Kommentar
15:48 Uhr, 13.10.2026

Umfrage: So wahrscheinlich ist die Abschaffung der Krypto-Haltefrist

Morgen, am 14. Oktober, befasst sich das Bundeskabinett mit der Abschaffung der einjährigen Krypto-Haltefrist. Wie wahrscheinlich ein Gesetzesbeschluss ist, haben wir vorab Krypto-Insider und unsere Community gefragt. Die ersten Ergebnisse fallen eindeutig aus.

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Am Mittwoch steht der Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums zur Reform der Krypto-Besteuerung auf der Tagesordnung des Bundeskabinetts. Im Kern geht es um das Ende der einjährigen Haltefrist. Gewinne aus Kryptowerten, die nach dem 31. Dezember 2026 angeschafft werden, sollen künftig wie Kapitalerträge besteuert werden. Für Altbestände sieht der Entwurf einen Bestandsschutz vor.

Wie groß die Chancen sind, dass daraus tatsächlich Gesetz wird, haben wir in zwei Umfragen parallel abgefragt, die wir beide gemeinsam mit der IU Internationalen Hochschule durchführen. An der Krypto-Expertenumfrage beteiligten sich 46 Expertinnen und Experten aus der Finanz- und Krypto-Branche, an der Community-Umfrage 274 Leserinnen und Leser von BTC-ECHO. Beide Gruppen bekamen im selben Zeitraum vom 5. bis 12. Oktober dieselbe Frage gestellt. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Abschaffung der einjährigen Haltefrist innerhalb der nächsten sechs Monate gesetzlich beschlossen wird?

Krypto-Insider sehen 65 Prozent Wahrscheinlichkeit

41 der befragten Insider haben zu dieser Frage eine Einschätzung abgegeben. Im Durchschnitt beziffern sie die Wahrscheinlichkeit eines Beschlusses auf 65 Prozent, der Median liegt bei 70 Prozent. 71 Prozent der Insider halten die Abschaffung damit für wahrscheinlicher als ihr Ausbleiben. Fast die Hälfte setzt die Wahrscheinlichkeit bei 75 Prozent oder höher an. Nur gut ein Fünftel der Befragten hält einen Beschluss binnen sechs Monaten für eher unwahrscheinlich.

Abschaffung Krypto-Haltefrist: Die Community rechnet noch fester damit

In der Community fällt das Ergebnis ähnlich aus, mit leicht anderer Verteilung. 254 Teilnehmende haben eine Wahrscheinlichkeit angegeben. Im Schnitt liegt sie bei 69 Prozent, der Median sogar bei 75 Prozent. Zwei Drittel der Antworten liegen über der 50-Prozent-Marke, weitere 19 Prozent sind unentschieden. Knapp ein Drittel dieser Community-Antworten setzt die Wahrscheinlichkeit eines Beschlusses bei 90 Prozent oder mehr an, unter den Insidern ist es nur rund ein Fünftel. Lediglich 15 Prozent der Einschätzungen liegen unter 50 Prozent.

Daraus lässt sich schließen, dass beide Gruppen das Aus der Haltefrist mehrheitlich für wahrscheinlich halten, die Community im Schnitt sogar etwas deutlicher als die Branchenvertreter.

Kabinettsbeschluss ist noch kein Gesetz

Für die Einordnung ist ein Detail entscheidend. Gefragt war nicht nach dem Kabinettsbeschluss, sondern nach einem Gesetz, das innerhalb von sechs Monaten beschlossen ist. Nach dem Kabinett muss der Entwurf durch Bundestag und Bundesrat. Dort ist der Widerstand nicht verschwunden. Aus der Union haben sich zuletzt mindestens zwölf Bundestagsabgeordnete kritisch zur Abschaffung geäußert. Dass trotzdem rund zwei Drittel beider Gruppen mit einem Beschluss rechnen, spricht nicht gerade für das Vertrauen in die Standfestigkeit der Union.

Wie umstritten das Vorhaben ist, zeigte sich gestern auch im Petitionsausschuss des Bundestags. Dort wurde die Petition für den Erhalt der Haltefrist öffentlich beraten, die mehr als 44.000 Menschen unterstützt haben. Wie wir von vor Ort berichtet haben, wird der Entwurf laut Bundesfinanzministerium noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, am Ziel hält das Ministerium aber fest. Steuerberater Dr. Ingo Heuel, der die Petentin Nicole Nowak begleitete, verwies auf die stark abweichenden Schätzungen der zu erwartenden Steuereinnahmen. "Das zeigt ja, dass es überhaupt noch nicht beschlussreif ist."

Stichtag und Gleichbehandlung werden zum Streitpunkt

Unter den Insidern beschäftigen sich vor allem die Steuerberater schon mit den praktischen Folgen. Maximilian Klein, Steuerberater und Gründer der Steuerberatungskanzlei Klein, richtet den Blick bereits auf die Umsetzung. "Mit dem Referentenentwurf ist die Abschaffung der Haltefrist so konkret wie nie. Für Anleger wird der Stichtag 31.12.2026 entscheidend." Saubere Anschaffungsnachweise und eine lückenlose Bestandsdokumentation seien jetzt Pflicht. Kritisch sieht Klein die Ungleichbehandlung gegenüber Gold und Fremdwährungen, für die weiterhin eine Haltefrist gilt. "Verfassungsrechtliche Fragen sind deshalb absehbar."

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Nüchtern schätzt Benedikt Faupel von Bitpanda die politische Lage ein. "Die Abschaffung der Haltefrist ist schlecht für den Standort Deutschland, aber politisch kaum noch aufzuhalten." Entscheidend sei nun die Ausgestaltung. Ohne einen steuerneutralen Tausch von Krypto zu Krypto nach österreichischem Vorbild belaste die Reform vor allem langfristige Anleger und regulierte europäische Anbieter und treibe Handelsvolumen in unregulierte Märkte.

Afra Stöhr, Steuerberaterin und Mitgründerin von SWTAX, sieht das eigentliche Problem dagegen woanders. Wichtiger sei Rechtssicherheit durch Regeln, die zur Realität von Kryptowerten passen, statt sie in bestehende Gesetze zu pressen. Den Standortverlust nimmt aber auch sie ernst. "Die Haltefrist ist da unser kleinstes Problem. Aber ja, ohne sie verlieren wir unsere letzte Attraktivität als Standort auch noch."

Was das Aus der Haltefrist für die Krypto-Nachfrage, die Anleger und den Standort Deutschland bedeuten würde, zeigen der BTC-ECHO Insider Report und der Community Report. Beide erscheinen in den kommenden Tagen, samt Bitcoin-Prognosen für die nächsten sechs Monate.

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