General Motors-Aktie vor Zahlen: Zölle, E-Autos, Hybride
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- 01Zahlen am Dienstag: GM ist am 20. Oktober vor US-Börsenbeginn zur Veröffentlichung der Q3-Zahlen angesetzt, die Telefonkonferenz für 8:30 Uhr ET.
- 02Weniger US-Verkäufe: General Motors verkaufte im dritten Quartal 670.974 Neufahrzeuge in den USA und damit 5,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
- 03Hohe Jahresziele: Die im Juli angehobene Prognose für 2026 umfasst 12,00 bis 14,00 USD bereinigten Gewinn je Aktie und 14,0 bis 16,0 Mrd. USD bereinigtes EBIT.
Die GM-Zahlen heute treffen auf einen Widerspruch: General Motors hat seine Jahresprognose im Juli zum zweiten Mal angehoben, im dritten Quartal aber 5,5 Prozent weniger Neufahrzeuge in den USA verkauft. Am 20. Oktober steht vor US-Börsenbeginn der Quartalsbericht an; die Telefonkonferenz ist für 8:30 Uhr ET angesetzt. Für dich lohnt deshalb der Blick über den Gewinn je Aktie hinaus: Wie passen der rückläufige Absatz, die hohen Jahresziele und die angekündigte Erweiterung um Hybridmodelle zusammen?
3,63 USD je Aktie sind die wichtigste Vergleichsmarke
Für das dritte Quartal erwarten Analysten laut CNBC und dem dort genannten LSEG-Konsens einen bereinigten Gewinn von 3,63 USD je Aktie sowie 48,70 Mrd. USD Umsatz. Das sind Erwartungen an den anstehenden Bericht, keine bereits veröffentlichten Ergebnisse. Beim Umsatz liegt die Messlatte damit über den rund 48,0 Mrd. USD, die GM im zweiten Quartal erzielt hat. Der Vergleich verbindet allerdings unterschiedliche Quartale und ist kein Vergleich mit dem Vorjahr.
Andere Anbieter nennen abweichende Erwartungen: MarketBeat führt 3,70 USD je Aktie und 48,83 Mrd. USD Umsatz an. Barchart/Yahoo Finance berichtete am 19. Oktober einen Konsens von 3,52 USD je Aktie. Zwischen den genannten EPS-Werten liegen somit 0,18 USD. Für die spätere Einordnung einer Ergebnisüberraschung solltest du daher dieselbe Vergleichsmarke verwenden: Ein tatsächliches Ergebnis kann über einer dieser Erwartungen liegen und unter einer anderen.
Laut TheFly wird ein Bericht im Rahmen bis leicht über den Erwartungen erwartet. UBS rechnet demnach mit einem bereinigten EBIT rund 0,4 Mrd. USD über dem Konsens. Gleichzeitig verliefen die Kurszieländerungen vor dem Bericht nicht einheitlich: Goldman Sachs, RBC und Deutsche Bank erhöhten ihre Ziele, JPMorgan senkte seines und sah ein gedämpftes Umfeld. Daraus ergibt sich kein einheitliches Urteil der Banken. Die operative Erwartung von UBS betrifft zudem das EBIT und lässt sich nicht unmittelbar mit einer EPS-Schätzung gleichsetzen.
Die Jahresprognose setzt einen hohen Maßstab
Die Ausgangslage für das Gesamtjahr stammt vom 21. Juli. Damals erhöhte GM die Prognose für 2026 zum zweiten Mal: auf 14,0 bis 16,0 Mrd. USD bereinigtes EBIT, 12,00 bis 14,00 USD bereinigten Gewinn je Aktie und 9,5 bis 11,5 Mrd. USD bereinigten automobilen freien Cashflow. Diese drei Spannen beschreiben unterschiedliche Seiten des Geschäfts. Das EBIT betrifft das operative Ergebnis, das EPS den Gewinn je Aktie und der freie Cashflow die Mittelgenerierung im Automobilgeschäft.
Im zweiten Quartal meldete GM neben rund 48,0 Mrd. USD Umsatz einen den Aktionären zurechenbaren Nettogewinn von 1,3 Mrd. USD und ein bereinigtes EBIT von 3,9 Mrd. USD. Die beiden Ergebniszahlen sind keine austauschbaren Größen. Wer allein das bereinigte EBIT betrachtet, liest eine andere Kennzahl als jemand, der auf den Nettogewinn schaut. Auch die Jahresprognose ist ausdrücklich auf bereinigte Kennzahlen ausgerichtet. Ein Vergleich mit dem Quartalsbericht muss deshalb jeweils dieselbe Ergebnisgröße verwenden.
Für GM North America lag die bereinigte EBIT-Marge im zweiten Quartal bei 8,6 Prozent. Sie ergänzt den Blick auf die Stückzahlen: Der US-Absatz zeigt, wie viele Neufahrzeuge verkauft wurden, die regionale Marge dagegen die Profitabilität im Verhältnis zum Umsatz. Der Absatzrückgang von 5,5 Prozent im dritten Quartal bedeutet deshalb nicht automatisch einen ebenso großen Ergebnisrückgang. Eine Fortschreibung der Juli-Prognose allein aus den US-Verkaufszahlen würde diese Unterschiede übergehen.
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Absatz, Umsatz und Gewinn getrennt lesen
GM verkaufte im dritten Quartal 670.974 Neufahrzeuge in den USA. Die Umsatzerwartung von 48,70 Mrd. USD betrifft dagegen den Konzern. US-Stückzahlen, Konzernumsatz und bereinigter Gewinn je Aktie messen unterschiedliche Größen und lassen sich nicht direkt ineinander umrechnen.
Der Absatzrückgang trifft besonders die Elektroautos
GM verkaufte im dritten Quartal 670.974 Neufahrzeuge in den USA, 5,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei mehreren batterieelektrischen Modellen gingen die Verkäufe deutlich zurück. Der von CNBC veröffentlichte Verkaufsbericht zeigt, wie ausgeprägt das war: Beim Chevrolet Equinox EV fiel der Absatz um 92,4 Prozent auf 1.905 Fahrzeuge. Der Blazer EV verzeichnete ein Minus von 84,4 Prozent, die Hummer-EV-Verkäufe sanken um 72,9 Prozent.
Der Vorjahresvergleich hat dabei einen konkreten Hintergrund. Laut CNBC war die Nachfrage nach Elektroautos im vergangenen Jahr vor dem Ende der US-Kaufanreize von bis zu 7.500 USD gestiegen. GM hatte damals Rekordverkäufe seiner Elektrofahrzeuge gemeldet. Die aktuellen Rückgänge treffen also auf eine hohe Vergleichsbasis. Das erklärt einen Teil des Zusammenhangs, ohne die schwachen Stückzahlen im dritten Quartal zu verändern.
Innerhalb des GM-Angebots verlief der Absatz unterschiedlich. Laut CNBC blieben die Verkäufe von Fahrzeugen mit klassischen Verbrennungsmotoren ungefähr auf Vorjahresniveau. Der Chevrolet Trailblazer legte im dritten Quartal um 51 Prozent zu, der Buick Envista um 18,4 Prozent und der Chevrolet Trax um 16,3 Prozent. Die großen Pick-ups lagen dagegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Hinter dem konzernweiten US-Minus stehen damit sehr verschiedene Modellverläufe. Für die Ergebnisanalyse ist diese Verteilung aussagekräftiger als die Gesamtstückzahl allein.
Hybride wachsen, während GM sein Angebot erweitert
Am 5. Oktober bekräftigte GM, Hybridmodelle in sein US-Produktportfolio aufzunehmen. Einen konkreten Einführungstermin nannte der Konzern nicht. Die Nachfrage verschiebt sich bereits: Laut Cox Automotive stiegen die US-Hybridverkäufe im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent. Ihr Anteil an den US-Neuwagenverkäufen erreichte 16,3 Prozent. Batterieelektrische Fahrzeuge kamen im selben Zeitraum laut dem CNBC-Bericht auf rund 5,8 Prozent.
GM hat in diesem Jahrzehnt weitgehend auf ein breites Hybridangebot verzichtet und bietet derzeit lediglich eine Hybridversion der Chevrolet Corvette an. Mike Anderson, bei GM für die Antriebstechnik verantwortlich, beschrieb gegenüber CNBC die Reaktion auf die Kundenwünsche so:
We’re not tone deaf to our customers. We know what they want and we want to give that to them as quickly as we can.
Mike Anderson, GM-Vizepräsident für Antriebstechnik, im CNBC-Interview
Für Käufer unterscheiden sich die Antriebe im Alltag. Ein klassischer Hybrid kombiniert einen Verbrennungsmotor mit Elektromotor und Batterie. Ein Plug-in-Hybrid hat zusätzlich einen Ladeanschluss und eine größere Batterie für elektrisch gefahrene Strecken. GM will bei seiner Strategie interne und externe Technologien kombinieren. Ford und Stellantis haben laut CNBC bereits Zulieferer genutzt, um Hybridfahrzeuge schneller auf den Markt zu bringen. Die Erweiterung des GM-Angebots betrifft somit auch Entwicklungsaufwand und Beschaffung, nicht bloß die Ankündigung neuer Modelle.
Wie stark ein vorhandenes Angebot wirken kann, zeigen die Wettbewerber. Toyota verkaufte im dritten Quartal 633.223 Fahrzeuge in den USA, ein Plus von 0,6 Prozent. Elektrifizierte Fahrzeuge einschließlich Hybriden machten mehr als 57 Prozent seines Absatzes aus. Honda meldete 9,3 Prozent mehr US-Verkäufe und einen Hybridrekord von mehr als 106.000 Fahrzeugen. Diese Zahlen zeigen den Absatzkontrast zu GM, sind aber keine Aussage über die Gewinnentwicklung der Unternehmen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.
