Trendlinien zeichnen: Trends im Handumdrehen erkennen und nutzen
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Im letzten Artikel haben wir gelernt, wie man horizontale Unterstützungen und Widerstände im Chart findet. Doch die Börse wäre ja fast schon zu einfach, wenn sich Kurse immer nur von links nach rechts zwischen einem Boden und einer Decke bewegen würden.
Die Realität an den Märkten sieht meistens dynamischer aus: Kurse entwickeln sich aufwärts und abwärts und das mitunter sehr dynamisch – sie bilden Trends.
Ein bekannter Spruch an der Börse lautet:
The trend is your friend.
Und das stimmt! Wenn du dich einfach an die Fersen eines intakten Trends heftest, handelst du automatisch mit dem Rückenwind des Marktes. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du Trendlinien wie ein Profi einzeichnest, wie du einen Aufwärts- von einem Abwärtstrend unterscheidest und wie du Ausbrüche frühzeitig erkennst.
Was ist ein Trend? Aufwärtstrend und Abwärtstrend erkennen
Bevor wir Linien in den Chart werfen, müssen wir verstehen, woraus ein Trend besteht. Wie wir wissen, bewegt sich ein Aktienkurs in Wellen – es ist ein ständiges Auf und Ab. Die Richtung dieser Wellen bestimmt den Trend:
- Der Aufwärtstrend: Eine Aktie befindet sich im Aufwärtstrend, wenn sie höhere Hochs und höhere Tiefs ausbildet. Das bedeutet: Jeder neue Hochpunkt liegt über dem vorherigen, und jeder Rücksetzer (jedes Tief) stoppt weiter oben als der letzte Rücksetzer. Die Käufer sind bereit, zu immer höheren Preisen einzusteigen.
- Der Abwärtstrend: Hier ist das Spiel spiegelverkehrt. Die Aktie bildet tiefere Hochs und tiefere Tiefs. Selbst die Erholungsversuche der Aktie sterben immer früher ab, weil die Verkäufer den Kurs dominieren.
Sobald allerdings in einem Aufwärtstrend ein tieferes Tief und ein tieferes Hoch oder in einem Abwärtstrend ein höheres Tief und ein höheres Hoch gebildet werden, bricht der Trend bzw. kehrt sich in die entgegengesetzte Richtung um.
So zeichnest du Trendlinien richtig (Die 2 goldenen Regeln)
Eine Trendlinie ist im Grunde nichts anderes als eine diagonale Unterstützung oder ein diagonaler Widerstand. Um sie sauber zu zeichnen, brauchst du nur ein simples Linien-Werkzeug in deinem Chart-Tool und zwei unumstößliche Regeln:
Regel 1: Im Aufwärtstrend wird unten gezeichnet!
Um eine Aufwärtstrendlinie zu zeichnen, verbindest du die markanten Tiefpunkte (die Täler) des Kurses miteinander.
- Warum unten? Die Linie fungiert als diagonale Unterstützung. Sie zeigt dir, an welchen Punkten die Käufer in der Vergangenheit immer wieder den Fuß auf den Boden gestellt und die Aktie nach oben getrieben haben.
Regel 2: Im Abwärtstrend wird oben gezeichnet!
Um eine Abwärtstrendlinie zu zeichnen, verbindest du die markanten Hochpunkte (die Gipfel) des Kurses miteinander.
- Warum oben? Die Linie fungiert als diagonaler Widerstand (eine fallende Zimmerdecke). Sie zeigt dir, wo die Verkäufer den Kurs immer wieder deckeln und nach unten drücken.
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Drei Punkte ergeben einen relevanten Trend
Wichtig für die Praxis: Eine Linie ist erst dann ein statistisch relevanter Trend, wenn sie mindestens drei Berührungspunkte (Auflagepunkte) im Chart hat. Zwei Punkte kann man immer irgendwie verbinden – ab dem dritten Punkt spricht man von einem bestätigten Trend. Je mehr Berührungspunkte eine Trendlinie hat, umso bedeutender ist ihre Widerstands- bzw. Unterstützungskraft.
Zonen statt Linien: Auch diagonale Linien brauchen „Atmenraum“
Genau wie bei horizontalen Unterstützungen gilt auch hier: Die Börse ist keine zentimetergenaue Mathematik. Kurse schießen gerne mal für ein paar Minuten oder Stunden minimal über eine Trendlinie hinaus, nur um dann wieder zurückzudrehen.
Betrachte Trendlinien daher eher wie ein Gummiband oder eine Pufferzone und nicht wie eine messerscharfe Rasierklinge. Wenn der Kurs eine Linie leicht „durchbricht“, aber am Ende des Tages wieder darüber schließt, ist der Trend weiterhin völlig intakt.
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Bestätigung abwarten!
Man sollte jedoch nicht mit dem allersten Kurs unterhalb einer Trendlinie oder Zone in einen Trade springen. Oftmals werden hier nur Stop-Orders abgeholt und die Aktie dreht im Handelsverlauf wieder in die andere Richtung. Im Idealfall wartet man den Schlusskurs in der jeweiligen Zeiteinheit ab (in der Regel die Tagesschlusskurse), um den Einstieg nicht zu früh zu wagen.
Die zwei Trading-Signale: Wie du Trendlinien nutzt
Wenn du deine Trendlinien sauber eingezeichnet hast, liefern sie dir im Trading-Alltag zwei extrem mächtige Signale:
1. Das Abprallen (Der Trend-Trade)
Nähert sich eine Aktie im Aufwärtstrend wieder ihrer steigenden Trendlinie, schaust du ganz genau hin. Da diese Linie als Unterstützung dient, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Aktie hier erneut nach oben abprallt. Für dich ist das ein Einstieg mit hervorragendem Chance-Risiko-Verhältnis, da du deine Notbremse (den Stop-Loss) knapp unter der Trendlinie platzieren kannst.
2. Der Trendbruch (Der Signal-Wechsel)
Das spannendste Ereignis für jeden Chartanalysten ist der Trendbruch. Wenn eine Aktie ihre Aufwärtstrendlinie mit viel Dynamik und hohem Handelsvolumen nach unten durchbricht, ist das ein lautes Warnsignal: Der Trend ist vorbei! Oft wechseln die Marktteilnehmer nun das Lager, und aus einem ehemaligen Bullen-Markt wird eine Korrektur. Wer hier rechtzeitig aussteigt, sichert seine Gewinne oder kann sogar auf fallende Kurse setzen (Short-Trading).
Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen
✅ Der Trend ist dein Freund: Handle immer in Richtung des übergeordneten Trends, um die statistische Wahrscheinlichkeit auf deine Seite zu ziehen.
✅ Die Zeichenrichtung: Verbinde im Aufwärtstrend immer die Tiefpunkte (unten zeichnen). Im Abwärtstrend verbindest du die Hochpunkte (oben zeichnen).
✅ Die Drei-Punkte-Regel: Eine Trendlinie gilt erst ab drei Validierungen (Berührungen) als wirklich bestätigt und stabil. Je mehr Berührungspunkte desto besser.
✅ Der Trendbruch als Signal: Bricht eine Trendlinie nachhaltig, deutet das auf einen grundlegenden Stimmungswechsel am Markt hin – Zeit, den Trade-Plan anzupassen.
