Kryptowährungen: „Es bleibt auch 2026 sehr spannend“
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8. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Das Börsenjahr 2025 brachte den großen Kryptowährungen insgesamt moderate Verluste. Der Bitcoin verlor 6 Prozent an Wert, Ethereum gab 11 Prozent ab und Solana büßte 34 Prozent ein. In Euro fielen die Kurseinbußen mit Minuszeichen zwischen 17 und 42 Prozent noch einmal deutlich stärker aus. In den 24 Monaten zuvor hatte sich der Bitcoin allerdings auch fast versechsfacht, Ethereum knapp verdreifacht. Der Kurs von Solana war 2023 und 2024 in Summe sogar um rund 1.800 Prozent gestiegen.
Die Volatilität lag 2025 im Vergleich zu anderen Assetklassen erneut deutlich höher. Nach einem zum Teil sehr schwachen Auftaktquartal zogen die Kurse der Kryptowährungen bis in den Herbst hinein kräftig an. Der Bitcoin markierte im Oktober sogar ein neues Allzeithoch bei über 126.000 US-Dollar, bevor es zum Jahresende hin erneut eine starke Korrektur gab. Im weiteren Verlauf erreichte der Kurs im Tief rund 80.000 Dollar. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei den anderen Währungen. Ethereum verfehlte bei seinem neuen Rekord im August nur knapp die Marke von 5.000 Dollar und fiel anschließend bis auf gut 2.600 US-Dollar zurück.
Ethereum profitiert stärker als im Vorjahr
Trotz der ins Stocken geratenen Rally war das abgelaufene Jahr erneut von einer starken institutionellen Nachfrage geprägt. Laut Coinshares lagen die globalen Zuflüsse in digitale Vermögenswerte mit 47,2 Mrd. US-Dollar nur knapp unter dem 2024 erreichten Rekordwert von 48,7 Mrd. US-Dollar. Die Gelder flossen überwiegend in Produkte auf den Bitcoin (57 Prozent) und Ethereum (27 Prozent). Im Jahr zuvor war der Fokus auf Bitcoin-Assets mit einem Anteil von 86 Prozent aber noch wesentlich größer.
Dovile Silenskyte von WisdomTree sieht rückblickend vor allem in den Sommermonaten „Anzeichen für eine selektive Neugewichtung der Portfolios einiger großer institutioneller Anleger, die ihre Allokationen in Ethereum-ETNs im Vergleich zu Bitcoin-ETNs erhöht haben“. Die Zuflüsse in physisch hinterlegte Ethereum-ETNs seien gerade in Europa das ganze Jahr über „bemerkenswert“ gewesen.
Bitcoin-ETNs dominieren den Börsenhandel
Im Handel mit Krypto-ETNs an der Deutschen Börse blieb der Bitcoin 2025 die klare Nummer eins. Unter den zehn am häufigsten gehandelten Produkten war die weltweit größte Kryptowährung gleich sechsmal vertreten. Die höchsten Umsätze verbuchte der Bitwise Physical Bitcoin (<DE000A27Z304>). Die Daten des Krypto-ETN-Emittenten Bitwise zeigen für diesen ETN unter dem Strich allerdings europaweit Nettoabflüsse. Die größten Zuflüsse gingen in die auf Xetra auch sehr rege gehandelten Bitcoin-ETNs von iShares (<XS2940466316>) und CoinShares (<GB00BLD4ZL17>).
Die verbleibenden vier Plätze in den Top-10 der Umsatzspitzenreiter nahmen im abgelaufenen Jahr der 21Shares Solana Staking (<CH1114873776>), der 21Shares XRP (<CH0454664043>) sowie die Ethereum-ETNs von VanEck (<DE000A3GPSP7>) und 21Shares (<CH0454664027>) ein.
Anlegerinnen und Anleger setzen auf steigende Kurse
Im Derivate-Handel von Vontobel blickt David Hartmann im Segment der Kryptowährungen auf ein „ausgesprochen turbulentes Börsenjahr 2025“ zurück. Das Interesse der Anlegerinnen und Anleger habe sich dabei wie bereits in den Vorjahren auf die „Ur-Kryptowährung“ Bitcoin fokussiert. „Rund zwei Drittel aller Transaktionen entfielen auf Zertifikate mit dem Basiswert Bitcoin, gefolgt von Ethereum und Solana“.
Gemessen an der Anzahl der ausgeführten Handelsgeschäfte entwickelte sich der aktuell dreifach gehebelte Mini Future Long auf den Bitcoin Future (<DE000VC1HCL6>) zum meistgehandelten Produkt in diesem Bereich. Insgesamt habe die Nachfrage nach Long-Strukturen deutlich überwogen: „Im Hebelsegment bezog sich lediglich etwa jeder zehnte Trade auf eine Short-Positionierung.“ Im Segment der Anlageprodukte bilanziert der Derivate-Experte für 2025 erneut eine hohe Nachfrage nach dem Open-End Partizipationszertifikat auf BTC/USD (<DE000VQ63TC1>).
Was 2026 von Bedeutung sein könnte
Die Prognosen für das aus Sicht der Krypto-Bullen positiv angelaufene Jahr 2026 fallen – wie bei dieser Assetklasse üblich – sehr unterschiedlich aus. Wichtige Einflussfaktoren könnten dabei vor allem die Entwicklung der US-amerikanischen Leitzinsen, die anstehenden Zwischenwahlen in den USA, die von US-Präsident Donald Trump versprochene Deregulierung sowie das Verhalten der institutionellen Investoren werden. Oder etwas, an das heute noch niemand denkt.
André Dragosch von Bitwise erkennt nach dem „Jahr der Konsolidierung“ eine Unterbewertung der großen Kryptowährungen, was eine „asymmetrisch attraktive Ausgangslage für 2026“ schaffe. „Mit verbesserten makroökonomischen Rahmenbedingungen, zunehmender institutioneller Durchdringung und strukturellen Angebotsengpässen erscheint der Kryptomarkt gut positioniert für eine erneute, fundamental getragene Aufwärtsphase“.
Wichtige Chartmarken im Fokus
Maximiliaan Michielsen von 21Shares sieht den Bitcoin mit Blick auf den charttechnischen Widerstand zwischen 95.000 und 100.000 US-Dollar kurzfristig in einer konstruktiven, aber heiklen Lage: „Ein entscheidender Durchbruch über den Widerstand würde wahrscheinlich die Dynamik beschleunigen, während ein Rückgang in Richtung der 80.000-Marke eher mit einer Konsolidierung als mit einer Trendumkehr einhergehen würde, vorausgesetzt, diese wichtige Unterstützung hält.“
Die mittelfristige Einschätzung der Strategen bleibt derweil positiv: „Insgesamt geht Bitcoin als ausgereifter Makro-Vermögenswert in das Jahr 2026, der stärker von Kapitalflüssen, Liquidität und globaler Positionierung geprägt ist und bei Anhalten der aktuellen Trends einen konstruktiven Weg vor sich hat.“
Große Chancen durch anhaltend hohe Nachfrage?
Konkrete Kursziele spricht Matthew Kimmell von CoinShares aus, die für den Bitcoin im Jahr 2026 ein hohes Potenzial sehen, „auch wenn der Weg nach oben voraussichtlich nicht linear verlaufen wird“. Die aus fundamentaler Sicht errechnete Bewertungsuntergrenze liegt aus seiner Sicht bis Ende des Jahres bei rund 140.000 US-Dollar. In einem günstigen Szenario könne der Bitcoin sogar Preisniveaus von um 240.000 Dollar erreichen. Als Grundlage seiner Annahmen sieht Kimmell eine weitere Zunahme des weltweiten Bitcoin-Besitzes sowie der spargetriebenen Zuflüsse, wodurch eine nachhaltige Nachfrage entstehen könnte.
Korrektur-Risiken durch Ende des Halving-Zyklus?
Es gibt aber auch deutlich kritischere Stimmen. Jurrien Timmer von Fidelity fürchtet einen neuen Bärenmarkt im Jahr 2026, weil der Bitcoin sowohl preislich als auch zeitlich einen weiteren vierjährigen Halving-Zyklus beendet haben könnte. Unterstützung dürfte der Kurs seiner Ansicht nach zwischen 65.000 und 75.000 US-Dollar finden.
Die Bank of America warnt vor einer allgemeinen Flucht aus hochspekulativen Assets. Da Kryptowährungen zuletzt sehr stark mit Tech-Aktien korreliert haben, bestehe für 2026 das Risiko, dass bei einer Abkühlung der KI-Euphorie auch der Bitcoin überproportional mitgerissen wird. Trotzdem hat das Finanzinstitut seinen Vermögensverwaltern zu Beginn des neuen Jahres erstmals offiziell erlaubt, Kryptowährungen als Teil der Kundenportfolios zu empfehlen, bis zu einem Anteil von 4 Prozent.
Von Thomas Koch, 8. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
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