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12:25 Uhr, 30.06.2026

Kurs-Gewinn-Verhältnis und weitere Bewertungskennzahlen

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Zwei Aktien kosten jeweils 100 Euro. Sind sie deshalb gleich teuer? Keineswegs. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt, dass die Bewertung völlig unterschiedlich ausfallen kann: Das eine Unternehmen verdient vielleicht zehn Euro je Aktie, das andere nur zwei Euro.

Genau deshalb reicht der Blick auf den Kurs nicht aus. Bewertungskennzahlen setzen den Preis einer Aktie ins Verhältnis zu den wirtschaftlichen Daten des Unternehmens. Zu den bekanntesten gehören das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Allerdings liefert keine dieser Kennzahlen allein ein abschließendes Urteil. Sie helfen dir vielmehr dabei, Aktien besser einzuordnen und mit passenden Unternehmen zu vergleichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.
  • Das KUV vergleicht den Börsenwert mit dem Umsatz des Unternehmens.
  • Das KBV setzt den Börsenwert ins Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital.
  • Ein niedriger Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie günstig ist.
  • Je nach Branche und Unternehmensphase sind unterschiedliche Kennzahlen sinnvoll.
  • Vergleiche eine Bewertung immer mit Wettbewerbern, der eigenen Vergangenheit und dem erwarteten Wachstum.

Was sind Bewertungskennzahlen?

Bewertungskennzahlen zeigen, welchen Preis Anleger für eine bestimmte wirtschaftliche Größe bezahlen.

Dabei kann der Aktienkurs beispielsweise ins Verhältnis gesetzt werden zu:

  • dem Gewinn,
  • dem Umsatz,
  • dem Buchwert,
  • oder dem Cashflow.

Dadurch kannst du auch Unternehmen vergleichen, deren Aktienkurse völlig unterschiedlich hoch sind. Denn eine Aktie für 500 Euro kann günstiger bewertet sein als eine Aktie für 20 Euro.

Entscheidend ist nicht der absolute Kurs, sondern welche Unternehmensleistung du dafür erhältst.

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, gehört zu den bekanntesten Kennzahlen der Aktienbewertung. Es zeigt, wie hoch der Aktienkurs im Verhältnis zum Gewinn je Aktie ist.

Die Formel lautet:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Eine Aktie kostet 60 Euro. Gleichzeitig erzielt das Unternehmen einen Gewinn von vier Euro je Aktie.

60 Euro ÷ 4 Euro = KGV von 15

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis macht damit sichtbar, wie viel Anleger für einen Euro Unternehmensgewinn bezahlen. Ein KGV von 15 kann allerdings weder pauschal als günstig noch als teuer bezeichnet werden.

Ein höheres KGV deutet häufig darauf hin, dass der Markt starkes zukünftiges Wachstum erwartet. Dagegen kann ein niedriges KGV auf geringe Erwartungen, wirtschaftliche Probleme oder ein zyklisches Gewinnhoch hindeuten.

Wann funktioniert das KGV nicht?

Erzielt ein Unternehmen keinen Gewinn, ist das KGV nicht sinnvoll berechenbar. Auch bei sehr schwankenden oder durch Sondereffekte verzerrten Gewinnen kann die Kennzahl irreführend sein.

Außerdem solltest du darauf achten, ob ein Finanzportal das historische KGV oder das erwartete KGV anzeigt. Letzteres basiert auf Gewinnprognosen, die sich später als falsch erweisen können.

Was ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis?

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis, kurz KUV, setzt den Börsenwert eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Jahresumsatz.

Die Formel lautet:

KUV = Marktkapitalisierung ÷ Umsatz

Ein Unternehmen wird an der Börse mit zehn Milliarden Euro bewertet und erzielt fünf Milliarden Euro Umsatz.

10 Milliarden Euro ÷ 5 Milliarden Euro = KUV von 2

Das KUV ist besonders bei schnell wachsenden Unternehmen hilfreich, die noch keine stabilen Gewinne erzielen. In diesem Fall lässt sich oft kein aussagekräftiges KGV berechnen.

Seine größte Schwäche: Das KUV sagt nichts über die Profitabilität aus. Ein Unternehmen kann hohe Umsätze erzielen und trotzdem Verluste schreiben.

Deshalb solltest du das KUV immer zusammen mit Umsatzwachstum und Margen betrachten. Je höher das KUV, desto stärker muss das Unternehmen in der Regel wachsen und seine Umsätze langfristig in Gewinne verwandeln.

Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis?

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, vergleicht den Börsenwert mit dem bilanziellen Eigenkapital eines Unternehmens.

Die Formel lautet:

KBV = Marktkapitalisierung ÷ Eigenkapital

Liegt die Marktkapitalisierung bei zwölf Milliarden Euro und das Eigenkapital bei acht Milliarden Euro, ergibt sich:

12 Milliarden Euro ÷ 8 Milliarden Euro = KBV von 1,5

Ein KBV von 1 bedeutet, dass der Börsenwert ungefähr dem bilanziellen Eigenkapital entspricht.

Besonders hilfreich ist das KBV bei Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen mit vielen greifbaren Vermögenswerten. Weniger aussagekräftig ist es oft bei Software- oder Markenunternehmen, da wichtige Werte wie Know-how oder Markenstärke häufig nur teilweise in der Bilanz erscheinen.

KGV, KUV und KBV im Vergleich

Kennzahl Vergleicht den Kurs mit Besonders geeignet für Wichtigste Schwäche
KGV Gewinn profitable, etablierte Unternehmen bei Verlusten nicht nutzbar
KUV Umsatz junge oder noch wenig profitable Wachstumsunternehmen ignoriert die Profitabilität
KBV Eigenkapital Banken und vermögensintensive Unternehmen immaterielle Werte fehlen häufig

Auf den Goldesel-Aktienseiten findest du wichtige Bewertungskennzahlen übersichtlich an einem Ort. Dadurch kannst du unter anderem nachvollziehen, wie sich KGV und KUV entwickelt haben und welche Werte auf Basis der erwarteten Geschäftszahlen entstehen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis, KUV oder KBV: Was passt?

Die passende Kennzahl richtet sich nach dem Unternehmen:

  • Bei einem profitablen Qualitätsunternehmen ist das KGV häufig ein guter Ausgangspunkt.
  • Bei einem schnell wachsenden, aber noch unprofitablen Unternehmen kann das KUV hilfreicher sein.
  • Bei Banken oder Unternehmen mit hohen bilanziellen Vermögenswerten gewinnt das KBV an Bedeutung.

Trotzdem solltest du eine Aktie möglichst nie anhand einer einzigen Kennzahl bewerten. Ein Unternehmen kann beim KGV günstig, beim Cashflow aber teuer erscheinen. Außerdem können hohe Schulden oder einmalige Gewinne das Bild verzerren.

Niedriges KGV = günstige Aktie?

Nein. Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie günstig ist. Zwar kann eine niedrige Bewertung auf eine Unterbewertung hindeuten, oft spiegelt sie aber auch Risiken wider – etwa sinkende Gewinne, stärkeren Wettbewerb oder strukturelle Probleme.Besonders bei zyklischen Unternehmen ist Vorsicht geboten: In wirtschaftlich starken Phasen können die Gewinne vorübergehend sehr hoch ausfallen, wodurch das KGV künstlich niedrig wirkt. Umgekehrt ist ein hohes KGV nicht zwangsläufig negativ. Bei Unternehmen mit starkem und profitablem Wachstum kann eine höhere Bewertung durchaus gerechtfertigt sein.

Nein. Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie günstig ist. Zwar kann eine niedrige Bewertung auf eine Unterbewertung hindeuten, oft spiegelt sie aber auch Risiken wider – etwa sinkende Gewinne, stärkeren Wettbewerb oder strukturelle Probleme.

Besonders bei zyklischen Unternehmen ist Vorsicht geboten: In wirtschaftlich starken Phasen können die Gewinne vorübergehend sehr hoch ausfallen, wodurch das KGV künstlich niedrig wirkt. Umgekehrt ist ein hohes KGV nicht zwangsläufig negativ. Bei Unternehmen mit starkem und profitablem Wachstum kann eine höhere Bewertung durchaus gerechtfertigt sein.

Drei Vergleiche machen Kennzahlen aussagekräftig

Beurteile KGV, KUV und KBV nie isoliert. Nutze stattdessen drei Vergleichsebenen:

  1. Wettbewerber: Wie sind ähnliche Unternehmen bewertet?
  2. Vergangenheit: Liegt die Bewertung über oder unter dem eigenen Durchschnitt?
  3. Zukunft: Welches Wachstum muss das Unternehmen liefern, um die Bewertung zu rechtfertigen?

Erst dadurch entsteht ein brauchbares Gesamtbild.

Typische Fehler bei Bewertungskennzahlen

Unterschiedliche Branchen vergleichen

Ein Softwareunternehmen besitzt meist eine andere Bewertung als ein Autohersteller oder eine Bank. Direkte Vergleiche sind daher oft wenig sinnvoll.

Vergangenheit und Zukunft verwechseln

Manche Kennzahlen basieren auf den letzten Geschäftszahlen, andere auf Schätzungen für das kommende Jahr. Prüfe deshalb immer, welcher Zeitraum verwendet wird.

Sondereffekte ignorieren

Der Verkauf eines Unternehmensteils kann den Gewinn einmalig erhöhen und das KGV künstlich senken. Bereinigte Kennzahlen können dagegen bestimmte Kosten ausblenden.

Wachstum außer Acht lassen

Ein KGV von 30 kann bei hohem Gewinnwachstum attraktiver sein als ein KGV von 10 bei dauerhaft sinkenden Gewinnen.

Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen

✅ Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.

✅ Das KUV vergleicht den Börsenwert mit dem Umsatz und eignet sich auch für noch unprofitable Wachstumsunternehmen.

✅ Das KBV setzt den Börsenwert ins Verhältnis zum Eigenkapital und ist besonders bei Banken oder vermögensintensiven Unternehmen nützlich.

✅ Ein niedriger Wert bedeutet nicht automatisch eine günstige Aktie.

✅ Die passende Kennzahl hängt von Branche, Geschäftsmodell und Unternehmensphase ab.

✅ Besonders aussagekräftig werden Kennzahlen durch den Vergleich mit Wettbewerbern, der Vergangenheit und den Zukunftserwartungen.

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