MÄRKTE EUROPA/Abverkauf in Aktien dauert an - DAX minus 5,1%
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DOW JONES--Nach dem deutlichen Minus am Vortag geht es zum Wochenschluss ungebremst nach unten. Das von den US-Zöllen ausgehende Risiko für die globale Wirtschaft ist an den Aktienmärkten noch nicht vollständig eingepreist, von daher geht es noch weiter nach unten. Zusätzlicher Verkaufsdruck kommt am Mittag auf, nachdem China Gegenmaßnahmen auf die US-Zölle angekündigt hat. Die Volksrepublik will Zölle von 34 Prozent auf US-Waren erheben. Das ist mehr, als die meisten Marktbeobachter erwartet hatten.
Skeptisch äußern sich zum Beispiel die Strategen der Bank of America (BoA) zu den kurzfristigen Marktaussichten. Die US-Zollerhöhungen hätten die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum erhöht. Dies mache die Märkte verwundbar gegenüber einer weiteren Ausweitung der Risikoprämien. Nach drei Jahren eines starken globalen Wachstums seien die Asset-Preise hoch, die Risikoprämien zusammengeschrumpft und die Gewinnerwartungen erhöht. Selbst vor dem Zollschock dieser Woche habe sich der Wachstumsausblick eingetrübt. Europäische Aktien hätten sich dem bis zuletzt mit der Aussicht auf das deutsche Fiskalpaket entziehen können. Dies werde nun nachgeholt, der Stoxx-600 habe noch ein Abwärtsrisiko von bis zu 10 Prozent.
Für Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen, besteht ein erhebliches Risiko, dass die Ankündigungen der vergangenen Tage - so drastisch sie auch waren - nicht das "Höchstmaß" der Zölle darstellen. Er geht weiterhin davon aus, dass zusätzliche sektorbezogene Zölle folgen werden, insbesondere auf Halbleiter, Kupfer, Bauholz und pharmazeutische Produkte. Der DAX verliert 5,1 Prozent auf 20.618 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gibt 4,7 Prozent auf 4.871 Punkte nach. Nachdem am Vortag vor allem die Aktien der Sportartikelhersteller verkauft wurden, sind es heute die Werte aus der Finanzbranche, deren europäischer Sub-Index10 Prozent verliert. Unter den Einzelwerten geht es für Deutsche Bank um 11 Prozent nach unten, Societe Generale verlieren 11,5 und Unicredit 11 Prozent. Der Euro zeigt sich wenig verändert bei 1,1030 Dollar. Am Anleihemarkt geht es mit den Kursen nach oben, die Renditen fallen also. Der Ölpreis fällt um weitere 3,5 Prozent. Gold notiert wenig verändert bei 3.110 Dollar die Feinunze.
Offen ist unverändert die Reaktion der EU auf die US-Zölle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die US-Zölle in einer ersten Reaktion bedauert und die negativen Folgen für die Weltwirtschaft herausgestellt. "Sie scheint die Tür für Verhandlungen aber offenhalten zu wollen", so die Commerzbank.
In diesem Umfeld spielen die ansonsten wichtigen US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger könnte aber die Rede von Fed-Chairman Jerome Powell am Abend zum Wirtschaftsausblick werden. "Powell ist nach dem Kursrutsch gestern geradezu gezwungen, auf die Zölle einzugehen", kommentierte ein Händler. Die Märkte dürfen auf jeden Kommentar zu ihrer Auswirkung auf die US-Wirtschaft und Inflation lauern, sagte Kristina Clifton von der Commonwealth Bank of Australia.
Defensive Werte übergewichten - Finanzwerte untergewichtet
Sollten sich von den Anlegern geforderten Risikoprämien für Aktien weiter ausweiten, was die Marktstrategen von Jefferies erwarten, würde dies in ihrem Basisszenario ein zusätzliches Abwärtspotenzial von 6 Prozent implizieren, das sich auf 10 Prozent erhöhe, sobald zusätzliche Zolleffekte zu berücksichtigen seien. Jefferies sieht noch weitere Abwärtsrisiken für Banken, die seit Jahresbeginn stark outperformt haben - gestützt durch ein positives Bottom-up-Narrativ und die deutschen Fiskalhoffnungen - und bisher die makroökonomischen Risiken am wenigsten eingepreist hätten.
Unter den defensiven Werten hatte der inländische Versorgungssektor in den vergangenen Wochen am besten abgeschnitten, Jefferies bleibt dort übergewichtet. Die Nahrungsmittel- und Getränkebranche habe sich um mehr als 10 Prozent von ihrem jüngsten 13-Jahrestiefs erholt, sollte aber noch etwa 10 Prozent weiteres Aufwärtspotenzial relativ zum Markt aufweisen, falls sich das globale Wachstum wie erwartet abschwäche.
Mit dem aktuellen "Risk-off" hat sich das Fenster für Börsengänge zunächst geschlossen, auch Übernahmen haben es schwerer. Um knapp 20 Prozent brechen die Aktien von Gerresheimer ein. Belastend wirken nach Aussage aus dem Handel Kreiseberichte, wonach sich KKR aus dem Bieterkonsortium zur Übernahme des Verpackungsherstellers zurückgezogen hat. Warburg Pincus sei aber weiter in Verhandlungen. Die Börse sehe das skeptisch, weil damit die Finanzkraft des Konsortiums und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übernahme sinke.
=== Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 4.870,68 -4,7% -242,60 +4,4% Stoxx-50 4.249,66 -4,2% -187,95 +3,0% DAX 20.617,77 -5,1% -1099,62 +9,1% MDAX 25.166,56 -6,4% -1708,06 +5,0% TecDAX 3.311,04 -4,7% -163,93 +1,7% SDAX 14.120,06 -5,4% -807,36 +8,9% FTSE 8.474,74 0% 0,00 #NV CAC 7.275,03 -4,3% -323,95 +3,0% INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD DJIA 40.545,93 -4,0% -1679,39 -0,7% S&P-500 5.396,52 -4,8% -274,45 -3,6% NASDAQ Comp 16.550,61 -6,0% -1050,44 -14,3% NASDAQ 100 18.521,48 -5,4% -1060,30 -11,9% DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Do, 17:15 % YTD EUR/USD 1,1025 -0,2% 1,1052 1,1092 +6,8% EUR/JPY 159,9775 -0,8% 161,2565 161,6105 -1,0% EUR/CHF 0,9382 -1,1% 0,9491 0,9509 +1,5% EUR/GBP 0,8475 +0,5% 0,8434 0,8440 +2,0% USD/JPY 145,1120 -0,6% 145,9185 145,7015 -7,3% GBP/USD 1,3009 -0,7% 1,3103 1,3143 +4,6% USD/CNY 7,1999 +0,3% 7,1751 7,1817 -0,5% USD/CNH 7,2841 +0,1% 7,2803 7,2858 -0,7% AUS/USD 0,6152 -2,8% 0,6327 0,6366 +2,2% Bitcoin/USD 82.471,75 -0,3% 82.747,70 81.633,20 -11,3% ROHOEL zuletzt VT-Schluss +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 62,52 66,62 -6,2% -4,10 +1,6% Brent/ICE 65,81 69,81 -5,7% -4,00 -6,3% GAS zuletzt VT-Settlem. +/- % +/- EUR % YTD Dutch TTF 37,7 37,7 0% 0,00 -11,2% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 3111,18 3113,90 -0,1% -2,73 +18,6% Silber 28,37 28,84 -1,6% -0,47 +3,3% Platin 852,25 865,45 -1,5% -13,20 -1,1% Kupfer 4,67 4,83 -3,3% -0,16 +15,0% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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