Kommentar
15:30 Uhr, 24.10.2026

Ölpreis steigt, Tech fällt: Bitcoin steht vor der heikelsten Fed-Woche des Herbstes

Bitcoin fällt trotz sinkender US-Renditen. Warum die KI-Zahlen von Meta und der Ölpreis den Kurs vor der Fed-Entscheidung bewegen.

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Am Mittwochabend sah die Woche für Bitcoin noch gut aus. Kurz vor 19 Uhr deutscher Zeit kletterte die Krypto-Leitwährung auf 84.835 US-Dollar und damit auf ein neues Wochenhoch. Doch nur wenige Stunden später legten Meta und Tesla ihre Quartalszahlen vor, und am Donnerstagabend notierte Bitcoin nur noch bei 80.949 US-Dollar. Gründe für den Rücksetzer waren hier vor allem die Frage, was der KI-Boom kostet, und wie sich der Ölmarkt im Rahmen der in kürze anstehenden Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch verhält.

Meta investiert mehr, als das Geschäft einbringt

Der US-amerikanischer Technologiekonzern meldete für das dritte Quartal Investitionsausgaben von 34,9 Milliarden US-Dollar nach 19,4 Milliarden ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr plant der Konzern nun 135 bis 145 Milliarden US-Dollar, das meiste davon für Rechenzentren rund um künstliche Intelligenz. Entscheidend für Anleger ist der freie Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt.

Im dritten Quartal lag er bei minus 2,1 Milliarden US-Dollar und damit erstmals seit 2012 im negativen Bereich. Die Aktie verlor darauf am Donnerstag rund 7 Prozent, und Kreditausfallversicherungen sogenannte Credit Default Swaps (CDSs) auf Meta, mit denen sich Gläubiger gegen eine Pleite absichern, wurden so teuer wie nie.

Tesla schlug am selben Abend den umgekehrten Weg ein. Finanzchef Vaibhav Taneja senkte die Investitionsplanung für 2026 auf rund 20 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor mehr als 25 Milliarden vorgesehen waren. Auch diese Nachricht schickte die Aktie nachbörslich um 3,3 Prozent nach unten, weil die Kürzung laut JPMorgan auf verschobene Investitionen in die langfristigen Wachstumsfelder hindeutet. Wer viel investiert, verliert also das Vertrauen der Anleger, und wer weniger investiert, ebenso. Der technologielastige Nasdaq fiel am Donnerstag um 2,6 Prozent und damit so stark wie seit Juni nicht mehr. Wohin das Geld floss, das aus Tech-Aktien abgezogen wurde, zeigte der Anleihemarkt.

Anleger flüchten in Staatsanleihen

Eine hohe Nachfrage nach Staatsanleihen treibt ihre Kurse nach oben und drückt die Rendite, also den jährlichen Zins, den neue Käufer erhalten. Die zehnjährige US-Rendite fiel am Donnerstag um mehr als 17 Basispunkte, also 0,17 Prozentpunkte, auf 4,97 Prozent und lag damit erstmals seit dem 23. September unter 5 Prozent.

Anfang Oktober hatte sie noch auf dem höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten gestanden. Der Rückgang zeigt, wie groß das Bedürfnis nach Sicherheit der Anleger am Donnerstag war.

Gold profitierte von dieser Fluchtbewegung jedoch erstaunlicherweise nicht. Das Edelmetall fiel zeitweise auf 4.060 US-Dollar je Unze und damit auf den tiefsten Stand seit dem 4. August. Auch der digitale Ableger davon namens Bitcoin, das wie auch Gold keinen Cashflow abwirft, fand keine Käufer. Der Rückgang begann schon gegen 2 Uhr nachts deutscher Zeit. Am Ende des Donnerstags stand ein Minus von 3,3 Prozent. Aus den Bitcoin Spot ETFs, börsengehandelten Fonds mit echten Bitcoin als Basis, flossen am Donnerstag 635,5 Millionen US-Dollar ab, nachdem in den drei Handelstagen davor über eine Milliarde zugeflossen war. Den stärksten Grund für höhere Zinsen lieferte in dieser Woche allerdings der Ölmarkt.

Der Ölpreis spricht für höhere Zinsen

Nach Angriffen der Huthi-Miliz in Saudi-Arabien stieg Brent, die als globaler Maßstab geltende Nordsee-Ölsorte, am Donnerstag um 4 Prozent auf 113,17 US-Dollar je Barrel und schloss so hoch wie seit dem 4. Mai nicht mehr.

Teureres Öl verteuert Benzin, Transporte und viele Vorprodukte und schlägt deshalb mit etwas Verzögerung auf die Inflation durch. Diese liegt ohnehin schon hoch: Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr, und in der vorläufigen Michigan-Umfrage erwarteten Verbraucher auf Jahressicht 4,7 Prozent Teuerung und damit den höchsten Wert seit Mai. Die finalen Oktober-Werte waren für Freitagnachmittag angekündigt.

Für die Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch gilt eine Pause als nahezu ausgemachte Sache, eine Erhöhung im Dezember dagegen als wahrscheinlich. In einer Reuters-Umfrage rechnen 94 von 100 Ökonomen mit unveränderten Zinsen im Oktober und alle 100 mit einem hawkishen Schritt im Dezember. Das CME FedWatch Tool weist für Dezember eine Wahrscheinlichkeit von über 85 Prozent aus.

Am Mittwochabend fällt alles zusammen

Die Woche drehte sich vor allem um die Frage, ob sich die Milliarden für künstliche Intelligenz auszahlen, und Bitcoin reagierte darauf stärker als auf den Zins. Die fallende Rendite hätte der Krypto-Leitwährung auf dem Papier Luft verschaffen müssen, weil sichere Zinsen dann weniger stark mit einer Anlage ohne laufenden Ertrag konkurrieren. Bitcoin fiel jedoch trotzdem mit den Tech-Aktien, und Anleger behandeln das Mutterschiff aller Kryptowährungen derzeit eher wie eine Wette auf den KI-Boom. Kippen dürfte die Lage erst, sobald eine der beiden Kräfte nachlässt, etwa durch einen sinkenden Ölpreis oder durch Quartalszahlen, die das Vertrauen in die KI-Ausgaben zurückbringen.

Beides wird am Mittwoch, 28. Oktober, auf die Probe gestellt. Die Fed verkündet ihre Zinsentscheidung um 14 Uhr Ostküstenzeit, wegen der früheren Umstellung auf Winterzeit in Europa also um 19 Uhr deutscher Zeit, und nach US-Börsenschluss legen Microsoft und Alphabet ihre Zahlen vor. Am Donnerstag folgen vor Börsenstart das US-Bruttoinlandsprodukt und der PCE-Preisindex, abends berichtet Amazon. Der PCE-Index gilt als das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Die Europäische Zentralbank entscheidet ebenfalls am Donnerstag, die Bank of Japan am Freitag.

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