Kommentar
19:00 Uhr, 26.09.2026

US-Anleihen-Beben nimmt Bitcoin nach Rekordzuflüssen den Schwung

Noch am Montag gelang Bitcoin der Sprung über 86.000 US-Dollar mit den stärksten ETF-Zuflüssen seit fast einem Jahr. Keine drei Tage später stiegen die Renditen der US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit April 2007. Was steckt hinter dem Umschwung?

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Für Bitcoin begann die Woche mit einem wahren Befreiungsschlag. Am Montag stieg die Krypto-Leitwährung Bitcoin um rund 6,7 Prozent auf 86.600 US-Dollar und schob sich damit erstmals in diesem Jahr über ihren 50-Wochen-Durchschnitt. Diese Linie glättet den Kursverlauf eines knappen Jahres und viele Marktteilnehmer werten einen Sprung darüber als wichtiges bullisches Trendsignal. Drei Tage später notiert Bitcoin bei rund 84.200 US-Dollar. Den Takt geben inzwischen die US-Staatsanleihen und deren Renditen vor.

Fast eine Milliarde US-Dollar an einem Tag

Rückenwind kam zum Wochenstart von den Bitcoin Spot ETF's, also börsengehandelten Fonds, die für ihre Anleger echte Bitcoin verwahren. Am Montag verzeichneten sie Zuflüsse von 999 Millionen US-Dollar. Damit erreichten die Zuflüsse den höchsten Tageswert seit knapp einem Jahr.

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Seit dem Tief am Tag der Zinserhöhung der US-Notenbank Fed am 16. September hatte Bitcoin damit knappe 16 Prozent gut gemacht. Am Mittwoch flossen weitere 347 Millionen US-Dollar zu. Der Kurs folgte ihnen aber nicht mehr, denn am Anleihemarkt braute sich etwas zusammen.

Die zehnjährige Staatsanleihe knackt die Marke von 2007

Am Mittwoch versteigerte das US-Finanzministerium fünfjährige Staatsanleihen im Wert von 70 Milliarden US-Dollar und fand dafür nur sehr schwache Nachfrage. Die Auktion schloss mit einer Rendite von 5,033 Prozent, laut Global Markets Observer die zweitschwächste ihrer Art seit 2018. Die Rendite ist der jährliche Zins, den Käufer für ihr Geld verlangen. Sie steigt, sobald Anleihen weniger gefragt sind. Die zehnjährige US-Rendite legte in zwei Tagen um 30 Basispunkte zu, ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkten.

In der Nacht auf Freitag erreichte sie 5,20 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2007. Für Bitcoin ist das eine unbequeme Konkurrenz, weil Anleger bei US-Staatsanleihen über fünf Prozent Zins ohne nennenswertes Ausfallrisiko erhalten. Der Dollar-Index (DXY), der den US-Dollar gegen einen Währungskorb misst, stieg auf rund 101 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Juli. Am Donnerstag rutschte Bitcoin zeitweise auf unter 84.000 US-Dollar. Binnen 24 Stunden wurden Positionen über 617 Millionen US-Dollar zwangsweise geschlossen, die überwiegend mit geliehenem Geld auf steigende Kurse gesetzt hatten.

Diesel wird zum Zinsproblem

Diesel kostet in den USA aktuell 6,50 US-Dollar pro Gallone. Dieser Wert ist so hoch wie noch nie zuvor. Die Nordseesorte Brent kletterte am Donnerstag zeitweise über 108 US-Dollar je Barrel, nachdem die Gespräche zwischen den USA und dem Iran erneut stockten und die Huthi-Miliz nach eigenen Angaben einen saudischen Militärstützpunkt angriff. Präsident Trump bereitet laut Politico ein 90-tägiges Exportverbot für Diesel vor. Diesel treibt Lastwagen und Landmaschinen an. Teurer Kraftstoff sickert deshalb über Fracht und Lebensmittel in die Kerninflation durch.

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Die Korrelation von Ölpreis und zehnjähriger Rendite liegt so hoch wie seit mindestens 1985 nicht mehr. Die Fed hat den Leitzins am 16. September einstimmig auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Die Gouverneure Barr und Paulson stellen weitere Schritte in Aussicht. Der Einkaufsmanagerindex für September stieg mit 58,4 Punkten auf den höchsten Wert seit 2021. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Oktober taxieren Händler inzwischen auf rund 70 Prozent. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, was diese Kette wieder lösen könnte.

Der Ölpreis bestimmt das Tempo, Hormus könnte es drehen

Die Woche wurde maßgeblich vom Ölpreis dominiert, weil er über die Inflationserwartungen direkt auf die Renditen durchschlägt und damit Bitcoin bremst. Kippen könnte das mit einer Einigung zur Straße von Hormus. Laut Reuters verhandeln Washington und Teheran über einen Stufenplan. Der Iran würde demnach die Durchfahrt freigeben, und die USA würden im Gegenzug ihre Wirtschaftsblockade aufheben. Allein diese Aussicht drückte Brent am Freitagmorgen auf rund 105,70 US-Dollar. Eine Einigung würde dem Zinsanstieg einen wichtigen Treiber nehmen und dürfte Risiko-Anlagen wie Bitcoin entlasten. In die andere Richtung wirkt die Drohung aus Teheran, den Krieg auf den Indischen Ozean auszuweiten.

Inflation und Jobs entscheiden über den Oktober-Zins

Die kommende Woche liefert die Daten, auf die die Fed vor ihrer Oktober-Sitzung Wert legt. Am Dienstag gibt es die JOLTS-Stellenerhebung und das Verbrauchervertrauen des Conference Board. Am Mittwoch erscheint der PCE-Preisindex für August. Er ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed und lag im Juli bei 3,7 Prozent, in der Kernrate bei 3,3 Prozent. Am Freitag schließt der Arbeitsmarktbericht die Woche ab. Im August hatten die USA 162.000 neue Stellen und eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent gemeldet.

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