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11:11 Uhr, 08.03.2024

Hellofresh-Aktie bricht nach Kassieren der Ziele 2025 ein

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Von Ulrike Dauer

FRANKFURT (Dow Jones) - Die Hellofresh-Aktie stürzt am Freitagvormittag massiv ab, nachdem der Berliner Kochboxenversender am Vorabend nach einer schwachen Geschäftsentwicklung zu Jahresbeginn die Ziele für 2025 kassiert hatte. Außerdem hat der MDAX-Konzern für das laufende Jahr einen Gewinnrückgang in Aussicht gestellt. Der Markt hatte mit einem Gewinnplus gerechnet.

Die Aktie verlor in der Spitze rund 48 Prozent bzw deutlich mehr als 5 Euro. Sie markierte einen neuen Jahrestiefstand bei 6,13 Euro. Das Allzeittief aus dem Dezember 2018 liegt bei 5,83 Euro. Bereits am Vorabend war der Kurs nachbörslich um etwa 15 Prozent eingebrochen. Die Konsensschätzungen dürften deutlich sinken. Händlern zufolge hat SocGen die Aktie auf "Hold" von "Buy" heruntergestuft und das Kursziel auf 12 Euro gesenkt von 45.

Hellofresh hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, es sei unwahrscheinlich, bis zum Geschäftsjahr 2025 wie geplant einen Umsatz von 10 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 1 Milliarde Euro zu erreichen. Das habe eine Neubewertung des stark veränderten Geschäftsumfelds seit Veröffentlichung des Ausblicks ergeben.

Die Baader-Analysten zeigten sich überrascht vom Zeitpunkt der Ankündigung eine Woche vor dem regulären Veröffentlichungstermin, hatten aber eine Senkung der Mittelfristziele erwartet. Die Verlangsamung des Geschäfts sei "strukturell bedingt", der Ausblick 2024 liege deutlich unter den Markterwartungen, und die fehlende Information zu dem neuen Mittelfristausblick komme nicht gut an, schreibt Baader-Europe-Analyst Davide Amorim. Die Analysten von Stifel bezeichneten den Ausblick 2024 als "grauenvoll".

In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz mit Analysten gaben CEO Dominik Richter und CFO Christian Gärtner keinen neuen Zeitrahmen für die kassierten Ziele. Das 10-Prozent-Margenziel, das der Konzern bis 2025 angepeilt hatte, bleibt definitiv ein "Langfrist-Ziel", das das Unternehmen auf Konzernebene, aber auch jeweils in den beiden Segmenten Kochboxen und Fertiggerichte (RTE, ready to eat) erreichen wolle, sagte Richter.

Im laufenden Jahr allerdings bleibe die Marge infolge der notwendigen Investitionen "temporär unter Druck" so Richter. Das laufende Jahr sei ein "komplexes Übergangsjahr", im Segment Kochboxen sei ein "Reset" erforderlich.

   Kundenschwund nach Pandemie konnte nicht kompensiert werden 

Das Unternehmen wolle unter anderem stärker in Produkte und Kundenbindung investieren und dadurch mittelfristig die Marketingkosten senken, sagte Richter. Für das Kochboxen-Segment, das ursprüngliche Standbein des Unternehmens, sei nach dem starken Neukundenwachstum während der Pandemie das "Basisszenario zu optimistisch" gewesen. Die "große Kohorte" der Pandemie-Kunden, die sich nach dem Abklingen der Covid-19-Pandemie graduell wieder verabschiedet habe, habe man nicht im geplanten Ausmaß durch Neukunden ersetzen können, die Marketingausgaben seien unzureichend in Neukundenwachstum umgesetzt worden. Die Kostenbasis werde nun an den Wachstumspfad angepasst, so Richter. Die Modernisierung der Fulfilment-Center im Kochboxen-Segment werde 2024 zunächst zu höheren Kosten führen. Gleichzeitig müsse der Ausbau der Produktionsstätten - vor allem im neuen später dazugekommenen Fertiggericht-Segment (RTE) - vorangetrieben werden. Beides soll sich mittelfristig auszahlen.

Ende 2024 sollen die Investitionen in das Kochboxen-Segment abgeschlossen sein, ab 2025 sollen die Investitionen sich auf das Fertiggericht-Segment fokussieren. Die Profitabilität im Fertiggericht-Segment sei je Neukunde höher als im Kochboxen-Segment, sagte Richter.

Für 2024 rechnet Hellofresh mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) auf 350 bis 400 Millionen Euro von 448 Millionen im Vorjahr. Die entsprechende Marge könnte im ersten Quartal leicht negativ sein. Der Umsatz soll währungsbereinigt um 2 bis 8 Prozent zulegen.

Die UBS-Analysten hatten bereits Ende Februar in einer Analyse ihre Bewertung abgegeben, dass der Marktkonsens angesichts der Geschäftsentwicklung zu hoch liege, vor allem was das erste Quartal betreffe. Das Quartal sei normalerweise das stärkste, leide aber besonders im Kochboxensegment, vor allem im US-Markt. Außerdem liege der Konsens für 2025 beim Umsatz und bereinigten operativen Gewinn EBITDA 10 bzw 26 Prozent unter dem Unternehmensziel, so dass "eher früher als später" eine Rücknahme der Ziele erfolgen dürfte, so UBS.

Kontakt zur Autorin: ulrike.dauer@wsj.com; @UlrikeDauer_

DJG/uxd/mgo

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