
Weitere Indikatoren: Volumen der sichtbaren Range
Das Volumen ist noch vielfältiger als es sich in diesem kurzen Beitrag beschreiben lässt. Als Beispiel kann es auch sehr hilfreich sein, sich das Volumen der sichtbaren Range anzeigen zu lassen. Dies ist in der Regel durch ein Volumen-Histogramm rechts- oder linksseitig im Chart der Fall.
Das Volumenprofil der sichtbaren Range zeigt euch hier sehr schön, dass im Bereich der Widerstandszone sehr viel Volumen und auch der VPOC (Volume Point of Control) liegt. Der Abverkauf war hier durch den Widerstand und das Volumen fast schon vorprogrammiert. Auf den VPOC werden wir noch in einem späteren Beitrag näher eingehen.
Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen
✅ Der Kraftmesser: Das Volumen zeigt dir an, wie viel Kapital und Interesse wirklich hinter einer Kursbewegung stecken.
✅ Trend-Bestätigung: In einem gesunden Trend steigt das Volumen in Trendrichtung an und sinkt bei Gegenbewegungen (Korrekturen).
✅ Ausbruchs-Filter: Nutze das Volumen, um echte Ausbrüche von gefährlichen Fehlausbrüchen (Fallen) zu unterscheiden. Hohes Volumen bedeutet Validierung.
✅ Warnsignal Divergenz: Steigende Kurse bei gleichzeitig sinkendem Volumen sind ein lautes Warnsignal dafür, dass der Aufwärtstrend an Schwung verliert.
