EZB-Ökonomen: Keine starke Umlenkung chinesischer Exporte nach Europa
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Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Verhängung hoher US-Importzölle auf chinesische Waren hat nach Erkenntnissen von Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) keine größere Umlenkung dieser Waren nach Europa bewirkt. "Zollbedingte Umlenkungen erscheinen moderat und auf eine kleine Gruppe von Produkten beschränkt. Dies deutet auf begrenzte Ausstrahlungseffekte der US-Zölle auf Drittziele hin", heißt es in einem von der EZB veröffentlichten Bericht. Einige EZB-Offizielle haben auf die Möglichkeit hingewiesen, dass eine solche Umlenkung in größerem Umfang zu einem länger anhaltenden Rückgang der Inflation unter das EZB-Inflationsziel von 2 Prozent führen könnte.
Ausgelöst wurden diese Befürchtungen unter anderem dadurch, dass die chinesischen Ausfuhren in die USA nach Verhängung der Zölle stark sanken, die Exporte insgesamt aber deutlich stiegen. Die EZB-Ökonomen kommen nun aber zu dem vorläufigen Schluss, dass die jüngste Stärke der chinesischen Exporte in andere Märkte von Trends getrieben worden ist, die zeitlich vor den jüngsten Zollmaßnahmen lagen.
"Dies wird durch ein breit angelegtes Exportwachstum in allen wichtigen Regionen belegt", heißt es in dem Bericht. Gestützt werde dieser Trend von mehreren Faktoren. So habe eine schwache Binnennachfrage chinesische Unternehmen dazu veranlasst, Überkapazitäten ins Ausland zu kanalisieren. Unterstützt worden sei dies durch sinkende Exportpreise, Wettbewerbsvorteile infolge einer schwachen Währung und einen staatlich gesteuerten Ausbau der Fertigungskapazitäten. "Eine tiefere Integration der Lieferketten innerhalb Asiens hat zudem die Exporte zu regionalen Partnern gestützt."
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/thl
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