Krypto-Schock bei Binance: Warum der Rekord-Hack keine Ausrede verdient
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Rund 6,3 Milliarden US-Dollar, so viel wurde bei keinem Krypto-Hack zuvor erbeutet. Nach Bybit trifft es erneut eine der größten Börsen der Welt. Die Angriffe häufen sich, laut dem Analysehaus TRM Labs stieg ihre Zahl allein im ersten Halbjahr um rund 150 Prozent, angetrieben auch durch KI. Der Hack reißt ein Loch in das Grundvertrauen der Branche. Es kann jeden treffen, oder?
Binance: Wo sind die Absicherungen gewesen?
Der Binance-Hack bringt vor allem eine gewisse Ohnmacht mit sich. Man fühlt sich Hackergruppen wie Lazarus aus Nordkorea schutzlos ausgeliefert, die nach Einschätzung von Analysefirmen auch hinter diesem Angriff steckt. Solche Gruppen dringen mit immer professionelleren Methoden, laut TRM zunehmend auch mit KI-Unterstützung, selbst in die bestgesicherten Festungen ein. Und dennoch wäre es zu einfach, pauschal zu sagen: “Da kann man halt nichts machen”.
Warum befinden sich derart viele Milliarden US-Dollar auf sogenannten Hot Wallets, also Wallets, die besonders gegenüber Hackerangriffen exponiert sind? Nach Angaben von Binance wurden rund 6,3 Milliarden US-Dollar entwendet. Eine einzige Ethereum-Hot-Wallet hielt laut TRM Labs mehr als 167.000 ETH und dazu rund 1,6 Milliarden US-Dollar in Form des Stablecoins USDT.
Zunächst hieß es von Binance, ein kompromittierter Laptop könnte das Einfallstor gewesen sein. Inzwischen räumt die Börse weitere Einbruchstellen ein und spricht von einem “komplexen Angriff”. Das mag stimmen, als Ausrede taugt es nicht. Bei der größten Börse der Welt darf es nicht passieren, dass binnen weniger Stunden mehr als sechs Milliarden US-Dollar abfließen. Wo waren die Limits oder die Mehrfachfreigaben? Wie können einzelne Rechner beziehungsweise Mitarbeiter-Accounts mit derart umfangreichen Zugriffsrechten ausgestattet sein? So raffiniert der Angriff auch war, Binance muss sich diesen Vorwürfen stellen.
Freikaufen reicht nicht
Binance hat zugesagt, sämtliche Verluste aus dem Sicherheitsfonds SAFU und aus Firmenmitteln zu ersetzen. Damit kann sich Binance zwar einmal freikaufen, doch die Finanzstärke allein darf nicht als Sicherheitsargument dienen. Auch die Mittel von Binance sind endlich. Ein Vorfall dieser Größenordnung lässt sich nicht beliebig oft aus der Firmenkasse begleichen.
Ob mangelnde Regulierung (Binance verfügt bislang über keine MiCA-Lizenz) eine Mitschuld an dem Hack trägt, ist schwer zu sagen. Nur weil ein Unternehmen eine MiCA-Lizenz hat, ist es nicht automatisch besser vor Angriffen geschützt. Trotz seines Outlaw-Images galt Binance lange als vergleichsweise gut aufgestellt in Sachen Sicherheit, den Hack von 2019 mit mehr als 7.000 erbeuteten BTC einmal ausgenommen. Die Frage, ob das auch einer MiCA-regulierten Börse hätte passieren können, werden wir bei BTC-ECHO in den kommenden Tagen noch mit Branchenexperten besprechen.
Der eigentliche Schaden des Hacks zeigt sich erst noch
Sobald die Auszahlungen wieder laufen, ist mit Abflüssen zu rechnen. Insbesondere professionelle und institutionelle Kunden dürften nachhaltig verunsichert sein. Binance muss nun glaubhaft erklären können, warum sich so ein Vorfall nicht wiederholt. Andernfalls dürften die Marktanteile der Börse deutlich schrumpfen. Am Ende könnten die Mittelabflüsse und das geschädigte Kundenvertrauen stärker wiegen als der eigentliche Hack. Den Schaden des Angriffs kann Binance beziffern und aus eigener Tasche begleichen. Wie viele Kunden der Börse den Rücken kehren, lässt sich dagegen noch nicht absehen.
Welch Ironie, dass es zentralisierte Akteure wie Tether, Circle und Ripple sind, die durch das Einfrieren von Vermögenswerten, allen voran Stablecoins, einen größeren Schaden verhindert haben. Binance zufolge sind bislang rund drei Milliarden US-Dollar eingefroren. Die große Stärke von Bitcoin, seine Dezentralität, wird bei solchen Vorfällen zum Nachteil. Gestohlene BTC lassen sich nicht einfach einfrieren.
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