DAX fällt auf 25.700 Punkte – Starker US-Arbeitsmarkt wird zum neuen Zinsrisiko
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Am Tag nach dem neuen Rekordhoch und den anschließenden, heftigen Kursrückgängen im Halbleitersektor ist der DAX wieder deutlich unter die Marke von 26 000 Punkten gerutscht. Fast eintausend Punkte trennen den deutschen Leitindex jetzt bereits wieder von seiner neuen Bestmarke. Während sich bei Tech-Aktien erste Erholungstendenzen zeigen, bleibt der breite Aktienmarkt unter Druck. Die Anleger konzentrierten sich heute fast ausschließlich auf Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Im DAX präsentierten sich so insbesondere Siemens Energy, RWE, Hochtief und Infineon vergleichsweise stabil. Die Erholung einzelner Technologiewerte konnte die Schwäche des Gesamtmarktes allerdings nicht ausgleichen.
Zu den politischen Unsicherheiten nach den US-Zwischenwahlen gesellte sich am Nachmittag ein neuer Belastungsfaktor. Die veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten fielen deutlich stärker aus als erwartet. Mit 165 000 neu geschaffenen Stellen wurde die Prognose von lediglich 65 000 weit übertroffen. Gleichzeitig lag die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent und damit niedriger als erwartet. Besonders aufmerksam dürften die Notenbanker allerdings auf die Lohnentwicklung schauen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind mit einem Plus von 0,4 Prozent ebenfalls stärker gestiegen als prognostiziert.
Damit könnte ausgerechnet die Stärke des amerikanischen Arbeitsmarktes zu einem neuen Problem für die Börse werden. Die kräftige Beschäftigungsentwicklung spricht zwar für eine weiterhin robuste US-Konjunktur, gleichzeitig wächst aber das Risiko, dass steigende Löhne den Inflationsdruck dauerhaft hochhalten. Die von der Bank of England bereits angesprochenen Zweitrundeneffekte könnten damit auch in den USA zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wenn Unternehmen höhere Lohnkosten über ihre Verkaufspreise weitergeben, droht sich die Inflation selbst dann zu verfestigen, wenn die Energiepreise zwischenzeitlich wieder nachgeben.
Für die US-Notenbank wird der geldpolitische Spielraum dadurch erneut enger. Die Anleger hatten zuletzt auf eine Entspannung an der Inflationsfront und eine entsprechend zurückhaltendere Fed gesetzt. Nun könnten die überraschend starken Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen wieder verstärken. Was für die amerikanische Wirtschaft grundsätzlich eine gute Nachricht ist, muss für die Aktienmärkte deshalb noch lange keine sein. Ein starker Arbeitsmarkt stützt zwar Wachstum und Konsum, könnte aber gleichzeitig dafür sorgen, dass die Zinsen länger hoch bleiben oder sogar weiter steigen.
Auch für den DAX bleibt die Lage damit angespannt. Die Hoffnung auf eine Jahresendrally ist zwar noch nicht vom Tisch, doch die Hürden werden wieder höher. Die Anleger müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass eine robuste US-Wirtschaft nicht automatisch steigende Aktienkurse bedeutet. Solange gute Konjunkturdaten neue Zinssorgen auslösen, dürfte die Nervosität an den internationalen Aktienmärkten hoch bleiben.
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