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10:08 Uhr, 17.05.2026

Diese Themen-ETFs schlagen den Markt – wann lohnt sich die Wette wirklich?

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Der S&P 500 steht auf Rekordniveau, der Nasdaq ebenfalls – und trotzdem haben einzelne Themen-ETFs den breiten Markt zuletzt deutlich abgehängt. Vor allem Halbleiter, Energie- und Rohstoffthemen liefern teils spektakuläre Renditen und rücken stärker in den Fokus vieler Anleger.

Doch hier stellt sich die Frage: Ist das eine gezielte Wette auf die richtigen Trends – oder steigt man einfach zu spät ein, nachdem der größte Teil der Bewegung schon gelaufen ist?

In dieser Goldesel Topstory schauen wir uns fünf Themen-ETFs an, die den S&P 500 geschlagen haben. Wir zeigen, warum sie so stark gelaufen sind, wo die Risiken liegen und wann sich ein Themen-ETF im Depot wirklich lohnt.

Themen-ETF oder breiter Markt? Was die gezielte Wette wirklich bedeutet

Themen-ETFs sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Der Reiz liegt auf der Hand: Statt den gesamten Markt abzubilden, setzt man gezielt auf einzelne Trends wie Künstliche Intelligenz, Rüstung oder Energie. Läuft das Thema, kann die Performance deutlich über dem breiten Markt liegen – genau das zeigt sich aktuell bei mehreren ETFs, die den S&P 500 klar hinter sich gelassen haben.

Gleichzeitig bringt diese Fokussierung aber auch Risiken mit sich. Wer in einen Themen-ETF investiert, kauft oft genau dann, wenn der Trend bereits gut gelaufen ist. Dazu kommen höhere Kosten, eine stärkere Abhängigkeit von wenigen Branchen oder Unternehmen und die Gefahr, dass ein Thema schneller wieder aus dem Fokus verschwindet, als viele erwarten.

Genau deshalb gilt: Ein Themen-ETF ist keine Basisanlage, sondern eine gezielte Ergänzung. Im klassischen Core-Satellite-Ansatz bildet ein breit gestreuter ETF den Kern des Depots, während Themen-ETFs als kleinere Beimischung genutzt werden, um einzelne Trends abzudecken.

Branchen-ETF oder Themen-ETF – Was ist der Unterschied?

Ein Branchen-ETF bildet einen klassischen Sektor ab, etwa Energie oder Halbleiter. Im Gegensatz dazu bündelt ein Themen-ETF einen Trend quer über mehrere Branchen, wie etwa Künstliche Intelligenz oder Cybersecurity. Da beide Varianten deutlich konzentrierter und schwankungsanfälliger als ein breiter Welt-Index sind, fassen wir sie in diesem Artikel unter dem Oberbegriff „Themen-ETF“ zusammen.

Outperformance richtig lesen: Drei Stolperfallen beim Vergleich

Wer die Rendite eines spezialisierten ETFs mit dem S&P 500 vergleicht, erliegt oft optischen Täuschungen. Damit die gezielte Wette nicht zur Renditefalle wird, musst du die folgenden drei Stolperfallen kennen und umschiffen:

  • Der gewählte Zeitraum: Die Perspektive ist entscheidend. Über die letzten zwölf Monate mag ein Halbleiter-ETF brillant aussehen, doch über einen Zeitraum von zehn Jahren – inklusive heftiger Crashs – ergibt sich oft ein völlig anderes Bild. Eine kurzfristige Outperformance ist kein Garant für langfristige Stabilität.
  • Der Survivorship Bias: In den gängigen Bestenlisten tauchen nur die Überlebenden auf. Erfolgreiche Konzepte bleiben sichtbar, während gefloppte oder geschlossene Themen-ETFs leise vom Markt verschwinden. Das lässt die gesamte Kategorie erfolgreicher erscheinen, als sie in der Realität ist, da die „Leichen“ im Keller der Statistik fehlen.
  • Der Währungsfaktor: Ein fairer Vergleich muss immer in der Heimatwährung erfolgen. Da der S&P 500 in USD notiert, tragen europäische Anleger zusätzlich ein Währungsrisiko. Für eine ehrliche Analyse müssen daher alle Performance-Daten einheitlich in Euro gerechnet werden, um die tatsächliche Kaufkraftentwicklung abzubilden.

Einige ETFs haben den S&P 500 geschlagen – jeder aus einem anderen Grund und jeder mit einem ganz eigenen Haken.

TER frisst Rendite!

Die Total Expense Ratio (TER) gibt an, welche jährlichen Kosten für die Verwaltung des ETFs anfallen. Da diese Gebühren direkt aus dem Fondsvermögen entnommen werden, reduzieren sie eins zu eins deine Nettorendite. Während ein breiter S&P 500-ETF oft nur um 0,10 % kostet, verlangen spezialisierte Themen-ETFs häufig zwischen 0,40 % und 0,75 %. Auf Sicht von zehn Jahren kann dieser scheinbar kleine Unterschied durch den Zinseszinseffekt bereits mehrere tausend Euro an Endkapital ausmachen.

Die besten ETFs, um den Markt zu schlagen

ETF Branche/Thema ISIN TER Fondsvolumen YTD-Performance¹
iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF Halbleiter IE000I8KRLL9 0,35 % ca. 4,39 Mrd. USD +78,42 %
iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF Energie IE00B42NKQ00 0,15 % ca. 1,85 Mrd. EUR +33,2 %
Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C KI/Big Data IE00BGV5VN51 0,35 % ca. 6,88 Mrd. EUR +24,7 %
Global X Uranium UCITS ETF Uran/Kernenergie IE000NDWFGA5 0,65 % ca. 685 Mio. EUR +24,5 %
VanEck Gold Miners UCITS ETF Goldminen IE00BQQP9F84 0,53 % ca. 3,48 Mrd. EUR +12,19 %
S&P 500 (Vergleichsmaßstab) US-Aktien breit ca. +6,5 %
¹ Stand Schlusskurse Freitag, 15.05.2026, Wertentwicklung in Euro gerechnet (Ausnahme: Fondsvolumen iShares Semiconductors in USD wie auf der iShares-Produktseite). Quellen: justETF, extraETF, Yahoo Finance (S&P 500: ^GSPC). Sortiert absteigend nach YTD-Performance.

Goldminen-ETF – Der Hebel auf das Edelmetall

Top 5 Positionen (Stand Mai 2026):

  1. Agnico Eagle Mines: Spezialist für politisch stabile Regionen (Kanada/Finnland).
  2. Newmont Corp: Weltgrößter Goldproduzent mit Fokus auf ESG-Standards.
  3. Barrick Gold: Starkes Standbein in Afrika und Nordamerika.
  4. Franco-Nevada Corp: Fokus auf Lizenzgebühren statt eigenem Minenbetrieb.
  5. Anglogold Ashanti: Ein Mining-Unternehmen mit globaler Präsenz.

Kurz-Check: VanEck Gold Miners UCITS ETF

ISIN IE00BQQP9F84
TER 0,53 %
Fondsvolumen ca. 3,48 Mrd. EUR
Auflagedatum 24.03.2015
YTD Performance +12,19 %

Während Gold als „sicherer Hafen“ oft nur die Inflation ausgleicht, bieten Minenaktien eine operative Hebelwirkung. Wenn der Goldpreis steigt, klettern die Gewinne der Förderunternehmen überproportional, da ihre Fixkosten für den Betrieb der Minen weitgehend stabil bleiben. In der jüngsten Berichtssaison (Frühjahr 2026) meldeten Branchenriesen im Schnitt Gewinnsteigerungen von 86 %, angetrieben durch eine massive Notenbanknachfrage und den Goldpreis auf Rekordniveau.

Wer hier einsteigt, setzt auf eine reine Konzentrationswette: Die Minenaktien hängen zu einhundert Prozent am Tropf des physischen Edelmetalls. Wenn du an eine fortlaufende Goldrallye durch die weltweiten Notenbankkäufe glaubst, ist der ETF als dynamischer Satellit eine Überlegung wert – er erfordert wegen der teils heftigen Schwankungen jedoch starke Nerven.

Chartanalyse VanEck Gold Miners UCITS ETF

Chartanalyse VanEck Gold Miners UCITS ETF – Mai 2026

Der Gold Miners ETF hat nach der enormen Edelmetall-Rallye, die bis Jahresbeginn anhielt, stark zugelegt. Seit dem Hype-Hoch hat sich jedoch ein Abwärtstrend etabliert und es hat sich eine Abwärtstrendlinie gebildet, die sich grob an der 50-Tage-Linie orientiert. Die 200-Tage-Linie stützt den Kurs aktuell noch von unten. Ein nachhaltiger Bruch der 200-Tage-Linie könnte auch bei den zugrundeliegenden Aktien für einen deutlicheren Kursrutsch sorgen. Der RSI ist im neutralen Bereich (41,74).

Energie-ETF – Profiteur der geopolitischen Krise

Top 5 Positionen (Stand Mai 2026):

  1. Exxon Mobil Corp: Dominiert mit über 30 % Gewichtung das Portfolio.
  2. Chevron Corp: Zweiter US-Riese mit starkem Fokus auf integrierte Wertschöpfung.
  3. ConocoPhillips: Reiner Explorer und Produzent, hochsensibel für den Ölpreis.
  4. Williams Companies: Spezialist für die Infrastruktur (Pipelines) in Nordamerika.
  5. SLB NV (ehem. Schlumberger): Weltgrößter Dienstleister für Ölfeld-Technik.

Kurz-Check: iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF

ISIN IE00B42NKQ00
TER 0,15 %
Fondsvolumen ca. 1,85 Mrd. EUR
Auflagedatum 20.11.2015
YTD Performance +33,2 %

Der Energiesektor hat sich im ersten Halbjahr 2026 als ultimativer „Krisen-Hedge“ erwiesen. Bedingt durch den Iran-Krieg und die Blockaden an der Straße von Hormus kletterte der Ölpreis zeitweise über die Marke von 100 USD. Unternehmen im S&P 500 Energy Index profitieren hierbei direkt von der physischen Knappheit und den explodierenden Margen im Upstream-Geschäft (Förderung).

Trotz der starken Rendite zeigt diese Dynamik das größte Risiko: Die Gewinne basieren nicht auf strukturellem Wachstum, sondern sind das direkte Resultat einer geopolitischen Krisenprämie. Als strategisches Absicherungsinstrument gegen Schocks im Nahen Osten erfüllt der ETF zwar perfekt seinen Zweck, für ein langfristiges „Kaufen-und-Vergessen“-Depot ist die Wette in dieser Konzentration jedoch zu heiß.

Chartanalyse iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF

Chartanalyse iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF – Mai 2026

Der ETF rund um den Energie-Sektor hat zuletzt auf einen Unterstützungsbereich zwischen 9,70 und 9,95 USD reagiert und konnte sogar die 50-Tage-Linie zurückerobern. Zwischen 10,45 und 10,65 USD liegt nun allerdings ein Widerstand, der zunächst überwunden werden muss. Bei einem Ausbruch rückt das Hoch über 11,50 USD wieder in den Fokus. Der RSI ist im neutralen Bereich (58,46).

Thesaurierend oder ausschüttend?

Die meisten Themen-ETFs sind thesaurierend, das heißt: Erträge werden automatisch wieder angelegt, statt ausgeschüttet zu werden – ein Vorteil für langfristigen Vermögensaufbau. Genauso wichtig ist das Fondsvolumen: Sehr kleine ETFs werden häufiger geschlossen, weshalb Anleger nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Größe des Produkts achten sollten.

Uran- und Kernenergie-ETF – Strom für die KI-Welt

Top 5 Positionen (Stand Mai 2026):

  1. Cameco Corp: Kanadischer Branchenprimus mit langfristigen Lieferverträgen an westliche Versorger.
  2. Oklo Inc.: Entwickler kleiner modularer Reaktoren, gilt als Hoffnungsträger für „Nuclear 2.0″.
  3. NexGen Energy Ltd.: Kanadische Junior-Mine mit dem aussichtsreichen Rook-I-Projekt in Saskatchewan.
  4. Uranium Energy Corp: US-Produzent mit Fokus auf In-situ-Recovery in Texas und Wyoming.
  5. NAC Kazatomprom: Größter Uranproduzent der Welt aus Kasachstan.

Kurz-Check: Global X Uranium UCITS ETF

Kennzahl Wert
ISIN IE000NDWFGA5
TER 0,65 %
Fondsvolumen ca. 685 Mio. EUR
Auflagedatum 20.04.2022
YTD Performance +24,5 %

Wenn ein einziger Megatrend die Kernenergie aus dem politischen Eck zurück in den Mainstream gezogen hat, dann ist es der explodierende Strombedarf der KI-Rechenzentren. Hyperscaler wie Microsoft, Google und Amazon unterschreiben reihenweise langfristige Stromabnahmeverträge mit Kernkraftbetreibern, weil sie planbare, CO2-arme Grundlast brauchen und Wind und Solar diese Rolle nicht alleine ausfüllen können. Hinzu kommt eine breite politische Kehrtwende: Frankreich, Großbritannien, die USA, Japan und Südkorea haben Programme für Neubauten oder Laufzeitverlängerungen aufgelegt, und seit der COP28 zählt Kernenergie offiziell zur globalen Klimastrategie.

Der Global X Uranium UCITS ETF bildet diesen Trend besonders breit ab. Er folgt dem Solactive Global Uranium & Nuclear Components Index und kombiniert klassische Uran-Minen mit Spezialisten für moderne Reaktortechnologie, darunter Small-Modular-Reactor-Entwickler. Diese Mischung ist der Grund, warum sich der ETF in den vergangenen zwölf Monaten in etwa verdoppelt hat. Der Uranpreis selbst notiert seit Monaten oberhalb der 75-USD-Marke je Pfund U3O8, und Versorger müssen ihre auslaufenden Lieferverträge zu deutlich höheren Preisen neu eindecken.

Wer auf das Thema setzen will, sollte allerdings wissen, dass der Sektor klein und volatil bleibt. Bewegungen von 10 % in einer Woche sind hier eher Regel als Ausnahme. Auf der anderen Seite passt das Thema strukturell zur KI-Story aus dem Halbleiter-Abschnitt dieser Topstory. Je mehr Rechenzentren gebaut werden, desto stärker steigt der Strombedarf, und je länger die Hyperscaler ihre Capex hochhalten, desto stabiler bleibt der Rückenwind für Uran.

Chartanalyse Global X Uranium UCITS ETF

Chartanalyse Global X Uranium UCITS ETF Mai 2026

Der Uranium ETF ist zuletzt immer wieder an einem Widerstandsbereich zwischen 31 und 32,17 USD gescheitert. Vergangene Woche ist nun auch die 50-Tage-Linie gefallen und der Kurs bewegt sich auf die aufsteigende Trendlinie zu, die seit August 2025 Bestand hat. Im Bereich der Trendlinie verläuft aktuell auch die 200-Tage-Linie. Der RSI ist im neutralen Bereich (41,35).

Künstliche-Intelligenz-ETF – Das Megathema im Index

Top 5 Positionen (Stand Mai 2026):

  1. Samsung Electronics Co. Ltd.: Globaler Marktführer bei DRAM- und NAND-Speichern, profitiert direkt von der HBM-Nachfrage.
  2. Micron Technology Inc.: US-Spezialist für High Bandwidth Memory, das Speichermodul hinter NVIDIAs KI-Chips.
  3. NVIDIA Corporation: Faktischer Standard bei KI-Beschleunigern für das Training großer Sprachmodelle.
  4. Apple Inc.: Plattform-Riese, der seine eigenen KI-Chips entwickelt und KI in iOS und macOS integriert.
  5. Alphabet Inc. (Class A): Google Cloud, Gemini und DeepMind machen das Unternehmen zum integrierten KI-Champion.

Kurz-Check: Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C

Kennzahl Wert
ISIN IE00BGV5VN51
TER 0,35 %
Fondsvolumen ca. 6,88 Mrd. EUR
Auflagedatum 29.01.2019
YTD Performance +24,7 %

Wenn man die Performance der vergangenen Jahre nimmt, ist KI das Thema, an dem kein Anleger vorbeikam. Allein die geplanten Investitionen der großen US-Hyperscaler in Rechenzentren und Halbleiter werden für die kommenden Jahre auf bis zu 725 Milliarden USD geschätzt. Diese Kapitalflut landet nicht nur bei den Chipherstellern, sondern bei der gesamten Wertschöpfungskette aus Cloud-Plattformen, Software-Anbietern und Cybersecurity-Firmen.

Genau hier setzt der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF an. Anders als ein reiner Halbleiter-ETF, der fast ausschließlich Chiphersteller bündelt, bildet der XAIX den Nasdaq Global Artificial Intelligence and Big Data Index ab und streut über rund 90 Werte aus Industrie- und Schwellenländern. Neben den großen Speicher- und Chip-Spezialisten sind die Cashflow-starken Tech-Plattformen aus den USA stark vertreten. Diese Mischung ist auch der Grund, warum der ETF in der Vergangenheit deutlich stabiler lief als reine Chip-Themenfonds.

Wer diesen ETF in Verbindung mit dem Halbleiter-ETF aus der nächsten Sektion ins Depot legt, hat allerdings keine echte Diversifikation. Die Überschneidung ist groß: Mehrere der Top-Positionen tauchen in beiden Fonds auf, nur in unterschiedlicher Gewichtung. Und das Bewertungsniveau im US-Tech-Sektor ist auf Sicht der letzten zwanzig Jahre eher am oberen Ende, was Rücksetzer im Zweifel heftiger ausfallen lässt.

Chartanalyse Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C

Chartanalyse Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C Mai 2025

Der Xtrackers AI ETF ist längere Zeit nicht besonders gut gelaufen und pendelte auch nach einem Anstieg vom Tief im April 2025 zunächst seitwärts. Seit April 2026 hat der ETF allerdings den Turbo gezündet und läuft an einer steilen Trendlinie nach Norden. Die Schwankungsbreite wird zuletzt heftiger, weshalb ein Bruch der Trendlinie eine kurzfristige Korrektur mit sich bringen könnte. Der RSI ist im Vergleich zu den anderen vorgestellten Themen-ETFs erhöht (68,88).

Halbleiter-ETF – KI-Boom treibt die Performance

Top 5 Positionen (Stand Mai 2026):

  1. Micron Technology Inc.: US-Speicherchip-Spezialist und einer der wichtigsten Profiteure der HBM-Nachfrage für KI-Rechenzentren.
  2. Advanced Micro Devices Inc.: Chipentwickler für CPUs, GPUs und KI-Beschleuniger, der im Datacenter-Geschäft stärker gegen NVIDIA angreift.
  3. Broadcom Inc.: Halbleiter- und Infrastrukturkonzern mit starkem Geschäft bei Netzwerkchips, Custom-Chips und KI-Rechenzentren.
  4. SK Hynix Inc.: Südkoreanischer Speicherhersteller und einer der führenden Anbieter von High-Bandwidth-Memory für KI-Anwendungen.
  5. NVIDIA Corp.: Marktführer bei KI-GPUs und zentraler Profiteur der weltweiten Investitionen in Rechenzentren.

Kurz-Check: iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF

Kennzahl Wert
ISIN IE000I8KRLL9
TER 0,35 %
Fondsvolumen ca. 4,39 Mrd. USD
Auflagedatum 03.08.2021
YTD Performance +78,42 %

Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF gehört 2026 zu den klaren Gewinnern am Markt. Treiber ist vor allem der anhaltende KI-Boom, der die Nachfrage nach Hochleistungschips massiv nach oben treibt. Unternehmen wie Micron, NVIDIA oder Broadcom profitieren direkt von den steigenden Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur. Entsprechend hat der ETF im laufenden Jahr bereits rund +78 % zugelegt und den breiten Markt deutlich hinter sich gelassen.

Der Haken liegt im bekannten Zyklus der Branche. Halbleiter gehören historisch zu den volatilsten Sektoren überhaupt, und genau diese Dynamik kann sich jederzeit drehen – insbesondere dann, wenn sich Investitionen verlangsamen oder Erwartungen zu hoch werden. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Top-Positionen, wie stark die Entwicklung von wenigen großen Playern abhängt. Wer hier investiert, setzt klar auf die Fortsetzung des KI-Trends – sollte sich der Abhängigkeit aber bewusst sein.

Chartanalyse iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF

Chartanalyse iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF Mai 2026

Beim Halbleiter-ETF gilt ganz klar: The Hype is real. Seit dem Ausbruch über das Februar-Hoch bei rund 12 USD kennt der ETF kein Halten mehr. In der letzten Woche könnte sich aber zunächst eine Top-Bildung im Bereich von 17 USD abzeichnen. Der Abstand zur 50-Tage-Linie beträgt immernoch über 20 % und der RSI ist auch nach der kleinen Korrektur noch erhöht (67,11).

Die andere Seite der Medaille: Wenn Themen-ETFs zur Falle werden

Fünf ETFs, die den S&P 500 geschlagen haben, sind die eine Seite der Geschichte. Die andere ist der Friedhof aus Themen-ETFs, die niemand mehr in einer Bestenliste findet, weil sie nie zurück auf ihr Einstandsniveau gekommen sind. Das Paradebeispiel ist der iShares Global Clean Energy. Im Hype-Jahr 2020 legte er rund 120 % zu, sammelte allein 2021 fast 2 Milliarden EUR an Mittelzuflüssen ein und brachte es Mitte 2022 auf ein Fondsvolumen von 6,5 Milliarden EUR. Genau in dieser Phase stiegen die meisten Anleger ein, ausgelöst durch Empfehlungen in Finanzmedien und Social Media. Was danach kam, war ein klassischer Hype-Crash.

Der Index hat sich nie wirklich erholt. Auch nach der jüngsten Konsolidierung steht der ETF deutlich unter seinem Hoch vom Januar 2021. Noch krasser sieht es bei thematisch verwandten Produkten aus. Der Solactive Global Hydrogen Index, abgebildet etwa vom L&G Hydrogen Economy ETF, hat seit dem Hoch im November 2021 rund 78 % verloren. Der MSCI Global Alternative Energy Index liegt rund 54 % unter seinem damaligen Spitzenwert. Cannabis-ETFs, die 2021 nach den Legalisierungsplänen der Biden-Regierung gefeiert wurden, notieren bis heute deutlich im Minus.

Das Muster ist immer dasselbe: Erst macht das Thema in den Medien die Runde, dann legen die Anbieter passende ETFs auf, dann strömt das Anlegergeld in den Fonds, fast immer zum Höhepunkt der Bewertungen. Wenn das zugrunde liegende Narrativ kippt, sei es durch steigende Zinsen wie bei Clean Energy, durch ausgebliebene Massenproduktion wie bei Wasserstoff oder durch regulatorische Verzögerungen wie bei Cannabis, dann verlieren genau diejenigen am meisten, die im Glauben an einen langfristigen Megatrend eingestiegen sind. Vom iShares Global Clean Energy waren Ende 2024 von den ehemals 6,5 Milliarden EUR nur noch rund 2 Milliarden EUR übrig. Das heißt im Klartext: Die Mehrheit der Anleger ist mit Verlust ausgestiegen, lange bevor sich die Story technologisch überhaupt erschöpft hatte. Genau dieses Muster ist die Realität hinter dem oben beschriebenen Survivorship Bias.

Fazit: Themen-ETFs können den S&P 500 schlagen, taugen aber nur als Beimischung

Fünf Branchen- und Themen-ETFs haben den S&P 500 im laufenden Jahr deutlich abgehängt. Halbleiter, KI und Uran sind dabei Geschichten, die sich auf strukturelle Treiber stützen, also KI-Capex und den Strombedarf. Goldminen und Energie leben dagegen vor allem von einer geopolitischen Krise und einem damit verbundenen hohen Rohstoffpreis.

Was die Tabelle nicht zeigt: Diese Performance liegt komplett in der Vergangenheit. Einsteigen würde man heute, auf Bewertungsniveaus, die in vielen Fällen am oberen Ende der historischen Spannweite liegen. Dieselbe Konzentration, die in den vergangenen zwölf Monaten nach oben gehebelt hat, zieht im Zweifelsfall genauso heftig nach unten.

Drei Empfehlungen für deine Depot-Praxis:

  • Themen-ETFs gehören als Satellit ins Depot, niemals als Kern. Der Kern bleibt ein breit gestreuter Welt-ETF wie MSCI World oder FTSE All-World. Themen-ETFs füllen die Beimischung, also typischerweise nicht mehr als zehn bis 20 % des Aktienanteils.
  • Lauf nicht der Zwölf-Monats-Performance hinterher. Wer heute über einen Einstieg nachdenkt, sollte an die Story über mindestens fünf Jahre glauben. Wer nur die Top-Performer-Liste abklappert, kauft fast immer am oberen Rand.
  • Drei Themen-ETFs sind oft keine drei Wetten. Halbleiter, KI und Cybersecurity überschneiden sich in den Top-Positionen erheblich. Wer zwei oder drei Tech-Themen-ETFs kombiniert, hat keine Diversifikation, sondern dieselbe Konzentrationswette mit höherer Gebühr.

Risiken und Ausblick

Die größten Wildcards für die nächsten Monate sind ein diplomatischer Durchbruch im Iran-Konflikt, der Energie unter Druck setzen würde, sowie ein Bewertungs-Reset im KI-Sektor, der Halbleiter- und KI-ETF in einer Korrelationsspirale zusammen erwischt. Auch der KI-Strombedarf könnte sich anders entwickeln als heute eingepreist, beispielsweise wenn ein Effizienzsprung bei den Modellen den Hardware-Hunger dämpft.

Ein Themen-ETF ist deshalb keine Kaufen-und-Vergessen-Position, sondern eine Wette auf ein laufendes Narrativ, die regelmäßig überprüft werden muss. Die ehrliche Schlussfolgerung: Für die meisten Privatanleger ist ein breit gestreuter Welt-ETF als Basis langfristig die robustere Wahl, und die Themen-ETFs aus diesem Artikel sind eine Möglichkeit, gezielte Akzente zu setzen, wenn man die jeweilige Story über Jahre durchhalten kann. Die Outperformance der Vergangenheit ist dabei nie eine Garantie für die Zukunft, das gilt im Branchen-ETF doppelt.

Häufige Fragen zu Themen-ETFs

Was ist der Unterschied zwischen einem Themen-ETF und einem ETF auf den S&P 500?

Ein ETF auf den S&P 500 streut über die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen quer durch alle Branchen und gilt deshalb als breit diversifiziertes Investment. Ein Themen-ETF konzentriert sich dagegen auf einen einzelnen Megatrend wie Künstliche Intelligenz, Rüstung oder Kernenergie und hält in der Regel zwischen 25 und 100 Aktien. Damit ist er konzentrierter, schwankungsanfälliger und stark vom Schicksal seines Themas abhängig.

Können Themen-ETFs den S&P 500 dauerhaft schlagen?

In Phasen, in denen das jeweilige Thema einen Megatrend abbildet und die Bewertungen noch attraktiv sind, ja. Über sehr lange Zeiträume von 15 bis 20 Jahren konnte historisch aber kaum ein Themen-ETF einen breiten Welt-Index dauerhaft schlagen. Der Grund liegt in den Umschichtungen: Wer ein Thema kauft, kauft im besten Fall die heutigen Champions, verpasst aber die nächsten Champions aus anderen Sektoren, die in einem Welt-ETF automatisch enthalten sind.

Wie hoch sollte der Anteil von Themen-ETFs im Depot sein?

Es gibt keine pauschal richtige Antwort, aber als Faustregel haben sich 10 bis 20 % des Aktienanteils als Obergrenze etabliert. Der Kern des Depots bleibt ein breit gestreuter Welt-ETF, Themen-ETFs sind die Beimischung, mit der du gezielte Akzente setzt. Wer mehr als ein Drittel in Themen-ETFs investiert, sollte sich bewusst sein, dass das Depot dann nicht mehr breit diversifiziert ist.

Welcher Themen-ETF hat sich zuletzt am besten entwickelt?

Auf Sicht der letzten zwölf Monate lagen Energie- und Halbleiter-ETFs vorne. Diese Performance ist allerdings stark von politischen und konjunkturellen Faktoren abhängig und sagt wenig darüber aus, was in den kommenden zwölf Monaten zu erwarten ist. Eine ausführliche Übersicht findest du in der Vergleichstabelle weiter oben.

Sind Branchen-ETFs für Anfänger geeignet?

Eher nicht als erstes Investment. Für den Einstieg eignet sich ein breit gestreuter Welt-ETF wie MSCI World oder FTSE All-World besser, weil er das Risiko über tausende Aktien streut. Wer schon Erfahrung mit dem Auf und Ab eines Aktiendepots gesammelt hat und einen langen Anlagehorizont mitbringt, kann anschließend gezielt mit Themen-ETFs experimentieren. Wichtig ist, dass du dir vorher klar machst, dass Themen-ETFs zwei bis dreimal so stark schwanken können wie ein Welt-ETF.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den besprochenen Wertpapieren nicht investiert.