Ethereum-Rivale? Robinhood Chain nimmt mehr Gebühren ein als das Mainnet
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke
Die Robinhood Chain hat im dritten Quartal, ihrem ersten nach dem Start, mehr Gebühren eingenommen als das gesamte Ethereum-Mainnet: 51,0 Millionen US-Dollar gegenüber 35,1 Millionen US-Dollar. Obwohl sie auf Ethereum aufbaut, kommt beim zugrunde liegenden Mainnet davon kaum etwas an. Doch als wäre das alles nicht genug, liegt auch Ether, der native Token von Ethereum, rund 53 Prozent unter seinem Allzeithoch. Allein im Oktober verlor dieser 16,1 Prozent, was den schwächsten Oktober seit 2016 darstellte.
Viel Betrieb, wenig Umsatz
Im zweiten Quartal 2026 verarbeitete das Mainnet 203,9 Millionen Transaktionen. Das ist ein Plus von 68,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Gebühren lagen dagegen bei nur 52,5 Millionen US-Dollar, was rund 26 Cent pro Transaktion entspricht. Erklären lässt sich dieser Widerspruch mit einem Überangebot an Platz in den Blöcken, dem sogenannten Blockspace. Jeder Ethereum-Block hat eine Obergrenze dafür, wie viel Rechenleistung hineinpasst. Diese wird als Gas-Limit bezeichnet.
Ende 2024 lag das Gas-Limit noch bei 30 Millionen, im November 2025 stieg es auf 60 Millionen. In jeden Block passen damit doppelt so viele Transaktionen wie früher. Weil das Angebot schneller wächst als die Nachfrage, liegt die Grundgebühr meist nahe am Minimum. Ausreißer wie am 29. Oktober, als die Tagesgebühren ohne nennenswert mehr Transaktionen kurzzeitig auf 6,58 Millionen US-Dollar sprangen, bleiben die Ausnahme. Im dritten Quartal sanken die Mainnet-Gebühren um ein weiteres Drittel, bei nahezu gleichbleibender Aktivität.
Die Robinhood Chain behält fast alles
Die Layer-2-Strategie sollte Ethereum zur Abwicklungsschicht machen. Netzwerke wie Base, Arbitrum oder seit Kurzem auch die Robinhood Chain führen Transaktionen aus und zahlen Ethereum für das Ablegen ihrer Daten eine Art Miete. Je mehr auf den Layer-2-Netzwerken passiert, desto mehr sollte der Theorie nach auch bei Ethereum ankommen. Diese Miete liegt inzwischen jedoch fast bei null. Die Robinhood Chain ist erst seit dem 1. Juli live und verarbeitete in ihrem ersten Quartal bereits 793,7 Millionen Transaktionen. Das sind knapp viermal so viele wie auf dem Ethereum-Mainnet. Von ihren Einnahmen gingen in der Startphase nur rund 0,15 Prozent an das Ethereum-Mainnet. Vom Rest behält sie rund 90 Prozent selbst, etwa 10 Prozent gehen an das Arbitrum-Ökosystem, auf dessen Technik sie läuft.
Vor dem Dencun-Upgrade im März 2024 zahlten die Layer-2-Netzwerke zeitweise mehr als 2 Millionen US-Dollar pro Tag an Ethereum. Am 2. November überwies die Robinhood Chain gerade einmal 276 US-Dollar, Base als größter Zahler kam auf 368 US-Dollar.
Der Grund dafür ist eine Neuerung aus dem Dencun-Upgrade: die sogenannten Blobs. Früher mussten Layer-2-Netzwerke ihre Daten in den normalen Ethereum-Blöcken ablegen. Dort konkurrierten sie mit allen anderen Transaktionen um Platz. Seit Dencun gibt es für diese Daten ein eigenes Fach im Block. Dessen Preis steigt erst, wenn die Netzwerke mehr Daten ablegen wollen, als Platz vorgesehen ist. Weil Ethereum dieses Fach seither mehrfach vergrößert hat, kommt das kaum vor. Der Preis liegt deshalb fast immer am Minimum.
Für Nutzer ist das gut, Layer-2-Transaktionen sind dadurch sehr günstig geworden. Für Investoren hat das jedoch eine Kehrseite: Ein Teil der Gebühren wird verbrannt, also dauerhaft vernichtet. Weil die Gebühren so niedrig sind, gleicht dieser Burn die neu an Staker ausgegebenen ETH nicht mehr aus. Die Gesamtmenge liegt inzwischen bei 122,1 Millionen ETH und wächst wieder.
Rekordabfluss bei den ETFs, Rekord beim Staking
Institutionelle Anleger ziehen daraus bereits erste Schlüsse. Aus den US Spot ETFs auf Ethereum flossen im Oktober 1,61 Milliarden US-Dollar ab, so viel wie in keinem Monat seit ihrem Start im Juli 2024. Dabei hatten die Fonds von Juli bis September noch 3,05 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Das verwaltete Vermögen sank binnen eines Monats von 17,6 auf 13,2 Milliarden US-Dollar. Der November begann ebenfalls mit Abflüssen: Am 2. November verließen weitere 139,8 Millionen US-Dollar die Ethereum-Indexfonds.
Gleichzeitig sperren Anleger so viel ETH im Staking weg wie nie zuvor. Ende September waren laut Vermögensverwalter Bitwise 43,8 Millionen ETH gestakt, 35,9 Prozent der Gesamtmenge. Anfang 2026 lag der Anteil noch bei rund 30 Prozent. Für Investoren ist das Staking eine Form von Selbstschutz: Wer stakt, erhält die neu ausgegebenen ETH und gleicht so die Verwässerung aus.
Gutes Netzwerk, teurer Token?
Unterm Strich ergibt sich eine unbequeme Rechnung. Bei 122,1 Millionen ETH und einem Kurs von rund 2.250 US-Dollar kommt Ether auf eine Marktkapitalisierung von etwa 275 Milliarden US-Dollar. Hochgerechnet nimmt das Mainnet rund 140 Millionen US-Dollar Gebühren pro Jahr ein. ETH ist damit etwa 2.000-mal so viel wert wie die jährlichen Einnahmen des Netzwerks. Befürworter halten dagegen, dass ETH als Geld keine Cashflows brauche, ähnlich wie Bitcoin oder Gold.
Kurzfristig könnte zudem ein wichtiger Käufer wegfallen. BitMine hält 6,04 Millionen ETH, rund 4,9 Prozent der Gesamtmenge. Chairman Tom Lee hat angekündigt, bei 5 Prozent mit den Käufen aufzuhören. Ob die Nachfrage danach trägt, hängt von der Frage ab, die die On-Chain-Daten derzeit aufwerfen: Kann Ethereum aus seinem Wachstum wieder Einnahmen generieren?
Du willst auch die Artikel mit dem + lesen? Dann hol Dir BTC-ECHO Plus+
Mit Deinem Abo bekommst Du:
- Unbegrenzten Zugang zu allen Inhalten
- Exklusive Artikel, Interviews & Analysen
- Detaillierte Reports & Hintergrundberichte
- Technische Chartanalyse & Kursziele
Es sollen noch mehr Vorteile sein? Via Web und App hast Du geräteübergreifend Zugriff auf alle Beiträge. Damit verschaffen wir Dir ein optimales Lesevergnügen und du bleibst jederzeit flexibel.
