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Kommentar
17:00 Uhr, 22.10.2026

DAX legt wieder Rückwärtsgang ein – Das Motto lautet: „Sell on Good News“

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    Aktueller Kursstand:   (XETRA)

Es wird ungemütlich an der Börse. Die Nervosität der Anleger steigt. Immer mehr Unternehmen scheitern selbst an den bereits gesenkten Erwartungen und werden dafür von der Börse konsequent abgestraft. Die enttäuschenden Zahlen des französischen Luxusgüterkonzerns Hermès belasten den gesamten Sektor. Auch SAP kann aus überzeugenden Quartalsergebnissen kein Kapital schlagen. Stattdessen nutzen Investoren die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen.

Anleger lassen sich selbst von überzeugenden Quartalszahlen kaum noch zu neuen Aktienkäufen bewegen. Stattdessen setzt sich zunehmend das Motto „Sell on Good News“ durch. Positive Unternehmensmeldungen werden nicht mehr als Einstiegssignal verstanden, sondern als Gelegenheit, Gewinne mitzunehmen und Risiken abzubauen. Das ist ein deutliches Warnsignal für die Verfassung der Aktienmärkte.

Im Mittelpunkt der Sorgen steht der anhaltend hohe Inflationsdruck. Die steigenden Energiepreise bringen sowohl die Verbraucher als auch die Notenbanken zunehmend in Bedrängnis. Während den Konsumenten am Monatsende immer weniger Geld für zusätzliche Ausgaben bleibt, wächst bei den Währungshütern der Druck, einer weiteren Verfestigung der Inflation frühzeitig entgegenzuwirken. Damit droht den Unternehmen eine doppelte Belastung: Die Finanzierungskosten bleiben hoch oder steigen weiter, während gleichzeitig die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen nachlässt.

Besonders gefährlich ist diese Entwicklung, weil die Auswirkungen der hohen Energiepreise erst mit Verzögerung in der gesamten Wirtschaft ankommen. Die Verbraucher reagieren mit Kaufzurückhaltung, Unternehmen müssen ihre Kosten stärker kontrollieren und die Notenbanken verlieren den Spielraum für eine lockerere Geldpolitik. Aus einem Energiepreisschock könnte so zunehmend ein handfestes Wachstumsproblem werden.

Entscheidend bleibt deshalb die Entwicklung im Nahen Osten. Ohne eine baldige Deeskalation und eine spürbare Entspannung bei den Ölpreisen dürfte die Geduld vieler Investoren weiter schwinden. Die Gefahr wächst, dass Anleger ihre Aktienbestände auch unabhängig von den kurzfristigen Unternehmensergebnissen reduzieren. Zumal immer mehr Konzerne bei ihren Geschäftsausblicken vorsichtiger werden.

Die Börsen befinden sich damit in einer unangenehmen Situation: Gute Quartalszahlen reichen nicht mehr aus, um die Stimmung nachhaltig zu verbessern, während die Risiken für die kommenden Monate zunehmen. Wenn selbst überzeugende Ergebnisse zum Anlass für Verkäufe werden, ist nicht mehr die Gewinnentwicklung das eigentliche Problem, sondern das schwindende Vertrauen in die Zukunft.

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