EU könnte mit Service-Sanktionen reagieren
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
DJ US-ZOLL-BLOG/EU könnte mit Service-Sanktionen reagieren
Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen zu US-Zöllen:
EU könnte mit Service-Sanktionen reagieren
Analysten von Goldman Sachs rechnen damit, dass die EU auf die neuen US-Importzölle "umfassend" reagieren und sich dabei nicht auf den Gütersektor beschränken wird. "Angesichts des hohen Defizits der EU bei Dienstleistungen ist es möglich, dass die Reaktion der EU von einer eher schrittweisen Vergeltung durch das EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA) und die EU-Durchsetzungsverordnung bis hin zum neuartigen Anti-Zwangsinstrument für eine breite Palette von Zöllen auf Dienstleistungsimporte aus den USA reichen wird", heißt es in einem Kommentar.
Handelskrieg über Industrie hinaus wäre problematisch
Der Handelskrieg der USA mit dem Rest der Welt ist nach Aussage von Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater für Unternehmen und Branchen eine Herausforderung, für Volkswirtschaften als Ganzes aber zu meistern. "Wirklich problematisch für Konjunktur und Finanzmärkte wäre ein Handelskrieg, bei dem sich die Protektionsmaßnahmen auch auf Felder außerhalb der Industrie ausdehnen würden, also auf Dienstleistungen, Kapitalverkehr, Daten oder Standards", schreibt Kater in einem Kommentar. Kater nimmt an, dass große integrierte Wirtschaftsräume, wie etwa die EU oder die ASEAN-Staaten den Unternehmen Ausweichspielraum geben werden. "Wir erleben einen Umbau der Weltwirtschaft, keinen Abbau."
BGA sieht "Frontalangriff auf den Welthandel"
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) wertet die Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump als Beginn eines offenen Handelskrieges. "Das ist ein Frontalangriff auf den Welthandel. Mit drastischen Zollanhebungen für mehr als 100 Handelspartner stürzt der amerikanische Präsident mit einem amerikanischen Brexit die Welt in einen offenen Handelskrieg," erklärte BGA-Präsident Dirk Jandura. "Ich gehe davon aus, dass der Konflikt unser Wirtschaftswachstum erheblich beeinträchtigen wird. Je länger es dauert, desto schmerzhafter wird es für alle, auch die USA." Die EU müsse mit deutlichen Gegenmaßnahmen reagieren. Das funktioniere nur gemeinsam.
Trump-Zölle dürften neue Lockerungen bei Zentralbanken auslösen
Die Zölle von US-Präsident Trump fallen nach Einschätzung von Neil Shearing und Paul Ashworth von Capital Economics höher aus als erwartet und werden wahrscheinlich neue Zinssenkungen in den Industrieländern der Welt auslösen. Ein Basiswert von 10 Prozent plus maßgeschneiderte Zölle auf einzelne Volkswirtschaften und Warenkategorien werden sich nach Berechnungen von Capital Economics auf einen effektiven US-Zollsatz von insgesamt rund 25 Prozent summieren. China werde am stärksten betroffen sein, meinen die Ökonomen. Aber auch beim Wachstum in Großbritannien und der Eurozone würden Dezimalstellen wegfallen, sagen sie. "Die meisten Zentralbanken der Industrieländer werden dies wahrscheinlich als einen weiteren Grund für Zinssenkungen ansehen", fügen sie hinzu. Die Europäische Zentralbank wird später im April über ihre nächsten politischen Schritte entscheiden, die Bank of England im Mai.
Effektiver Zollsatz der höchste seit 131 Jahren
Die länderspezifischen reziproken Zölle von Präsident Trump seien größer ausgefallen als erwartet, so Neil Shearing, Chefökonom bei Capital Economics. Die Ankündigungen implizierten, dass der effektive Zollsatz für alle Importe bis 2025 von 2,3 Prozent im vergangenen Jahr auf rund 26 Prozent steigen und damit ein 131-Jahres-Hoch erreichen werde. Ganz allgemein betrachtet seien Kanada und Mexiko glimpflich davongekommen, während Länder in Asien, insbesondere China und Vietnam, hart getroffen worden seien. Die Europäische Union und Japan lägen irgendwo dazwischen, sagte Shearing.
Von der Leyen kündigt Reaktion auf US-Zolloffensive an
Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, hat angekündigt, auf die jüngste Runde von Zöllen des US-Präsidenten Donald Trump zu reagieren. Das sei ein "schwerer Schlag für die Weltwirtschaft und die Weltwirtschaft wird massiv darunter leiden", sagte sie bei einer Pressekonferenz in Usbekistan. "Die Unsicherheit wird zunehmen und den Protektionismus weiter anheizen. Die Folgen werden schrecklich sein", ergänzte sie. Die EU sei bereits, darauf zu reagieren. Eine Maßnahme gegen die Stahlzölle werde derzeit fertiggestellt und eine zweite Antwort sei ebenfalls in Arbeit. "Wir bereiten uns jetzt auf weitere Gegenmaßnahmen vor, um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte sie und fügte hinzu, dass die EU die indirekten Auswirkungen der gegenseitigen Zölle beobachten werde.
IfW-Ökonom: Deutschland droht mit Zöllen erneut Rezession
Die von Donald Trump angekündigten "reziproken" Zölle kosten Deutschland laut einem Szenario des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Jahr nach dem Inkrafttreten 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum. "Wir sehen, wie sich die USA aus dem Freihandel verabschieden", sagte der Handelsökonom Julian Hinz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für die Pharma-, Chemie und die Autoindustrie sowie den Maschinenbau seien die USA einer der wichtigsten Märkte. Das Wachstumsminus von 0,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts entspricht umgerechnet mehr als 20 Milliarden Euro. Das Kieler Szenario enthält noch keine möglichen Gegenmaßnahmen der EU. Derzeit bewegen sich die Wachstumsprognosen für Deutschland knapp oberhalb der Nullline. Mit den Zöllen droht laut IfW eine Rezession und ein drittes Jahr mit schrumpfender Wirtschaftsleistung infolge.
ING senkt Euroraum-BIP-Prognosen
ING senkt nach Ankündigung neuer US-Einfuhrzölle auf europäische Waren die Wachstumsprognosen für den Euroraum. Wie Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski schreibt, wird für 2025 ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um nur noch 0,6 (bisher: 0,7) Prozent erwartet und für 2026 ein Zuwachs von 1,0 (1,4) Prozent. Der Einfluss auf die Inflation ist Brzeski zufolge schwer zu quantifizieren. Zwar werde sie wohl steigen, doch dürften die Zölle zu höheren Lagerbeständen bei Unternehmen und führen, was zusammen mit der geringeren Kapazitätsauslastung auf die Preise drücken würde. Zudem könnte China versuchen, mehr Waren in Europa abzusetzen. "So wenig intuitiv das klingt - langfristig könnte ein voll entfalteter Handelskrieg für Europa disinflationär wirken", kalkuliert der Ökonom.
VCI: Kühlen Kopf bewahren
Der Verband der Chemieindustrie (VCI) setzt als Reaktion auf die von den USA angekündigten Zölle auf Verhandlungen und auf ein einheitlich auftretendes Europa. "Brüssel muss in seiner Reaktion flexibel und im engen Dialog mit Washington bleiben. Berlin muss dazu beitragen, dass Brüssel mit einer Stimme für die EU spricht", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Europa braucht ein starkes Mandat, auch im Interesse der deutschen Industrie. Das Ziel muss eine beidseitig faire Lösung sein - für Europa und die USA." Es gelte für alle Beteiligten, "einen kühlen Kopf zu bewahren". Die USA seien weiterhin ein zentraler Handelspartner für Deutschland. "Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden."
Kontakt zur Redaktion: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/hab/mgo
Copyright (c) 2025 Dow Jones & Company, Inc.