Clarity Act: Was das wichtigste Krypto-Gesetz der USA noch ausbremsen könnte
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Lange schien der Beschluss des Clarity Acts nur eine Formsache. Dass die Verzinsung von Stablecoins am Ende zu einem erbitterten Standoff zwischen der Krypto- und Bankenindustrie führen würde, hatte im Vorfeld wohl kaum jemand erwartet. Nun soll es einen Kompromiss geben. Doch ein Ende der Odyssee bedeutet das noch lange nicht – auch weil Präsident Trump offenbar andere Prioritäten setzt.
“Lieber gar kein Gesetz als ein schlechtes Gesetz”, so hatte Coinbase-Chef Brian Armstrong im Januar seine Unterstützung für den Clarity Act öffentlichkeitswirksam aufgekündigt. Dass es seinem und anderen Krypto-Unternehmen untersagt wurde, Zinsen auf Stablecoin-Einlagen zu zahlen, war für den 43-Jährigen ein Dealbreaker – und läutete gleichzeitig den Auftakt zu einer Schlammschlacht zwischen der Banken- und Krypto-Industrie ein.
Mehr als zwei Monate sind seitdem vergangen. Kompromissversuche gab es viele, doch eine echte Lösung schien bislang in weiter Ferne. Nun wollen zwei Senatoren einen Durchbruch erzielt haben. Die demokratische Abgeordnete Angela Alsobrooks und ihr republikanischer Kollege Thom Tillis hätten “eine grundsätzliche Einigung” erzielt, hieß es gegenüber Politico. Für manche im Krypto-Space gab diese Nachricht genug Anlass, um bereits von einem sicheren Inkrafttreten des Gesetzes zu sprechen. Doch der Optimismus scheint verfrüht.
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Was ist der Kompromiss bei Stablecoins?
Denn der von Politico zitierte Kompromiss gilt bislang nur zwischen den verhandelnden Senatoren und Patrick Witt, einem Krypto-Berater Trumps. Auf X gab er zwar lobende Worte, doch von einem echten Durchbruch kann hier noch keine Rede sein. Schließlich muss für ein echtes Weiterkommen eine Einigung zwischen der Krypto- und Bankenlobby erzielt werden. Ein Coinbase-Sprecher betonte gegenüber BTC-ECHO: “Wir wissen das Engagement der Bankenbranche zu schätzen und sind überzeugt, dass wir kurz vor einer Lösung stehen, die für alle Beteiligten tragbar ist.”
Zur Stunde laufen Beratungen im US-Senat. Fragezeichen bestehen noch bei der eigentlichen Ausgestaltung des Kompromisses. BTC-ECHO hatte die Redensführer Alsobrooks und Tillis um Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss blieb die Anfrage unbeantwortet.
Die US-Krypto-Journalistin Eleanor Terret berichtet derweil, dass die Beratungen im Senat schon weiter seien. Der Vorschlag würde demnach Stablecoin-Yields zwar in jeglicher Form verbieten, “nutzerbasierte Rewards”, beispielsweise für Transaktionen oder Treueprogramme, sollen aber erlaubt sein.
Insgesamt deckt sich das in weiten Teilen mit Aussagen Alsobrooks’, die Ähnliches auf einem Gipfeltreffen der American Bankers Association vor knapp zwei Wochen vorgeschlagen hatte. Es wäre zumindest ein kleines Zugeständnis an die Krypto-Industrie, das selbst JPMorgan-Chef Jamie Dimon befürwortete.
Und die Stablecoin-Emittenten selbst? “Die wären wahrscheinlich froh, wenn sie “gezwungen” würden, ihre Erträge einzubehalten, statt sie an Kunden weitergeben zu müssen”, erklärt US-Anwalt Howard Fischer gegenüber BTC-ECHO.
🚨NEW: New details are emerging about the latest legislative text outlining a compromise on stablecoin yield and rewards, along with early reactions from crypto industry leaders who reviewed it today.
According to an internal stakeholder email shared with me, the proposal would… https://t.co/S3BAqr5ma0
— Eleanor Terrett (@EleanorTerrett) March 24, 2026
Gegenüber Terret sagte eine Quelle, es handle sich um das “bestmögliche Ergebnis” für Krypto. Andere warnen jedoch vor vagen Formulierungen, die künftig zu strengeren Auslegungen durch Regulierer führen könnten. Außerdem sei es für Anbieter von Stablecoins nun schwieriger, Anreize für Nutzer rechtssicher zu strukturieren.
Und dann lähmen auch noch aufsichtsrechtliche Unklarheiten über den DeFi-Space. Wie Coindesk berichtet, sollen Demokraten mit bestimmten Schutzregelungen vor missbräuchlicher Verwendung von DeFi-Diensten nicht zufrieden sein. Auch fordern sie ein klares Bereicherungsverbot durch Krypto für Regierungsvertreter – eine offene Provokation gegenüber US-Präsident Trump.
Trump priorisiert Midterm-Wahlen
Letzterer scheint innenpolitisch aber sowieso andere Prioritäten gesetzt zu haben. In den USA stehen im November Zwischenwahlen an. Die Republikaner drohen, die Kontrolle im Senat und Repräsentantenhaus zu verlieren. Diese Supermehrheit war unter anderem dafür verantwortlich, dass die US-Regierung in Sachen Krypto schnell voranschreiten konnte.
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Eine Wahlniederlage hätte für Trump aber auch ganz persönliche Konsequenzen. “Wenn wir die Midterms verlieren, werden sie mich des Amtes entheben”, sagte er Anfang des Jahres. Seine Beliebtheitswerte sind seitdem weiter gefallen, nicht zuletzt, weil ein Großteil der Bevölkerung den Krieg mit dem Iran ablehnt.
Und so sucht Donald Trump nach Wegen, um sein politisches Überleben zu sichern – und scheint dabei bereit, notfalls den Clarity Act zu opfern. Vor knapp zwei Wochen zitierte Fox News einen Truth Social Post des US-Präsidenten. Darin hieß es: Er werde keine weiteren Gesetze unterzeichnen, bis der sogenannte “Save America Act” nicht unterschrieben sei.
BILL BLOCKADE: President Trump says he won’t sign any other bills until the SAVE America Act reaches his desk and meets his demands. pic.twitter.com/v9dQcabAzi
— Fox News (@FoxNews) March 8, 2026
Dabei handelt es sich um einen Gesetzesvorschlag, der das Wahlrecht in den USA verschärfen soll. Unter anderem müssen Bürger ihre Staatsbürgerschaft nachweisen. Das Recht auf Briefwahl soll eingeschränkt werden und nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.
Befürworter erhoffen sich, Wahlbetrug zu verhindern. Kritiker sagen, das Gesetz erschwere vielen Bürgern den Zugang zu Wahlen. Damit bekommt der Streit um den Clarity Act eine neue Dimension: Selbst wenn sich Krypto- und Bankenlobby einigen, könnte das Gesetz an politischer Priorisierung scheitern.
Durchkreuzen die Demokraten Trumps Plan?
So einfach durchbringen kann Trump seine Wahlreform aber nicht. Die Demokraten kündigten bereits Gegenmaßnahmen an. Konkret etwa einen sogenannten “Filibuster”, eine parlamentarische Verzögerungstaktik im US-Senat, mit der die Minderheit eine Abstimmung über ein Gesetz blockieren kann. Um diese Blockade aufzulösen, braucht es 60 Stimmen, über die die Republikaner aktuell aber nicht verfügen.
Dass es so weit kommt, glaubt Fischer aber nicht. Der US-Anwalt erklärt gegenüber BTC-ECHO: “Es ließe sich so viel Geld verdienen, wenn rechtliche und regulatorische Klarheit herrscht, dass ich bezweifle, dass Trump die Unterzeichnung des Clarity Acts verzögern würde”.
Der Jurist glaubt fest an ein Inkrafttreten des Krypto-Gesetzes noch vor den Zwischenwahlen, gerade weil durch sie die Kongressmehrheit der Republikaner bedroht ist. Sollte der US-Präsident aber tatsächlich sein eigenes politisches Überleben über die Wünsche der Krypto-Lobby stellen, könnte das neuen Stillstand bedeuten.
Für den Clarity Act hieße das: Im schlimmsten Fall, kommt das Gesetz erst nach den Midterms – oder gar nicht. Dann hätte ausgerechnet Brian Armstrong, mit dem das ganze Drama erst begann, recht behalten.
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