Kommentar
19:00 Uhr, 15.10.2026

Bitcoin Miner CleanSpark: So funktioniert das neue Geschäftsmodell

Der Bitcoin Miner CleanSpark hat für ein Rechenzentrum in Georgia einen 20-jährigen Mietvertrag mit Meta unterschrieben. Für Aktionäre verschiebt sich damit, der Investment Case. Erste Anzeichen zeigen sich bereits an der Börse.

Erwähnte Instrumente

  • ISIN: XC000A2YY636Kopiert
    Aktueller Kursstand:   (Coinbase Advanced)
    VerkaufenKaufen

    Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach. 

    Mehr erfahren Nein, danke

CleanSpark hat am 9. Oktober seinen letzten Monatsbericht veröffentlicht. Rund fünf Jahre lang legte der US-Konzern jeden Monat offen, wie viele Bitcoin seine Rechner schürfen, künftig berichtet er nur noch quartalsweise. Hintergrund ist ein Mietvertrag mit Meta, für den CleanSpark in Georgia ein Rechenzentrum baut.

Was Anleger mit der CleanSpark-Aktie kaufen

CleanSpark verdient sein Geld bisher fast vollständig mit dem Schürfen von Bitcoin. Spezialrechner lösen dafür "kryptografische Rechenaufgaben" und für jeden gefundenen Block schüttet das Netzwerk neue Bitcoin aus. Einen Teil der Ausbeute behält das Unternehmen, zum 30. September waren es 13.530 Bitcoin. Beim Bitcoin-Kurs von rund 83.200 US-Dollar am Dienstagabend entspricht das in etwa 1,13 Milliarden US-Dollar oder etwa 43 Prozent der Bewertung des Unternehmens von 2,61 Milliarden US-Dollar. Die Aktie ist damit vor allem eine Wette auf den Krypto-Markt.

Die Aktionäre übernehmen auch zum Teil die Betriebskosten und die Schulden des Konzerns, die Ende Juni bei 1,8 Milliarden US-Dollar lagen. Zudem steht der Bestand nicht vollständig zur freien Verfügung.

3.475 Bitcoin hat CleanSpark als Sicherheit für Derivategeschäfte hinterlegt, der freie Rest entspricht rund 32 Prozent des Börsenwerts. Zu diesen Geschäften gehören verkaufte Call-Optionen, also Rechte, mit denen ein Käufer Bitcoin zu einem festen Preis übernehmen darf. CleanSpark kassiert dafür eine Prämie und gibt einen Teil der Kurschance ab. Im September gingen so 700 Bitcoin an Optionskäufer.

Entsprechend kräftig schwankt die Aktie. Der Betafaktor der Aktie liegt bei 3,84. Diese Kennzahl misst, wie stark ein Papier im Verhältnis zum Gesamtmarkt schwankt und besagt hier, dass sich die CleanSpark-Aktie in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt knapp viermal so stark bewegt hat wie der US-Aktienmarkt.

Warum sich das Mining kaum noch rechnet

Ob sich das Schürfen lohnt, zeigt eine Rechnung pro Bitcoin. Im Quartal von April bis Juni hat CleanSpark aus den Monatsberichten 1.925 Bitcoin erzeugt und 138,0 Millionen US-Dollar umgesetzt, also rund 71.700 US-Dollar je Bitcoin. Die direkten Kosten, vor allem für Strom, lagen bei rund 44.400 US-Dollar pro Stück. Das klingt vorerst solide, denn je Bitcoin bleiben so gut 27.000 US-Dollar übrig. Was weniger schön ist: Die Rechner verschleißen und müssen nach einigen Jahren ersetzt werden. Diese Abschreibungen summierten sich im Quartal auf 111 Millionen US-Dollar, das sind weitere 57.700 US-Dollar je Bitcoin. Die Vollkosten liegen damit bei etwa 102.000 US-Dollar und somit klar über dem aktuellen Bitcoin-Kurs.

Hinzu kommt, dass die Produktion seit dem Frühjahr sinkt. Im Mai schürfte CleanSpark noch 671 Bitcoin, im September waren es lediglich 529.

Auch die durchschnittlich genutzte Rechenleistung, die sogenannte Hashrate, ging zurück. Im März lag sie bei 47,3 Exahash pro Sekunde, im September bei 36,0, wobei ein Exahash einer Trillion Rechenversuchen entspricht. Ein fallender Bitcoin-Kurs trifft das Unternehmen deshalb doppelt, über die schmale Marge und über den Wert des Bestands in der Bilanz.

Die Chance: 6,6 Milliarden US-Dollar Miete von Meta

Den Ausweg hat CleanSpark im Juli eingeschlagen. Für den Standort Sandersville unterschrieb das Unternehmen einen Mietvertrag über 20 Jahre für 175 Megawatt Rechenzentrumsleistung, mit rund 6,6 Milliarden US-Dollar Vertragswert und einer jährlichen Steigerung von drei Prozent. Mieterin ist eine Meta-Tochter, der Konzern bürgt für Miete und Betriebskosten. Der Vertrag ist als sogenannter Triple-Net-Lease angelegt. Somit spart sich CleanSpark also auch die laufenden Nebenkosten des Gebäudes.

Finanziert wird der Bau über eine Anleihe von 2,276 Milliarden US-Dollar mit 7,875 Prozent Zins und Fälligkeit im Jahr 2031. CleanSpark erwartet im Schnitt einen Nettobetriebsertrag von rund 330 Millionen US-Dollar pro Jahr, die Zinsen kosten etwa 179 Millionen US-Dollar.

Vor Steuern bleiben damit rund 150 Millionen US-Dollar im Jahr, was knapp 0,59 US-Dollar je Aktie entspricht. Zusammen mit dem Vertrag hat sich der Mieter per Absichtserklärung exklusiven Zugriff auf das gesamte Texas-Portfolio von CleanSpark mit bis zu 885 Megawatt gesichert. Jeder Aktionär hält inzwischen auch einen größeren Anteil am Unternehmen, weil CleanSpark die Zahl der umlaufenden Aktien durch Rückkäufe von 284,3 Millionen Ende September 2025 auf 256,8 Millionen Ende Juni 2026 gesenkt hat.

Was die Kursziele der Analysten voraussetzen

Analysten empfehlen die Aktie im Schnitt mit „Strong Buy“. Es gibt auch vorsichtige Stimmen: Argus bewertet das Papier neutral und hat sein Kursziel am 7. Oktober auf 12 US-Dollar gesenkt. Die Spanne zeigt, wie stark das Urteil an Annahmen hängt. Die optimistischen Ziele setzen voraus, dass der Markt die Meta-Miete als stabilen Infrastruktur-Ertrag bewertet und weitere Verträge folgen. CleanSpark rechnet mit Baukosten von 2,08 Milliarden US-Dollar, die Miete soll ab November 2027 fließen. Reicht das Geld aus der Anleihe nicht, muss der Konzern selbst für die Fertigstellung einstehen. Mit Mietbeginn soll außerdem das Mining in Sandersville enden, weil der Strom ins Rechenzentrum fließt.

Für Anleger wird die CleanSpark-Aktie damit Schritt für Schritt zu einer Infrastruktur-Beteiligung mit der Bonität von Meta im Rücken – der Bitcoin-Anteil am Investment schrumpft dagegen. Wie schnell dieser Wandel vorankommt, lässt sich ohne Monatsberichte nur noch im Quartalsrhythmus verfolgen. Die nächsten Zahlen werden mit dem Jahresabschluss voraussichtlich Ende November erwartet.

Du willst auch die Artikel mit dem + lesen? Dann hol Dir BTC-ECHO Plus+

Mit Deinem Abo bekommst Du:

  • Unbegrenzten Zugang zu allen Inhalten
  • Exklusive Artikel, Interviews & Analysen
  • Detaillierte Reports & Hintergrundberichte
  • Technische Chartanalyse & Kursziele

Es sollen noch mehr Vorteile sein? Via Web und App hast Du geräteübergreifend Zugriff auf alle Beiträge. Damit verschaffen wir Dir ein optimales Lesevergnügen und du bleibst jederzeit flexibel.

Werde jetzt BTC-ECHO Plus+ Mitglied!