Kommentar
12:00 Uhr, 04.03.2026

Krypto-Überwachung durch die Travel Rule? Das müssen Anleger wissen

Während MiCA noch umgesetzt wird, folgt mit der Travel Rule die nächste Regulierung. Welche Vorgaben die EU für Krypto-Anleger durchsetzen will.

Während die MiCA-Verordnung umgesetzt wird, steht der Krypto-Branche bereits die nächste Regulierungswelle bevor: die sogenannte “Travel Rule”. Sie verpflichtet Börsen und Wallet-Anbieter, bei Transaktionen die persönliche Daten offenzulegen. Das Ende des freiheitlichen Gedankens von Bitcoin und Co. oder doch nur ein notwendiger Schritt für die Reifung des Marktes? Im BTC-ECHO Interview erklärt Uve Poom, COO und Mitgründer von CryptoSwift, welche Folgen die Regelung für Privatanleger hat.

BTC-ECHO: Was genau ist die Travel Rule und was bedeutet sie für Krypto-Unternehmen?

Uve Poom: Die Travel Rule ist je nach Jurisdiktion eine neue Vorschrift. In Ländern wie Südkorea, Hongkong und Singapur ist sie bereits seit längerem in Kraft, aber in Europa wird sie jetzt aufgrund von MiCA und Lizenzanforderungen ein sehr heißes Thema. Sie ist insofern naheliegend, weil der Krypto-Markt reifer wird, und geht auf die Empfehlung Nr. 16 der Financial Action Task Force zurück. Die Travel Rule verlangt, dass der Name des Absenders und der Name des Empfängers einer Krypto-Überweisung protokolliert und den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt werden. Damit ähnelt sie den Überweisungsvorschriften im traditionellen Bankwesen.

Welche Herausforderungen bringt das für die Branche mit sich?

Das grundlegende Problem ist, dass bei “traditionellen” Kryptowährungen für eine Überweisung eben nur die Wallet-Adresse erforderlich ist, um die Gelder zu senden. Und man möchte die Namen der Personen nicht in der Blockchain offenlegen, weil diese dann sichtbar wären und die Privatsphäre damit verloren ginge. Daher benötigt man eine parallele Infrastruktur, die die persönlichen Daten der Gegenparteien erfasst und zwischen der sendenden Börse oder dem Wallet-Anbieter und der empfangenden Börse oder dem Wallet-Anbieter übermittelt.

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Was wären die Konsequenzen, wenn etwa eine Krypto-Börse die Vorschriften nicht einhält und nicht alle erforderlichen Daten ihrer Nutzer erfasst?

Sie werden letztendlich sanktioniert, was wahrscheinlich eine ziemlich hohe Geldstrafe bedeutet. Derzeit gewähren die Aufsichtsbehörden aber noch eine Schonfrist, da zunächst einmal die Übergangsfrist abgelaufen sein muss und die Regulatoren selbst erst einmal mit diesen Aufgaben, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, vertraut werden müssen. Sie haben es also nicht eilig, die ersten Geldstrafen oder Sanktionen zu verhängen. Aber ich denke, das ganze ist in Ordnung, bis es nicht mehr in Ordnung ist. Wenn sie also einen Akteur finden, insbesondere einen größeren Akteur, der sich nicht daran hält, werden sie ihn sehr stolz öffentlich an den Pranger stellen, und der Krypto-Markt wird das verstehen.

Wie genau hilft CryptoSwift bei der Einhaltung der Travel Rule?

Wir verfügen über eine Technologieplattform, die dabei hilft, die sogenannten Travel Rule-Meldungen zusammenzustellen und sie dann zwischen den Krypto-Dienstleistern, die an den Transaktionen beteiligt sind, zu versenden. Nehmen wir an, dass eine bestimme Börse unser Kunde ist. Dann nehmen wir die Informationen über die Transaktion von dieser Börse, wandeln sie in eine Travel Rule-Meldung um und senden sie an den begünstigten Virtual Asset Service Provider (VASP), der sie dann entpackt, überprüft, ob die Informationen korrekt sind, und die Gelder freigibt, wenn sie korrekt sind.

Gefährdet die Travel Rule die Privatsphäre normaler Krypto-Nutzer oder ist sie ein notwendiger Schritt für eine weitere Mainstream Adoption?

Auf jeden Fall Letzteres. Natürlich ist klar, dass nun, da die Namen stärker mit den Wallet-Adressen verknüpft sind, im Falle einer Datenpanne in einem System wie dem unseren oder einem unserer Wettbewerber der Datenschutz gewissermaßen untergraben wird. Abgesehen davon müssen die Regulierungsbehörden aber besser verstehen, wer die beteiligten Parteien sind. Und was die Mainstream Adoption angeht, so ist das auch etwas, das das Vertrauen in den gesamten Krypto-Bereich wirklich stärkt. Wir glauben daher, dass der Markt durch diese Art von Vorschriften letztendlich reifen wird und es weniger undurchsichtige Akteure, Spekulanten und zwielichtige Transaktionen geben wird.

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Wie kann sichergestellt werden, dass die Daten der Krypto-Nutzer selbst verschlüsselt sind und nicht so leicht gestohlen oder gehackt werden können?

Es ist vergleichbar mit dem Bankwesen. Das Ziel besteht also darin, über sichere Informationssysteme und ein Risikomanagement sowie Protokolle für die Cybersicherheit zu verfügen, die mit grundlegenden Maßnahmen beginnen, wie beispielsweise der Schutz vor den größten Web-Bedrohungen oder die Einführung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. In Bezug auf unsere eigenen Sicherheitsprotokolle müssen wir ein wenig wie eine Bank oder ein reifes FinTech-Unternehmen sein.

Bei einigen Krypto-Börsen muss man bei Auszahlungen neuerdings bestätigen, dass man Coins an die eigene Wallet sendet. Ist das eine Folge der Travel Rule?

Das ist einer der heiklen Fälle. Wenn du Coins von deinem eigenen, sagen wir mal zentralisierten Börsenaccount an deine selbst gehostete Wallet senden willst, dann gilt die Regel, dass du die Kontrolle über die Wallet nachweisen muss. Und auch diese Technologie bieten wir an. Sie heißt “Self Hosted Wallet Verification Widget” und ist eigentlich ganz einfach. Komplizierter wird es aber, wenn du deine Coins an die selbst gehostete Wallet eines anderen Benutzers sendest, weil es dann keine vernünftige Möglichkeit gibt, um die Eigentumsverhältnisse zu überprüfen. Klar, du weißt es vermutlich,, aber technisch gesehen ist es etwas umständlich, das zu bewerkstelligen. Daher besteht hier vorerst eine Lücke.

Wie funktioniert das aus technischer Sicht, wie kann man also tatsächlich bestätigen, dass man Eigentümer einer bestimmten Wallet ist?

Es gibt zwei logische Möglichkeiten, das zu tun. Eine davon ist der Satoshi-Test. Dabei sendet man eine minimale Menge an Krypto als tatsächliche Überweisung, und wenn das funktioniert, ist alles in Ordnung. Das kann jedoch etwas umständlich sein, daher gibt es eine benutzerfreundlichere Version mit Wallet Connect, bei der man im Grunde genommen eine QR-Code-Verifizierung durchführt. Man scannt also den QR-Code, und dann erscheint die Meldung “Okay, das scheinst tatsächlich du zu sein”.

Wird die Umsetzung all dieser komplexen regulatorischen Anforderungen durch die Krypto-Industrie mittel- bis langfristig gelingen?

Nun, technologisch gesehen ist es nicht kompliziert. Es handelt sich um eine Reihe von APIs und grundlegenden strukturierten Daten, die man untereinander überträgt. Natürlich sind einige der etablierten Anbieter ziemlich hochpreisig und verlangen Einrichtungsgebühren sowie zusätzliche monatliche Gebühren. Bei einem Preisniveau von mehreren tausend Euro pro Monat ist das für kleinere Unternehmen unerschwinglich und hält neue, innovative Anbieter davon ab, online zu gehen. Daher ist unsere Priorität bei CryptoSwift, flexible Preise anzubieten, die sich nach der Anzahl der tatsächlich abgewickelten Transaktionen richten. Firmen zahlen ein paar hundert Euro pro Monat und erhalten dann das Mindestpaket mit mehreren tausend Transaktionen. Das ist beispielsweise für OTC-Desks hilfreich, die keine große Anzahl von Transaktionen haben – sie können die Lösung nutzen, ohne absurd hohe Gebühren zu zahlen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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