Kommentar
11:04 Uhr, 27.03.2026

Ein Girokonto mit 4 Prozent Zinsen? Wie Deblock DeFi in den Alltag bringt

Vier Prozent Zinsen auf dem Girokonto – bei täglicher Gutschrift und voller Flexibilität? Deblock will genau das möglich machen. Erfahre, wie das Konzept funktioniert und wo die Chancen für dich liegen.

Girokonten sind bequem, aber renditeschwach. Wer sein Geld im Alltag verfügbar halten will, verzichtet in der Regel auf Zinsen. Wer Rendite sucht, muss es anlegen – oft mit Einschränkungen bei Verfügbarkeit oder Flexibilität. Ein französisches Fintech will diese Logik nun aufbrechen.

Deblock startet ein Girokonto, das mit bis zu vier Prozent pro Jahr verzinst wird – täglich gutgeschrieben, ohne feste Laufzeit und ohne Einlagenlimit. Ergänzt wird das Angebot durch bis zu 1 % Cashback auf Kartenzahlungen. Was auf den ersten Blick wie ein besonders attraktives Tagesgeldangebot wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein grundlegend anderes Produkt.

Die stille Schwäche des europäischen Bankings

Über Jahre hinweg war die Trennung klar: Girokonten sind für den Zahlungsverkehr da, Sparprodukte für Rendite.

Doch selbst nach der Zinswende bleibt das Angebot vieler Banken überschaubar. Tagesgeldzinsen liegen häufig zwischen 2,5 und 3,5 Prozent – oft zeitlich begrenzt oder an Bedingungen geknüpft. Girokonten hingegen bleiben in der Regel unverzinst. Für Nutzer bedeutet das: Liquidität kostet Rendite. Genau hier setzt Deblock an.

Ein neues Modell: Rendite ohne Verzicht auf Liquidität

Das Konzept ist einfach formuliert: Geld auf dem Girokonto soll nicht ungenutzt bleiben, sondern kontinuierlich Erträge generieren. Nutzer können die Verzinsung direkt in der App aktivieren. Das Geld bleibt jederzeit verfügbar, es gibt keine Sperrfristen und keine Obergrenze für Einlagen. Die Zinsen werden täglich gutgeschrieben.

Die Höhe der Verzinsung hängt dabei vom Kontomodell ab: Standard-Nutzer erhalten bis zu 2 % p. a., Premium-Kunden bis zu 4 % p. a.

Damit nähert sich das Produkt funktional einem Tagesgeldkonto an – ohne dessen typische Einschränkungen. Doch der entscheidende Unterschied liegt unter der Oberfläche.

DeFi im Hintergrund

Während klassische Banken Zinsen aus ihrem Kreditgeschäft finanzieren, nutzt Deblock eine andere Quelle: die Liquidität dezentraler Finanzmärkte.

Im Backend arbeitet das Kreditprotokoll Morpho, kombiniert mit dem Euro-Stablecoin EUR CoinVertible von SG-FORGE, der Digital-Asset-Einheit der Société Générale. Über diese Infrastruktur wird Euro-Liquidität in On-Chain-Märkte eingebracht und dort verzinst.

Der aktuell beworbene Zinssatz von bis zu vier Prozent ist deshalb nicht fix, sondern marktabhängig. Er ergibt sich aus den Bedingungen dieser Märkte – ähnlich wie auch Tagesgeldzinsen letztlich vom Zinsumfeld bestimmt werden. Deblock betont allerdings, das aktuelle Niveau möglichst stabil halten zu wollen.

Kontrolle als zentrales Versprechen

Ein weiterer Unterschied zu klassischen Banken liegt in der Verwahrung der Gelder. Deblock kombiniert sein Girokonto mit einer sogenannten Self-Custody-Wallet. Nutzer behalten damit die Kontrolle über ihre Assets, anstatt sie vollständig an eine Bank abzugeben.

Auch bei aktivierter Verzinsung soll dieses Prinzip bestehen bleiben. Die Mittel werden nicht klassisch “eingezahlt”, sondern über ein Protokoll bereitgestellt. Das ist vor allem für eine Zielgruppe relevant, die aus dem Krypto-Bereich kommt und Wert auf Unabhängigkeit legt.

Höhere Rendite, anderes Risikoprofil

Der Ansatz hat jedoch auch eine Kehrseite. Die höhere Rendite entsteht nicht aus dem klassischen Bankgeschäft, sondern aus On-Chain-Finanzmärkten. Damit ist sie zwangsläufig variabel und von Marktbedingungen abhängig.

Zudem handelt es sich nicht um eine klassische Bankeinlage mit gesetzlicher Einlagensicherung, sondern um ein E-Geld- und DeFi-basiertes Modell. Für Nutzer bedeutet das: mehr Ertragspotenzial – aber auch mehr Komplexität.

Timing: Warum das Modell jetzt kommt

Dass ein solches Produkt gerade jetzt auf den Markt kommt, ist kein Zufall. Zum einen sind Zinsen wieder ein Thema. Nutzer vergleichen Angebote stärker und erwarten, dass ihr Geld arbeitet. Zum anderen hat sich die Infrastruktur im Krypto-Bereich deutlich weiterentwickelt – insbesondere im Bereich Stablecoins und DeFi-Protokolle.

Gleichzeitig schafft die europäische Regulierung mit MiCA erstmals einen klareren Rahmen für solche Modelle. Deblock positioniert sich damit in einem Spannungsfeld: zwischen regulierter Finanzwelt und dezentraler Technologie.

Mehr als nur ein neues Zinsprodukt

Ob sich dieser Ansatz durchsetzt, bleibt offen. Doch unabhängig davon zeigt das Beispiel Deblock, wohin sich der Markt bewegen könnte. Die klassische Trennung zwischen Konto und Investment beginnt zu verschwimmen. Produkte entstehen, die Liquidität, Rendite und zusätzliche Anreize wie Cashback miteinander verbinden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, ob vier Prozent auf dem Girokonto attraktiv sind. Sondern ob das Girokonto der Zukunft überhaupt noch unverzinst sein wird.

Hinweis: Die Verzinsung beträgt bis zu 4 % p. a. (Brutto, Premium), bzw. bis zu 2 % p. a. (Standard), gilt aktuell bis zum 30.04.2026 und ist danach variabel. Cashback bis zu 1 %. Es gelten die jeweiligen Geschäftsbedingungen.

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