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11:50 Uhr, 06.10.2026

Knock-Out-Zertifikate: Funktionsweise, Hebel und Risiko

Kaum ein Hebelprodukt wird von deutschen Tradern so häufig gehandelt wie das Knock-Out-Zertifikat. Der Grund ist einfach: Der Preis lässt sich mit einer Subtraktion nachrechnen, der Hebel ist auf den ersten Blick erkennbar, und es gibt keine Volatilität, die den Kurs unberechenbar macht. Der Haken steckt im Namen. Berührt der Basiswert die Knock-Out-Schwelle, ist das Produkt wertlos, und zwar endgültig, auch wenn sich der Kurs eine Stunde später wieder erholt.

Wie Knock-Out-Zertifikate aufgebaut sind, was Basispreis, Schwelle und Bezugsverhältnis bedeuten, wie sich Long und Short unterscheiden und was dich das Halten über Nacht kostet, erklärt dieser Artikel an einem durchgehenden Rechenbeispiel. Am Ende steht der Vergleich mit dem Optionsschein und eine Checkliste für die Auswahl im Broker.

Dieser Artikel zeigt dir: wie ein Knock-Out seinen Preis bildet, wie Long- und Short-Produkte funktionieren, was Open End und feste Laufzeit unterscheidet, wie sich das Produkt im Kursverlauf und im Knock-Out-Fall verhält, was Finanzierungskosten und Spread kosten, wann ein Knock-Out und wann ein Optionsschein die bessere Wahl ist und worauf du bei der Auswahl achten solltest.

Was Knock-Out-Zertifikate sind

Ein Knock-Out-Zertifikat ist ein Hebelprodukt, das die Kursbewegung eines Basiswerts eins zu eins nachvollzieht, dabei aber nur einen Bruchteil des Basiswerts kostet. Die Differenz zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem Preis des Zertifikats finanziert der Emittent, also die herausgebende Bank. Genau aus dieser Differenz entsteht der Hebel. Rechtlich ist ein Knock-Out ein Wertpapier, genauer eine Schuldverschreibung des Emittenten, und wird wie eine Aktie über die Börse oder im Direkthandel gekauft und verkauft.

Die Produkte laufen je nach Emittent unter verschiedenen Namen: Turbo, Turbo-Optionsschein, Mini Future, Open End Turbo, Unlimited Turbo oder Wave. Die Mechanik ist überall dieselbe, Unterschiede gibt es bei Laufzeit und bei der Frage, ob die Knock-Out-Schwelle mit dem Basispreis zusammenfällt oder darüber liegt. Umgangssprachlich sagen die meisten Trader einfach „Knock-Out“ oder „KO“.

Der Begriff Knock-Out beschreibt das zentrale Merkmal. Jedes dieser Produkte hat eine Kursschwelle. Wird sie vom Basiswert erreicht oder unterschritten (bei Long-Produkten) beziehungsweise überschritten (bei Short-Produkten), verfällt das Zertifikat. Es gibt keine Erholung, kein Warten und keine zweite Chance. Was es dafür nicht gibt: Zeitwertverlust und Volatilitätseinfluss, die beiden Größen, die Optionsscheine so schwer kalkulierbar machen.

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Knock-Out in einem Satz

Du kaufst die Kursbewegung einer Aktie, bezahlst aber nur den Teil oberhalb des Basispreises. Solange die Aktie über der Schwelle bleibt, bewegt sich dein Produkt Cent für Cent mit ihr. Fällt sie darunter, ist dein Einsatz weg.

Basispreis, Knock-Out-Schwelle und Hebel

Drei Größen bestimmen den Preis und das Verhalten eines Knock-Outs. Wer sie versteht, kann jedes Produkt am Markt in wenigen Sekunden einordnen.

Größe Bedeutung Beispiel (Aktie bei 100 EUR)
Basispreis (Strike) Der Teil des Kurses, den der Emittent finanziert. Bei Long-Produkten liegt er unter dem aktuellen Kurs 80 EUR
Knock-Out-Schwelle (KO-Schwelle) Kursmarke, bei deren Berührung das Produkt verfällt. Beim klassischen Turbo identisch mit dem Basispreis, bei Mini Futures und Open End Turbos etwas darüber 80 EUR (Turbo) bzw. 84 EUR (Mini Future)
Bezugsverhältnis Wie viele Zertifikate einem Basiswert entsprechen. 0,1 heißt: 10 Zertifikate bilden eine Aktie ab 0,1
Innerer Wert (Kurs des Basiswerts − Basispreis) × Bezugsverhältnis (100 − 80) × 0,1 = 2,00 EUR
Hebel Kurs des Basiswerts geteilt durch (Kurs − Basispreis) 100 / 20 = 5

Der innere Wert ist die Basis des Preises. Dazu kommt in der Praxis ein kleines Aufgeld, mit dem der Emittent seine Finanzierungskosten und das Risiko einer Kurslücke einpreist. Bei Open-End-Produkten ist dieses Aufgeld minimal, weil die Finanzierung täglich über den Basispreis läuft. Bei Produkten mit fester Laufzeit ist es beim Kauf enthalten und baut sich bis zum Laufzeitende ab.

Der Hebel ergibt sich direkt aus dem Abstand zwischen Kurs und Basispreis. Je näher der Basispreis am aktuellen Kurs liegt, desto billiger das Produkt, desto höher der Hebel und desto näher die Knock-Out-Schwelle. Ein Knock-Out mit Hebel 20 auf eine Aktie bei 100 EUR hat einen Basispreis von 95 EUR. Die Schwelle liegt damit nur 5 Prozent unter dem Kurs, was bei vielen Einzelaktien der normalen Wochenschwankung entspricht.

Der Unterschied zwischen Turbo und Mini Future

Beim klassischen Turbo mit fester Laufzeit ist die Knock-Out-Schwelle identisch mit dem Basispreis. Wird sie berührt, ist der innere Wert null und das Produkt wertlos. Beim Mini Future und beim Open End Turbo liegt die Schwelle (dort oft Stop-Loss-Schwelle genannt) einige Prozent über dem Basispreis. Wird sie erreicht, löst der Emittent seine Absicherung auf und zahlt die Differenz zwischen erzieltem Preis und Basispreis als Restwert aus. Dieser Restwert ist meist klein und kann bei schnellen Bewegungen auch null sein, er ist aber ein Puffer gegen das Szenario, dass der Kurs die Schwelle überspringt.

Long oder Short: In beide Richtungen handeln

Knock-Outs gibt es in zwei Varianten. Mit einem Long-Produkt (auch Call oder Bull genannt) setzt du auf steigende Kurse. Mit einem Short-Produkt (Put oder Bear) setzt du auf fallende Kurse. Beim Short-Produkt ist die Rechnung gespiegelt: Der Basispreis liegt über dem aktuellen Kurs, der innere Wert ist (Basispreis − Kurs) × Bezugsverhältnis, und die Knock-Out-Schwelle wird von unten nach oben durchbrochen.

Long (Call, Bull) Short (Put, Bear)
Erwartung Basiswert steigt Basiswert fällt
Basispreis liegt unter dem Kurs über dem Kurs
Innerer Wert (Kurs − Basispreis) × BV (Basispreis − Kurs) × BV
Knock-Out, wenn der Kurs auf oder unter die Schwelle fällt auf oder über die Schwelle steigt
Beispiel: Aktie 100 EUR, BV 0,1 Basispreis 80 → Wert 2,00 EUR, Hebel 5 Basispreis 120 → Wert 2,00 EUR, Hebel 5

Short-Knock-Outs sind für Privatanleger der einfachste Weg, auf fallende Kurse zu setzen, ohne Aktien leihen zu müssen. Sie werden auch zur Absicherung genutzt: Wer ein Depot mit DAX-Werten hält und eine Korrektur erwartet, kann mit einem Short-Knock-Out auf den DAX einen Teil der Verluste ausgleichen. Bei Short-Produkten gilt eine Besonderheit bei Dividenden: Da der Basiswert am Ex-Tag um die Dividende fällt, passt der Emittent den Basispreis an, damit das Produkt nicht künstlich gewinnt.

Wie Leerverkäufe wirklich funktionieren und warum Short-Knock-Outs für Privatanleger meist die praktikablere Alternative sind, erklärt der Artikel Leerverkauf: Wie Short Selling funktioniert.

Open End oder feste Laufzeit

Die meisten heute gehandelten Knock-Outs sind Open-End-Produkte, also ohne festes Ablaufdatum. Sie laufen, bis du verkaufst oder die Schwelle erreicht wird. Der Emittent holt sich seine Finanzierungskosten, indem er den Basispreis täglich ein kleines Stück anpasst: bei Long-Produkten nach oben, bei Short-Produkten je nach Zinsniveau nach oben oder unten. Bei Mini Futures wird die Stop-Loss-Schwelle in der Regel monatlich nachgezogen, bei Open End Turbos wandert sie täglich mit dem Basispreis. Das bedeutet: Auch wenn sich der Basiswert nicht bewegt, verliert ein Long-Knock-Out jeden Tag ein wenig an Wert und die Schwelle rückt langsam näher.

Produkte mit fester Laufzeit sind seltener geworden. Bei ihnen sind die Finanzierungskosten als Aufgeld im Kaufpreis enthalten, das bis zum Laufzeitende abschmilzt. Am Laufzeitende wird der innere Wert ausgezahlt. Für Trades von wenigen Tagen ist der Unterschied unerheblich, für Positionen über Wochen lohnt sich ein Blick auf die tatsächlichen Kosten beider Varianten.

Rechenbeispiel: So verhält sich ein Knock-Out im Kursverlauf

Nehmen wir das Produkt aus der Tabelle: eine Aktie bei 100 EUR, Long-Knock-Out mit Basispreis 80 EUR, Bezugsverhältnis 0,1, Preis 2,00 EUR, Hebel 5. Du kaufst 500 Stück für 1.000 EUR.

Szenario Kurs der Aktie Innerer Wert Wert deiner Position Veränderung
Einstieg 100 EUR 2,00 EUR 1.000 EUR –
Aktie steigt 10 % 110 EUR 3,00 EUR 1.500 EUR +50 %
Aktie steigt 20 % 120 EUR 4,00 EUR 2.000 EUR +100 %
Aktie fällt 10 % 90 EUR 1,00 EUR 500 EUR −50 %
Aktie fällt 15 % 85 EUR 0,50 EUR 250 EUR −75 %
Aktie fällt 20 % 80 EUR 0 EUR 0 EUR Knock-Out, Totalverlust
Aktie erholt sich danach auf 105 EUR 105 EUR – 0 EUR Produkt existiert nicht mehr

Zwei Zeilen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die vorletzte zeigt den Knock-Out: Bei 80 EUR ist das Produkt wertlos, dein Einsatz von 1.000 EUR ist verloren. Die letzte zeigt, was den Knock-Out von der Aktie unterscheidet. Wer die Aktie selbst gekauft hätte, wäre bei 105 EUR im Plus. Wer den Knock-Out hatte, hat nichts mehr, weil das Produkt beim Berühren der Schwelle ausgeknockt wurde. Es reicht dabei ein einziger Kurs, etwa in einer illiquiden Minute am Morgen oder während einer Panikreaktion nach einer Nachricht.

Auch sichtbar wird, wie sich der Hebel unterwegs verändert. Bei 110 EUR ist das Produkt 3,00 EUR wert und der Hebel nur noch 110 durch 30, also 3,7. Bei 90 EUR ist das Produkt 1,00 EUR wert und der Hebel steigt auf 9. Ein Knock-Out im Verlust ist also automatisch ein Knock-Out mit höherem Hebel und näherer Schwelle. Wer in dieser Situation nachkauft, „um den Einstieg zu verbilligen“, verdoppelt sein Risiko an der gefährlichsten Stelle.

Der Sonderfall Kurslücke

Angenommen, die Aktie schließt bei 88 EUR und eröffnet am nächsten Morgen nach einer Gewinnwarnung bei 72 EUR, also unterhalb der Schwelle. Beim klassischen Turbo mit Schwelle gleich Basispreis trägt der Emittent das Risiko dieser Lücke, dein Verlust bleibt auf den Einsatz begrenzt. Beim Mini Future mit einer Stop-Loss-Schwelle bei 84 EUR versucht der Emittent, seine Absicherung aufzulösen. Gelingt das erst bei 72 EUR, liegt der Erlös unter dem Basispreis und der Restwert ist null. Der Puffer der Stop-Loss-Schwelle hilft bei langsamen Bewegungen, nicht bei Sprüngen. Auch das gehört zum Bild: Übernachtpositionen in Knock-Outs auf Einzelaktien sind vor Quartalszahlen besonders riskant.

Finanzierungskosten: Was dich das Halten kostet

Der Emittent finanziert bei einem Long-Knock-Out den Basispreis, in unserem Beispiel 80 EUR je Aktie. Dafür berechnet er Zinsen: einen Referenzzinssatz plus eine Marge, die je nach Emittent und Basiswert mehrere Prozent pro Jahr ausmachen kann. Bei Open-End-Produkten wird dieser Betrag täglich auf den Basispreis aufgeschlagen.

Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Finanzierungssatz von 5 Prozent pro Jahr: Auf 80 EUR Basispreis sind das rund 4 EUR im Jahr oder etwa 0,011 EUR pro Tag. Nach einem Monat ist der Basispreis um rund 0,33 EUR gestiegen. Beim Bezugsverhältnis 0,1 verliert das Zertifikat dadurch etwa 0,03 EUR, bei einem Preis von 2,00 EUR sind das rund 1,6 Prozent pro Monat, ohne dass sich die Aktie bewegt hat. Bei einem Produkt mit Hebel 20 ist der Effekt entsprechend stärker, weil die Finanzierungskosten auf einen viel größeren Basispreis anfallen, das Produkt selbst aber billiger ist.

Bei Short-Produkten dreht sich das Vorzeichen: Der Emittent hat den Basiswert verkauft und erhält Zinsen, von denen er dir einen Teil gutschreibt, abzüglich seiner Marge. In Niedrigzinsphasen kann daraus ebenfalls eine Belastung werden. Dazu kommen bei allen Varianten der Spread, der bei einem Produkt zu 2,00 EUR schnell 1 bis 2 Prozent ausmacht, und die Ordergebühren deines Brokers.

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Kosten im Blick

Ein Knock-Out ist ein Instrument für Tage bis wenige Wochen, nicht für Monate. Wer eine Position über Monate halten will, sollte die Finanzierungskosten gegen den erwarteten Kursgewinn rechnen. Bei Hebel 20 fressen Zinsen und Spread eine Seitwärtsphase von wenigen Wochen komplett auf. Den genauen Finanzierungssatz findest du im Basisinformationsblatt oder auf der Produktseite des Emittenten.

Knock-Out oder Optionsschein? Der Vergleich

Beide Produktgruppen bilden einen Hebel auf denselben Basiswert ab, verhalten sich aber grundverschieden. Die Wahl hängt davon ab, welche Art von Kursbewegung du erwartest und welches Risiko du tragen willst.

Kriterium Knock-Out-Zertifikat Optionsschein
Preisbildung Transparent: Kurs minus Basispreis Komplex: Kurs, Restlaufzeit und Volatilität
Hebel Klar erkennbar, verändert sich mit dem Kurs Nominal hoch, effektiv (Omega) niedriger und laufend wechselnd
Laufzeit Meist Open End Immer begrenzt
Zeitwertverlust Keiner, dafür tägliche Finanzierungskosten Ja, beschleunigt gegen Laufzeitende
Volatilität Kein Einfluss Steigende Volatilität verteuert, fallende verbilligt den Schein
Totalverlust Sofort beim Berühren der Schwelle, auch bei späterer Erholung Erst am Laufzeitende, wenn der Basiswert auf der falschen Seite des Basispreises steht
Verhalten in Seitwärtsphasen Leichter Wertverlust durch Finanzierung Deutlicher Wertverlust durch Zeitwert
Eignet sich für Klare, kurzfristige Trendbewegungen mit definiertem Stopp Bewegungen mit unsicherem Zeitpunkt, bei denen du zwischenzeitliche Rücksetzer aussitzen willst

Die Faustregel lautet: Wer eine Bewegung in den nächsten Tagen erwartet und ohnehin mit einem engen Stopp arbeitet, ist beim Knock-Out richtig. Die Schwelle ersetzt dann den Stopp, und die Preisbildung ist nachvollziehbar. Wer eine Bewegung erwartet, aber nicht weiß, ob sie in zwei oder in sechs Wochen kommt, und zwischendurch einen Rücksetzer von 10 Prozent aushalten will, fährt mit einem Optionsschein besser, weil dieser den Rücksetzer überlebt. Dafür bezahlt er mit Zeitwert und Volatilitätsrisiko.

Vor Quartalszahlen kehrt sich das Bild oft um. Die implizite Volatilität ist dann hoch, Optionsscheine sind teuer und verlieren nach den Zahlen selbst bei richtiger Richtung an Wert. Knock-Outs kennen diesen Effekt nicht, dafür droht ihnen die Kurslücke über die Schwelle. Ein sauberer Trade vor Zahlen ist mit keinem der beiden Produkte einfach.

Wie Optionsscheine im Detail funktionieren, was innerer Wert, Zeitwert und implizite Volatilität bedeuten und wie du einen Call durchrechnest, erklärt der vorherige Teil des Kurses: Optionsscheine einfach erklärt: Call, Put und Hebel.

Auswahlkriterien: So findest du das passende Knock-Out-Zertifikat im Broker

Auf eine einzelne Aktie gibt es oft hunderte Knock-Outs von einem Dutzend Emittenten. Die Suche in der Broker-App oder auf Portalen wie onvista, finanzen.net oder der Börse Stuttgart läuft über Filter. Sechs Kriterien helfen bei der Entscheidung.

Abstand zur Schwelle vor Hebel. Lege zuerst fest, wo dein Stopp im Basiswert liegen würde, wenn du die Aktie direkt handeln würdest. Die Knock-Out-Schwelle sollte deutlich unterhalb dieses Stopps liegen, damit du deine Position selbst schließen kannst, statt vom Emittenten ausgeknockt zu werden. Wer einen Stopp bei minus 8 Prozent plant, braucht ein Produkt mit einer Schwelle bei mindestens minus 12 bis 15 Prozent. Der Hebel ergibt sich dann von selbst.

Tagesschwankung des Basiswerts. Ein Abstand von 5 Prozent zur Schwelle ist bei einem DAX-Knock-Out komfortabel und bei einem Biotech-Wert eine Einladung zum Knock-Out. Vergleiche den Abstand mit der typischen Tagesspanne der Aktie.

Spread. Bei zwei sonst gleichen Produkten entscheidet der Spread. Ein Spread von 0,02 EUR auf ein Produkt zu 2,00 EUR sind 1 Prozent, die du bei jedem Hin und Her bezahlst.

Finanzierungssatz und Anpassung. Steht im Basisinformationsblatt. Bei kurzen Trades zweitrangig, bei Haltedauern über zwei Wochen ein echter Kostenfaktor.

Emittent und Handelszeiten. Große Emittenten stellen zuverlässig Kurse, auch in hektischen Phasen. Prüfe außerdem, in welchen Zeiten die Schwelle überwacht wird. Bei Produkten auf US-Aktien oder Indizes kann der Knock-Out außerhalb der deutschen Handelszeiten ausgelöst werden.

Restwert-Regelung. Mini Futures mit Stop-Loss-Schwelle bieten einen kleinen Puffer, klassische Turbos nicht. Bei volatilen Basiswerten kann dieser Unterschied ein paar Prozent des Einsatzes retten.

Wo ein Stopp im Basiswert sinnvoll liegt und welche Stop-Loss-Varianten es gibt, erklärt der Artikel Stop Loss Strategien: Welcher Stop passt? aus dem Kapitel Risikomanagement.

Die Risiken im Überblick

Knock-Outs bündeln die typischen Derivate-Risiken und fügen eines hinzu, das es nur bei ihnen gibt. Das Schwellenrisiko ist das offensichtlichste: Ein einziger Kurs auf der falschen Seite der Schwelle beendet den Trade endgültig. Das Hebelrisiko sorgt dafür, dass normale Schwankungen des Basiswerts zu großen Ausschlägen im Produkt werden, und es verschärft sich im Verlust, weil der Hebel dann steigt. Das Kursluckenrisiko trifft Übernachtpositionen, vor allem bei Einzelaktien vor Zahlen und bei Produkten auf US-Werte. Das Emittentenrisiko besteht, weil Knock-Outs Schuldverschreibungen sind. Und das Kostenrisiko aus Finanzierung und Spread macht aus einer Seitwärtsphase einen schleichenden Verlust.

Was Knock-Outs nicht haben: eine Nachschusspflicht. Der Verlust ist auf den Einsatz begrenzt. Und anders als CFDs unterliegen sie nicht den gesetzlichen Hebelgrenzen, was für Trader Freiheit und für Einsteiger eine Gefahr ist.

Steuerlich zählen Gewinne aus Knock-Outs zu den Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli. Verluste, auch aus einem Knock-Out-Fall, lassen sich mit anderen Kapitalerträgen verrechnen. Die frühere Beschränkung für wertlos ausgebuchte Wertpapiere wurde mit dem Jahressteuergesetz 2024 rückwirkend gestrichen.

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Risikohinweis

Knock-Out-Zertifikate können innerhalb von Minuten wertlos werden, auch bei langfristig richtiger Markteinschätzung. Setze nur Kapital ein, dessen Totalverlust dein Depot nicht spürbar belastet, und halte den Anteil gehebelter Positionen klein. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Alle Lektionen des Kurses, von Derivaten über Leerverkäufe bis zur Praxis im Goldesel Trading Depot, findest du auf der Kursseite Trading und Investieren für Fortgeschrittene.

Zusammenfassung: Knock-Out-Zertifikate

✅ Ein Knock-Out-Zertifikat bildet die Kursbewegung eines Basiswerts eins zu eins ab, kostet aber nur die Differenz zwischen Kurs und Basispreis. Aus dieser Differenz entsteht der Hebel.

✅ Drei Größen bestimmen das Produkt: der Basispreis, den der Emittent finanziert, die Knock-Out-Schwelle, bei deren Berührung das Produkt verfällt, und das Bezugsverhältnis.

✅ Long-Produkte setzen auf steigende, Short-Produkte auf fallende Kurse. Short-Knock-Outs sind für Privatanleger der einfachste Weg, auf fallende Kurse zu setzen oder ein Depot abzusichern.

✅ Die meisten Knock-Outs sind Open End. Der Emittent holt sich seine Finanzierungskosten über eine tägliche Anpassung des Basispreises, dadurch verliert das Produkt auch in Seitwärtsphasen an Wert.

✅ Der Hebel ist nicht konstant: Er sinkt, wenn der Trade gut läuft, und steigt, wenn die Position im Minus liegt. Ein Knock-Out im Verlust ist automatisch riskanter als beim Kauf.

✅ Im Vergleich zum Optionsschein ist der Knock-Out transparenter und frei von Zeitwert und Volatilitätseinfluss. Dafür kennt er den sofortigen Totalverlust an der Schwelle, auch bei späterer Erholung des Basiswerts.

✅ Bei der Auswahl gilt: erst den Stopp im Basiswert festlegen, dann eine Schwelle deutlich darunter wählen, dann Spread, Finanzierungssatz und Emittent vergleichen. Der Hebel ergibt sich daraus von selbst.

✅ Knock-Outs sind Werkzeuge für Tage bis wenige Wochen mit klarem Stopp und kleiner Positionsgröße. Wer eine Bewegung aussitzen will, ist mit der Aktie oder einem Optionsschein besser bedient.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.

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