Kommentar
11:00 Uhr, 01.11.2026

Erst Alphabet, dann der Krypto-Hack: Bitcoin rutscht auf Sechswochentief

Zwei Fed-Mitglieder wollten am Mittwoch die Zinsen erhöhen, die Mehrheit wartete ab. Den Bitcoin-Kurs bewegten am Ende andere Akteure.

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Wochenlang fieberten Anleger der Fed-Sitzung am Mittwoch gespannt entgegen. Die eigentliche Überraschung kam am selben Abend jedoch von anderer Stelle. Für Unruhe sorgte nämlich der Tech-Riese Alphabet, der wenige Stunden nach der Zinsentscheidung seine Quartalszahlen veröffentlichte. Umsatz und Gewinn blieben erstmals seit 2022 beide hinter den Prognosen der Analysten zurück. Am Donnerstag darauf rutschte die Krypto-Leitwährung Bitcoin dann unter die psychologisch wichtige Marke von 80.000 US-Dollar. In der Nacht auf Freitag folgte der nächste Paukenschlag – diesmal von der Krypto-Börse Binance ausgehend.

Rekordabsturz beim Google-Konzern

Alphabet steigerte seine Investitionen im dritten Quartal auf 51,4 Milliarden US-Dollar, vor allem für Rechenzentren rund um künstliche Intelligenz. Der freie Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt, lag bei minus 9,07 Milliarden US-Dollar.

Schwerer wog für Anleger allerdings das Suchgeschäft, das zum zweiten Mal in Folge die Erwartungen verfehlte. CNBC wertete das als erstes echtes Zeichen dafür, dass KI dem Suchgeschäft zusetzt. Ausgerechnet die Sparte, die den teuren KI-Ausbau finanziert, gerät damit selbst ins Wanken.

Die Aktie verlor am Donnerstag 12,64 Prozent und schloss bei 283,82 US-Dollar. Damit lösten sich knapp 500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert in Luft auf. So viel hatte Alphabet als börsennotiertes Unternehmen noch nie an einem Tag verloren. Schon in der Vorwoche hatte Meta erstmals seit 2012 einen negativen freien Cashflow gemeldet, und auch damals reagierte die Börse mit kräftigen Abschlägen.

Amazon folgte am Abend. Die Cloud-Sparte AWS wuchs um 39 Prozent und damit so schnell wie seit Ende 2021 nicht mehr. Der Konzern investierte im Quartal aber 75,9 Milliarden US-Dollar und plant für das Gesamtjahr rund 220 Milliarden. Für 2027 kündigte Amazon noch einmal deutlich höhere Ausgaben an.

Belohnt wurde in dieser Woche lediglich Microsoft, dessen Cloud-Geschäft Azure um 48 Prozent wuchs, während der Konzern seine Investitionsplanung für das Jahr leicht senkte.

Warsh hält sich alle Optionen offen

Mit zehn zu zwei Stimmen beließ der Ausschuss die Zinsspanne bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh lehnte es erneut ab, den künftigen Zinspfad vorab anzudeuten. Die Daten vom Donnerstag liefern ihm Argumente für beide Seiten: Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal annualisiert um 3,4 Prozent, und die PCE-Preise stiegen im September um 3,6 Prozent zum Vorjahr.

Der PCE-Index misst die Preise der privaten Konsumausgaben und ist das Inflationsmaß, auf das die Fed am stärksten Wert legt. Zum Vormonat legten die Preise um 0,5 Prozent zu. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel blieb mit 3,1 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Die Fed selbst stufte das Wachstum in ihrer Erklärung von „solide“ auf „kräftig“ hoch. Eine kräftige Wirtschaft verträgt höhere Zinsen leichter.

Am Anleihemarkt hinterließ die Woche ebenfalls deutliche Spuren. Nach der Fed-Entscheidung stieg die zehnjährige US-Rendite, also der jährliche Zins für zehnjährige Staatsanleihen, auf 5,05 Prozent und schloss erstmals seit dem 21. Oktober wieder über 5 Prozent.

Einen Tag später fiel sie trotz der hohen Inflationszahl auf 4,98 Prozent, weil Anleger nach dem Alphabet-Absturz offenbar Schutz in Staatsanleihen suchten.

Milliardenschaden bei der größten Krypto-Börse

Am Donnerstag fiel Bitcoin bis zum Mittag um 1,4 Prozent auf rund 80.100 US-Dollar, zwischenzeitlich sogar auf 79.600. Am selben Abend bestätigte Binance einen Sicherheitsvorfall und setzte Auszahlungen auf mehreren Netzwerken aus. Die Börse bezifferte den Schaden auf rund 6,3 Milliarden US-Dollar, etwa 3 Milliarden davon seien eingefroren.

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Co-CEO Yi He sagte zu, alle Verluste zu ersetzen. Binnen 24 Stunden wurden Positionen über 1,49 Milliarden US-Dollar zwangsweise geschlossen, weil Händler mit geliehenem Geld auf steigende Kurse gesetzt hatten.

Was Bitcoin jetzt drehen könnte

Bitcoin reagierte in dieser Woche stärker auf die hohen KI-Ausgaben der Tech-Konzerne als auf die Federal Reserve. Die nächste Zinsentscheidung der Fed fällt am 9. Dezember, und eine Erhöhung gilt als sehr wahrscheinlich. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei rund 80 Prozent. Für Bitcoin könnte sich die Lage auf zwei Arten bessern: Die Tech-Konzerne zeigen, dass sich ihre Milliarden für KI auszahlen, oder neue Wirtschaftsdaten halten die Fed von einer weiteren Erhöhung ab.

Erste Hinweise auf beide Wege liefert schon die kommende Woche. Am Montag legt Apple nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor, am Dienstag wählen die USA ihr Parlament neu. Am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für Oktober, der wegen der Zeitumstellung in den USA um 14:30 Uhr deutscher Zeit erscheint. Er zeigt, wie viele neue Stellen entstanden sind, und ist für die Fed einer der wichtigsten Hinweise vor der Dezember-Sitzung.

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