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20:00 Uhr, 07.03.2026

Krypto-Steuer: So kommt das Finanzamt Betrügern auf die Schliche

Finanzämter haben deutlich mehr Handhabe bei der Prüfung der Krypto-Steuer. Mit welchen Mitteln sie Betrüger entlarven, erklärt ein Experte.

Die Schlinge für Krypto-Steuerbetrüger zieht sich immer enger. Seit diesem Jahr gelten für Börsen, Broker und andere Dienstleister, die den Verkauf von Bitcoin und Co. anbieten, strenge Meldepflichten. Aber wie genau prüft das Finanzamt eigentlich, wer bei der Krypto-Steuer mit offenen Karten spielt und wie gut kennen sich die Behörden wirklich mit Bitcoin und Co. aus? Ein Steuerexperte klärt auf.

Wenn einer wissen muss, wie Finanzämter Krypto-Steuerbetrüger aufspüren, dann ist es Florian Wimmer. Der CEO des Steuertracking-Unternehmens Blockpit schult in diesen Fragen regelmäßig Behörden in Deutschland und Österreich, 700 Beamte durchliefen nach eigenen Angaben bislang seine Kurse.

Grundsätzlich nutze der Fiskus zwei Arten von Datenquellen, um Krypto-Transaktionen nachzuverfolgen, erklärt Wimmer auf Anfrage von BTC-ECHO. Diese können entweder von zentralisierten Dienstleistern wie Brokern oder Börsen stammen, oder aber dezentralen Ursprungs sein. Ziel ist es, Krypto-Adressen echten Menschen zuzuordnen. “Sobald die Behörde deine Wallet-Adresse kennt, kann sie alle Transaktionen mit den richtigen Tools nachvollziehen”, sagt Wimmer.

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Mit den “richtigen Tools” meint der Steuerexperte forensische Hilfsmittel, auf die sich die Finanzämter verlassen. Das können Analysedienstleister wie Crystal oder Chainalysis sein, oder aber auch eigene Lösungen. Dank der Transparenz der Blockchain kann geschultes Personal dann recht einfach Zahlungsströme bis zu sogenannten Fiat-Offramps nachverfolgen, also Stationen, an denen Krypto wieder in Bargeld umgetauscht wird. Schließlich wollen Krypto-Anleger ihre Gewinne irgendwann auch mal auf dem eigenen Bankonto sehen.

Weil es sich bei Fiat-Offramps oft um zentralisierte Krypto-Börsen handelt, kann das Finanzamt nun Nutzerdaten über sogenannte Auskunftsersuchen einholen, erklärt Wimmer. Das kann für Einzelpersonen erfolgen, oder aber gleich in ganzen Gruppen. Notfalls kann die Behörde die Auskunft auch per Gerichtsverfahren einklagen, so wie im Fall Bitcoin.de.

Jetzt bekommen Finanzämter das große “Lagebild Krypto”

Künftig braucht der Fiskus aber keine juristischen Auseinandersetzungen mehr zu führen, um Daten von Börsen zu fordern. Stattdessen werden zentralisierte Krypto-Dienstleister künftig verpflichtet, Daten an die Finanzverwaltung zu melden. Das geht auf einen europäischen Vorstoß (DAC8) zurück, der seit Jahresbeginn gilt und von den Mitgliedsstaaten bereits in nationales Recht überführt worden ist.

Aber was genau wird da eigentlich erhoben? Florian Wimmer: “Das betrifft personenbezogene Daten sowie Transaktionsdaten, welche schlussendlich die Brücke zu den dezentralen Daten legen.” Neben dem Namen, dem Geburtsdatum und dem Wohnsitz weiß das Finanzamt künftig also auch über die (Krypto)-Vermögensverhältnisse Bescheid. “DAC8 ermöglicht den Behörden erstmals ein großflächiges Bild über nationale Kryptonutzer und deren Aktivitäten”, erklärt der Blockpit-CEO.

Übrigens ab 2027 setzt die OECD eine ganz ähnliche Richtlinie auf globaler Ebene um. Ziel des “Crypto Asset Reporting Framework” (CARF) ist auch hier mehr steuerliche Transparenz.

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Krypto-Verständnis der Beamten ist “sehr gut”

Dass Finanzbehörden nun in Sachen Krypto aufrüsten, ist kein Zufall. Zu lange fehlten die Mittel, um Steuerbetrug konsequent zu verfolgen – auch, weil Fachkenntnisse entweder spärlich oder nicht vorhanden waren.

Hier habe sich seitdem aber viel verändert, erzählt Florian Wimmer. Das Verständnis für den Krypto-Space auf Seiten der Behörden schätzt Florian Wimmer mittlerweile als “sehr gut” ein. Er selbst gibt Beamten Schulungen. Von Grundsatzfragen zu Bitcoin und DeFi bis hin zu Fehlern in Steuerberichten deckt er einen großen Themenbereich ab.

“Manche meinen jetzt vielleicht, dass wir den “Feind” schulen, aber Realität ist, dass ein gutes Know-how bei den Behörden auch zu weitaus weniger Problemen bei den Anlegern führt – hier haben wir schon die wildesten Storys miterlebt”, sagt er.

Abschließend gibt der Steuerexperte noch seinen wichtigsten Tipp, eine saubere Dokumentation der Transaktionsdaten: “Wenn die Dokumentation sauber ist, kann man nicht nur trotz einer potentiellen Steuerprüfung gut schlafen, sondern tatsächlich auch steueroptimierend tätig werden und einiges an Geld sparen.”

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