Krypto-Haltefrist-Aus: Das wären die Folgen für Deutschland
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Die Abschaffung der einjährigen Haltefrist für Kryptowerte steckt weiter in der Ressortabstimmung. Den geplanten Kabinettstermin am 14. Oktober ließ die Bundesregierung platzen, ein neuer Termin ist nicht bekannt. Gegenwind kommt inzwischen auch aus dem Umfeld der Union. Der Wirtschaftsrat der CDU lehnt die Pläne von Finanzminister Lars Klingbeil in einem Positionspapier ab.
Wie diese Folgen aussehen könnten, haben wir zwischen dem 5. und 12. Oktober gefragt. In der Krypto-Expertenumfrage, die wir gemeinsam mit Prof. Dr. David Florysiak von der IU Internationalen Hochschule durchführen, haben 46 Insider aus der Krypto- und Finanzbranche geantwortet. Zeitgleich hat die BTC-ECHO Community dieselben Fragen beantwortet, mit 274 Teilnehmenden. Damit lässt sich erstmals vergleichen, wie Profis und Privatanleger die Reform einschätzen.
Nachfrage: Insider erwarten einen Dämpfer, die Community einen Rückzug
Angenommen, die Haltefrist fällt. Dann erwarten 65,3 Prozent der Insider, dass die Nachfrage deutscher Privatanleger nach Kryptowerten sinkt. Die meisten von ihnen rechnen allerdings nur mit einem leichten Rückgang. 37,0 Prozent antworten mit "eher sinken", 19,6 Prozent mit "sinken" und 8,7 Prozent mit "deutlich sinken". Knapp ein Viertel erwartet keine Veränderung, 6,5 Prozent sogar eine steigende Nachfrage.
Die Community urteilt deutlich härter über die eigene Gruppe. 80,1 Prozent erwarten eine sinkende Nachfrage, 22,1 Prozent sogar einen deutlichen Rückgang. Nur 14,7 Prozent glauben, dass sich nichts ändert.
Stimme aus Österreich: "Investiert wurde trotzdem weiter"
Henning Daut von hy formuliert skeptisch. "Fällt die Haltefrist, ist Krypto steuerlich ein normales Wertpapier, nur ohne dessen Infrastruktur. Das nimmt Privatanlegern den Hauptgrund, überhaupt langfristig zu halten."
Gelassener sieht es Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth. Einen nachhaltigen Rückgang der Nachfrage erwartet er nicht, "da die langfristigen Investmentmotive unabhängig von der steuerlichen Behandlung bestehen bleiben". Albert Quehenberger, CEO des österreichischen Krypto-Forensik-Spezialisten AQ Forensics, verweist auf das Nachbarland, wo die Neuregelung teilweise sogar rückwirkend griff. "Investiert wurde trotzdem weiter."
Anlegerverhalten: Mehr Trading oder weniger Investitionen?
Noch deutlicher gehen die Einschätzungen bei der Frage auseinander, wie sich deutsche Privatanleger verhalten würden. Als wichtigste Folge nennen die Insider verstärktes kurzfristiges Trading (28,3 Prozent), knapp vor weniger neuen Investitionen in Kryptowerte (26,1 Prozent). 17,4 Prozent erwarten einen Wechsel in Krypto-ETPs, Fonds oder ähnliche Produkte, 10,9 Prozent keine wesentliche Änderung.
In der Community steht dagegen der Rückzug klar vorn. 30,9 Prozent nennen weniger Neuinvestitionen als wichtigste Folge, nur 18,8 Prozent verstärktes Trading und 14,0 Prozent den Wechsel in ETPs oder Fonds. Auffällig ist der Blick auf Ausweichbewegungen. Jeweils 12,5 Prozent der Community erwarten vor allem einen Wechsel auf Offshore-Plattformen, dezentrale Börsen oder in die Self-Custody, um Meldepflichten oder Steuern zu umgehen, oder gleich einen Umzug ins Ausland. Zusammen ist das jeder Vierte. Bei den Insidern sind es 15,2 Prozent.
Warum die Insider vor allem mit mehr Trading rechnen, erklärt David Kurz, Business Development Manager bei der niederländischen Kryptobörse Bitvavo. "Wer über Jahre Vermögen aufbaut, wird künftig genauso besteuert wie jemand, der nach wenigen Wochen verkauft, und Geduld zahlt sich steuerlich nicht mehr aus. Das macht kurzfristiges Trading relativ attraktiver und langfristiges Anlegen weniger lohnend." Ähnlich sieht es Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst beim Broker CMC Markets. Das Anlageverhalten dürfte sich "stärker in Richtung kurzfristiger Gewinnmitnahmen, taktischer Umschichtungen und einer stärkeren Orientierung an der Nachsteuerrendite verschieben".
Profiteure könnten regulierte Produkte sein. Raphael Neuberger, COO und CFO der Tokenisierungsplattform Cashlink, erwartet "einen leicht verstärkten Trend hin zu ETPs und Liquid Funds". Moritz Schildt, CEO der Krypto-Beteiligungsgesellschaft coinIX, wird konkreter. "Investoren werden künftig häufiger auf Fonds zurückgreifen, die als Steuerspardose funktionieren."
Vor der Flucht in unregulierte Märkte warnt dagegen Benedikt Faupel, Public Affairs Lead bei Bitpanda. Ohne steuerneutralen Krypto-zu-Krypto-Tausch nach österreichischem Vorbild treibe die Reform "Handelsvolumen in unregulierte Märkte".
Krypto-Kaufwelle bis zum Stichtag?
Kurzfristig könnte die Reform sogar zusätzliche Nachfrage auslösen. Laut Referentenentwurf sollen nur Kryptowerte unter die neuen Regeln fallen, die nach dem 31. Dezember 2026 angeschafft werden. "Aufgrund des geplanten Bestandsschutzes für Altbestände könnte es bis zum 31.12.2026 zu verstärkten Krypto-Käufen kommen", schreibt Christian Viehof, CFO der Wiener Krypto-Beratung Validvent. Auch Mirco Recksiek von Bitcoin2Go, rechnet im Fall der Abschaffung "mit vielen Käufen noch in diesem Jahr unter Annahme eines Bestandsschutzes". Ein Teilnehmer der Community-Umfrage hält das für die wichtigste Folge. Seine Antwort lautet "Starke Käufe bis Ende des Jahres".
Ob es so weit kommt, hängt nun an der Bundesregierung. Insider und Privatanleger sind sich einig, dass die Nachfrage leiden würde. Uneins sind sie darin, ob Anleger umschichten, mehr traden oder sich zurückziehen.
Wer wissen will, wie die Insider die Wahrscheinlichkeit der Abschaffung und die Folgen für den Standort Deutschland bewerten, der findet alle Ergebnisse im BTC-ECHO Insider Report für das vierte Quartal. Die vollständige Auswertung der Community-Umfrage folgt in Kürze.
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