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12:00 Uhr, 19.08.2026

Quantencomputing-Aktien: Zwischen Zukunftsvision und Börsenhype

Pure Plays, Tech-Giganten und konkurrierende Konzepte: Quantencomputing bietet Anlegern viel Fantasie, aber bislang nur wenig operative Sicherheit. Von Leonhard Söder

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  • Rigetti Computing Inc - ISIN: US76655K1034 - Kurs: 17,710 $ (Nasdaq)
  • D-Wave Quantum - WKN: A3DSV9 - ISIN: US26740W1099 - Kurs: 16,775 € (XETRA)

Quantencomputing gehört zu den großen Zukunftsversprechen der Technologiebranche – und genau deshalb auch zu den Themen, auf die der Kapitalmarkt besonders viel Hoffnung projiziert. Die Erwartungen sind entsprechend hoch: Fortschritte in der Medikamentenentwicklung, Materialforschung, Kryptografie oder bei komplexen Optimierungsproblemen gelten als mögliche Einsatzfelder. Die Aussicht, bestimmte hochkomplexe Fragestellungen künftig leistungsfähiger zu bearbeiten als klassische Rechner, verleiht dem Sektor strategische und finanzielle Zugkraft, weil Staaten, Unternehmen und Investoren auf Vorteile etwa in der Medikamentenentwicklung, neuen Materialien oder bei schwierigen Optimierungsaufgaben setzen.

Doch zwischen technologischer Vision und belastbarem Geschäftsmodell liegt bislang noch eine erhebliche Lücke. Gerade die börsennotierten Pure Plays wie IonQ, Rigetti oder D-Wave zeigen, wie früh das Feld noch ist: operativ sichtbar, aber bislang nicht profitabel. Genau darin liegt die eigentliche Spannung für Anleger. Quantencomputing verspricht viel – an der Börse bleibt es vorerst jedoch vor allem eine Wette auf die Zukunft.

Für Investoren ist deshalb weniger die Größe der Vision entscheidend als der Reifegrad des Marktes. Und der ist weiterhin begrenzt. Viele Anwendungen befinden sich noch im experimentellen Stadium, kommerzielle Einsatzfelder sind rar und belastbare Geschäftsmodelle die Ausnahme. Dennoch ist Quantencomputing längst mehr als ein Nischenthema für Forschungslabore. In den USA wird die Technologie politisch gezielt gefördert und damit auch als strategisch relevantes Zukunftsfeld verstanden. Der Kapitalmarkt reagiert darauf mit hoher Aufmerksamkeit. Noch lebt der Sektor jedoch stärker von Erwartung als von Ertrag – und genau das macht Quantum-Aktien zugleich faszinierend und schwer einzuordnen.

Wer im Quantum-Sektor worauf setzt

Besonders deutlich wird diese Unsicherheit beim Blick auf die Pure Plays, also Unternehmen, deren Geschäft und Börsenstory direkt am Fortschritt im Quantencomputing hängen. Ihre Investmentstory ist eng an den technologischen Fortschritt gekoppelt – und damit auch an die Frage, welcher technische Ansatz sich am Ende überhaupt durchsetzen kann. IonQ entwickelt gatterbasierte Quantencomputer auf Basis sogenannter trapped ions, also einzelner elektrisch geladener Atome, die als Informationsträger dienen.

Rigetti verfolgt ebenfalls einen gatterbasierten Ansatz und setzt dafür auf supraleitende Qubits. Diese entstehen in künstlich hergestellten Schaltkreisen, die nur bei extrem niedrigen Temperaturen funktionieren. Ein Qubit lässt sich stark vereinfacht als Recheneinheit eines Quantencomputers beschreiben, die – anders als ein klassisches Bit – nicht eindeutig nur 0 oder 1 abbildet, sondern sich in einer Mischung aus beidem befinden kann. Genau darin liegt der besondere Reiz des Quantencomputings.

D-Wave wiederum ist vor allem für seinen Fokus auf Quantum Annealing bekannt. Kurz gesagt funktioniert Quantum Annealing so, dass ein Quantensystem zunächst in einen leicht herstellbaren Ausgangszustand gebracht wird. Anschließend werden die Eigenschaften des Systems schrittweise so verändert, dass sein Endzustand einer möglichst guten Lösung des zugrunde liegenden Optimierungsproblems entspricht. Für Anleger ist das mehr als ein technisches Detail. Denn Quantencomputing zeigt sich an der Börse derzeit vor allem als Wettlauf konkurrierender technologischer Konzepte, nicht als Markt mit klaren Gewinnern. Wer in diesen Sektor investiert, setzt damit auf Unternehmen und zugleich auf technologische Architekturen, deren wirtschaftlicher Sieger noch nicht feststeht.

Gerade darin liegt auch der wesentliche Unterschied zu Konzernen wie IBM, Alphabet oder Microsoft. Sie investieren ebenfalls in Quantenforschung, Plattformen und Ökosysteme, ihr Geschäft hängt jedoch nicht unmittelbar am Erfolg eines einzelnen Quantum-Konzepts. Bei den Pure Plays ist das anders. Sie bieten den direkteren Hebel auf das Thema, tragen aber auch das deutlich höhere technologische und wirtschaftliche Risiko. Die spannendsten Quantum-Aktien sind deshalb nicht automatisch die naheliegendsten Investments.

Persönliche Einschätzung

Ich bin selbst D-Wave und IonQ investiert und betrachte den Sektor weiterhin als hochspekulativ. Aus meiner Sicht kommt ein solches Investment – wenn überhaupt – nur als kleine Beimischung im Gesamtportfolio infrage. Wer das Risiko innerhalb des Sektors etwas breiter streuen möchte, kann ein Engagement auf mehrere Titel verteilen, statt auf ein einzelnes Unternehmen zu setzen. Das erscheint schon deshalb sinnvoll, weil weder technologisch noch wirtschaftlich feststeht, welche Ansätze sich langfristig behaupten und welche Anbieter daraus belastbare Geschäftsmodelle entwickeln können. Eine solche Streuung reduziert zwar das Einzelwertrisiko, macht aus dem Sektor jedoch kein konservatives Investment. Quantencomputing-Aktien bleiben eine spekulative Wette auf einen Zukunftsmarkt, dessen Gewinner noch nicht feststehen.

Wenn ich mich innerhalb der Pure Plays auf einen Titel festlegen müsste, wäre IonQ für mich derzeit der naheliegendste Kandidat. Dafür sprechen aus meiner Sicht die in den jüngsten Quartalsberichten sichtbarere Umsatzentwicklung, die stärkere operative Dynamik bei Buchungen und Aufträgen sowie die Entwicklung der Remaining Performance Obligations, also bereits vertraglich zugesagter, aber noch nicht vollständig erbrachter Leistungen. So stieg der Umsatz von Q1 zu Q2 von rund 65 Mio. auf rund 80 Mio. US-Dollar, während sich auch die Remaining Performance Obligations weiter verbesserten. Das deutet zumindest auf eine etwas höhere kommerzielle Sichtbarkeit hin. Gleichzeitig weist auch IonQ weiterhin Verluste aus – ein Hinweis darauf, dass selbst die operativ sichtbarsten Pure Plays noch weit von einem belastbaren Geschäftsmodell entfernt sind.

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Quantencomputing bleibt damit ein faszinierendes Zukunftsthema. An der Börse wird der Sektor vorerst jedoch stärker von Hoffnung, technologischer Vision und spekulativer Erwartung getragen als von operativer Substanz. Für Anleger ist deshalb weniger die Faszination der Technologie entscheidend als die Frage, welche Unternehmen daraus tatsächlich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln können. Die Vision ist real – der belastbare Investmentcase in vielen Fällen noch nicht.

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