Bitcoin statt Konzernjob: “Soll das jetzt mein Leben sein?”
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Der radikale Neustart war für Bitcoin-Expertin Nicole Nowak vor allem eine Frage des Leidensdrucks. In der Konzernwelt fühlte sich die frühere Data Analystin zunehmend fehl am Platz. Ausgerechnet ein Dogecoin-Tipp ihres Bruders machte sie 2021 auf Bitcoin aufmerksam und veränderte ihr Denken über Geld und Arbeit grundlegend. Heute beschäftigen sie Fragen, die weit über den aktuellen Kurs hinausgehen. Im Gespräch mit BTC-ECHO erzählt die YouTuberin, wie ein Pilgerweg ihre Berufswahl beeinflusste und was die Zwiebel mit Bitcoin und Bewusstsein zu tun hat. Außerdem verrät sie, was sich für sie ändern würde, wenn die Kryptowährung morgen bei einer Million US-Dollar stünde.
BTC-ECHO: Nicole, du hast schon 2024 deinen scheinbar sicheren und gut bezahlten Konzernjob gekündigt, um dich im Bitcoin-Bereich selbstständig zu machen. Wie schwer ist dir diese Entscheidung damals gefallen?
Ich finde es lustig, dass immer wieder Leute auf mich zukommen und sagen: Das ist so mutig, welchen Weg du eingeschlagen hast. Und jedes Mal denke ich mir dann, dass das gar nicht mutig war, sondern eine absolute Notwendigkeit, weil der Leidensdruck so hoch gewesen ist. Als letzte Station in meinem Angestelltenleben hatte ich bei einem konservativen Versicherungskonzern gearbeitet und es fühlte sich so an, als würde ich morgens mein Gehirn unten am Drehkreuz abgeben und abends beim Verlassen des Gebäudes wieder mitnehmen.
Das war eine enorme Belastung, ich habe das auch körperlich bemerkt und musste daher einfach etwas ändern. Aus heutiger Sicht war es natürlich total naiv, damals mit der These zu kündigen, dass der Bitcoin-Preis 2025 ein Allzeithoch jenseits der 200.000 US-Dollar erreicht. Aber ich musste es machen und bin auch froh, dass ich nicht wusste, dass der Bitcoin-Preis gar nicht so hoch steigen würde, weil ich es sonst wohl nicht gemacht hätte.
Welchen Plan hattest du damals?
Ursprünglich wollte ich eigentlich Bildungsangebote machen, Workshops, Coachings anbieten, aber als ich dann mit YouTube angefangen habe, hat es so viel Zeit in Anspruch genommen, dass das dann eben meine Haupttätigkeit wurde und mittlerweile verdiene ich auch Geld damit über die Affiliate-Einnahmen.
"Ich hatte immer das Gefühl, falsch zu sein als Angestellte"
Wenn man berücksichtigt, dass wir uns im Bärenmarkt befinden und dass die Unternehmen das natürlich auch spüren bei ihren Einnahmen, dann läuft es eigentlich sehr gut. Unterm Strich bin ich happy mit meiner Entscheidung, aber natürlich auch gespannt, wie es nun weitergeht. Gerade Interviews führen macht mir extrem viel Spaß und ich habe jetzt durch meine selbstständige Tätigkeit auch Zugang zu ganz anderen Menschen wie den Trivago-Mitgründer Rolf Schrömgens.
Wolltest du schon immer etwas Unternehmerisches machen oder hat dich erst Bitcoin dazu gebracht, deine Einstellung zum Thema Arbeit zu verändern?
Ich hatte immer das Gefühl, falsch zu sein als Angestellte. Das war schon recht früh da, als ich noch bei einer IT-Beratung gearbeitet habe, bei Capgemini. Eigentlich war es mit das angenehmste Arbeitserlebnis, weil die Kollegen ziemlich cool waren und alle wirklich Lust hatten an der Sache. Aber der Workload war extrem hoch und ich hatte irgendwann keine Energie und keine Lust mehr, am Wochenende überhaupt noch Freunde zu treffen, weil ich teilweise Überstunden gemacht habe, am Wochenende gearbeitet habe oder einfach erschöpft war.
Irgendwann saß ich da und dachte: Wenn ich jetzt befördert werde – und ich war kurz vor der Beförderung – dann muss ich ja noch mehr arbeiten. Ich habe noch über 30 Jahre bis zur Rente, soll das jetzt mein Leben sein? Ich bin dann auf den Jakobsweg gegangen, habe mir drei Wochen Urlaub genommen und von Leon in Spanien bis nach Santiago de Compostela und noch weiter gelaufen. Ich habe nach einem Zeichen gesucht, dass ich kündigen sollte, bis es mir am letzten Tag so wie Schuppen von den Augen gefallen ist, dass ich doch ganz klar kündigen will. Dann habe ich das getan und wusste aber immer noch nicht, was ich stattdessen machen sollte. Das eine ist, sich klar zu werden, was man nicht will, aber es ist viel schwieriger, sich klar zu werden, was man will.
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Anschließend war ich bei einem Mittelständler, bei der Hoffmann Group. Da habe ich etwas Ähnliches gemacht wie bei der IT-Beratung, nämlich Data Analytics. Der wesentliche Unterschied für mich war aber, dass ich keine Überstunden mehr machen musste. Ich habe also wirklich nur 40 Stunden die Woche gearbeitet und hatte dadurch wieder Zeit für Freunde, mehr Freizeit und auch wieder mehr Energie.
"Mein Bruder meinte, ich sollte Dogecoin kaufen"
Wann kam schließlich Bitcoin in dein Leben?
Durch eine glückliche Verkettung von Zufällen. Mein Bruder hat mir am 17. April 2021 auf Instagram geschrieben und meinte, ich sollte Dogecoin kaufen. So fing es an, dass ich mich überhaupt damit beschäftigt habe, wie man sowas kauft. Dann habe ich gesehen, dass der Bitcoin-Kurs bei über 50.000 Euro stand und dachte: Was habe ich verpasst in den letzten Jahren?
Kurze Zeit später habe ich einen Kollegen kennengelernt, der erklärte, er beschäftige sich schon seit 2017 damit. Er sagte: Lies mal den Bitcoin-Standard, schau dir den Blocktrainer-YouTube-Kanal an. Ich habe sofort das Buch bestellt und angefangen zu lesen. Irgendwann saß ich mitten in der Woche nachts um zwei oder drei Uhr mit diesem Buch in der Hand und dachte: Was lese ich da? Das hat mein Leben verändert. Etwas später habe ich dann Schritt für Schritt herausgefunden, was ich machen möchte.
Und heute ist Bitcoin das Thema, um das sich bei dir alles dreht?
Ich würde sagen, dass es sich mittlerweile sogar wieder verändert hat. Das ganze ist also noch größer geworden als Bitcoin selbst. Mir geht es darum, mehr Bewusstsein in die Welt zu bringen. Bitcoin ist ein Teil davon. Je nachdem, wie tief man in den Bitcoin-Kaninchenbau einsteigt, desto mehr erkennt man, was man alles nicht wusste, was man alles für falsche Glaubenssätze hatte. Da geht es um die Funktionsweise von Geld, aber auch ganz viele andere Themen wie Gesundheit oder Ernährung. Und irgendwann stellen sich viele Bitcoiner dann die wirklich großen und wichtigen Fragen. Warum existieren wir? Warum gibt es diese Materie überhaupt? Wie entsteht und was ist Bewusstsein? Wer ist dieses Ich was denkt und fühlt?
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Wie kommst du von Bitcoin zu Bewusstsein?
Der Mensch ist quasi eingehüllt in ganz viele Zwiebelschichten. Viele, die sich auf so eine spirituelle oder bewusstseinserweiternde Reise machen, gehen mit der Idee dahin, dass sie lernen und Neues dazu packen müssen, also quasi weitere Zwiebelschichten. Aber eigentlich geht es darum, Zwiebelschichten wegzunehmen. Interessanterweise hat Andreas Antonopoulos in einem seiner Vorträge auch mal die Analogie aufgemacht, dass Bitcoin wie eine Zwiebel sei, weil immer mehr Schichten zum Vorschein kommen, je tiefer man reingeht.
"Eine Parallele zwischen Bewusstwerdung und Bitcoin"
Der Bitcoiner Jack hat dieses Bild dieses Jahr bei der Zitadelle in Kroatien aufgegriffen und erklärt, dass es beim Thema Bewusstsein darum gehe, die Zwiebel zu schälen und diese ganzen Schichten abzulegen. Deswegen sehe ich da eine Parallele zwischen Bewusstwerdung und Bitcoin, obwohl es von außen vielleicht total absurd wirkt.
Welche Bedeutung hat finanzielle Freiheit für dich und was würdest du tun, wenn Bitcoin morgen bei einer Million US-Dollar stünde?
Finanzielle Freiheit heißt, dass ich komplett frei entscheiden kann, was ich mit meiner Zeit mache. Dass ich nicht solche Abstriche machen muss wie: Ich brauche x Stunden die Woche, um so und so viel zu verdienen, sondern komplett frei darin bin, meine Zeit zu gestalten. Und offensichtlich ist das bei mir noch nicht der Fall. Aber wenn es irgendwann so weit ist, glaube ich, dass ich gar nicht so viel ändern würde. Ich würde wahrscheinlich nicht mehr 60 plus Stunden die Woche arbeiten, sondern weniger.
Die Themen wären aber ähnlich. Ich würde also weiterhin Interviews machen und an meiner persönlichen Mission arbeiten, Bewusstsein in die Welt zu bringen. Wahrscheinlich würde ich einiges auslagern, beispielsweise meine Videos nicht mehr selber schneiden und nur noch die Dinge machen, die ich wirklich machen möchte. Aber das ist schon relativ nah dran an dem, was ich heute mache.
Vielen Dank für das Gespräch.
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