Aus dem ETF Magazin: "Jetzt kaufen alle Gold"
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke - VerkaufenKaufen
4. November 2026. MÜNCHEN (ETF Magazin). Anfang 2026: Mit einem Preis von 5.595 US-Dollar je Feinunze erreicht Gold seinen historischen Höchststand. Es war ein kurzes Glück. Sechs Monate später kostet die Unze nur noch knapp 4000 Dollar. Dann dreht der Markt wieder nach oben – und jetzt kommen noch ganz andere Preise in den Blick. Schon vor dem Jahresende könnte eine Feinunze 6.000 US-Dollar wert sein, schätzen die Rohstoff-Analysten von J.P. Morgan. Im kommenden Jahr halten sie sogar einen Goldpreis von 6.300 Dollar für möglich. Vom aktuellen Preisniveau aus gesehen wäre das ein Anstieg um knapp 50 Prozent. Bei Goldminen-Aktien könnte sogar noch mehr drin sein. Sie reagieren üblicherweise mit einem Hebel auf die Entwicklung des Goldpreises.
Bis vor gut einem Jahr trieben vor allem die Notenbanken mit ihren Käufen den Goldpreis nach oben. Jetzt kaufen auch andere. „Gold‘s Bull Market Goes All-In“ überschreiben die Rohstoffanalysten der Société Générale eine brand-aktuelle Analyse. Zu beobachten sei im Moment ein simultaner Kaufrausch „über alle Nachfrage-Kanäle“ hinweg: ETFs, Terminkontrakte, Optionen. „Gold ist in eine neue Hausse-Phase eingetreten. Sie ist weniger geprägt von spekulativem Schwung als von breiter, struktureller Überzeugung über alle Marktteilnehmer hinweg“, befindet SG-Analyst Michael Haigh.
Aufgrund massiver Mittelzuflüsse kauften ETFs im August mehr als 200 Tonnen Gold, berichten die Rohstoff-Analysten. Es war der dritthöchste Monatszufluss seit Beginn der Datenerhebung. Auch die Terminmärkte machen deutlich, wie stark professionelle Anleger inzwischen auf Gold setzen. Innerhalb von fünf Wochen bauten Vermögensverwalter ihre Netto-Kaufposition um 30 Prozent aus, überwiegend durch Neukäufe und nicht durch das Eindecken von Leerverkäufen. In Dollar gerechnet wuchs die Position um 15 Milliarden US-Dollar auf einen Spitzenwert von 65 Milliarden Dollar. Umgerechnet war das eine Zunahme von mehr als 100 Tonnen Gold. Ähnliche Signale sendet der US-Optionsmarkt. Dort konzentrieren sich Gold-Kaufoptionen nun auf einen Preis von 5.000 US-Dollar pro Unze. Die am stärksten nachgefragten Verkaufsoptionen liegen dagegen nur 1,5 Prozent unter dem aktuellen Goldpreis. Anleger rechnen also mit weiter steigenden Preisen und sichern sich gleichzeitig gegen kurzfristige Rückschläge ab, schlussfolgern die SG-Analysten.
Starke Käufer
Die Notenbanken bleiben am Goldmarkt ebenfalls ein stützender Faktor, auch wenn die Dynamik ihrer Käufe deutlich nachgelassen hat. Im zweiten Quartal 2026 kauften die Zentralbanken der Welt laut World Gold Council 289 Tonnen Gold. Zu den größten Käufern zählten China, Polen, Kasachstan und Usbekistan. „Gegenüber den Notenbanken der Industriestaaten haben Schwellenländer noch einen erheblichen Aufstockungsbedarf bei Gold als Währungsreserve“, kommentiert Alexander Posthoff, Multi-Asset-Portfoliomanager bei Bantleon. Wie zielstrebig einzelne Länder ihre Bestände dennoch ausbauen, zeigt Polen: Die Notenbank erhöhte ihre Reserven binnen eines Quartals um 31 Tonnen auf 582 Tonnen und hält an ihrem Ziel von 700 Tonnen fest.
Ein Teil der Gold-Nachfrage taucht allerdings in den offiziellen Notenbank-Statistiken gar nicht auf, erklärt J.P. Morgan Global Research. Neben den gemeldeten Käufen sammelt beispielsweise China offenbar in erheblichem Umfang zusätzlich Gold ein. „Chinesische Nettoimporte von Gold sind sprunghaft gestiegen, auf 317 Tonnen im ersten Quartal 2026, fast dreimal so viel wie im Quartal zuvor“, sagt Greg Shearer, Chef-Metallanalyst bei J.P. Morgan. Hinzu kommt eine neue Käufergruppe: Chinesische Versicherer dürfen inzwischen bis zu ein Prozent ihres verwalteten Vermögens in physisches Gold anlegen, Branchenbeobachter halten mittelfristig sogar fünf Prozent für möglich.
2025 erreichte die weltweite Goldnachfrage mit 5.000 Tonnen einen neuen Rekordwert, berichtet der World Gold Council. Ausschlaggebend waren dabei zunehmend Anleger, die Barren, Münzen und Gold-ETFs kauften. Auch 2026 setzte sich dieser Trend fort: Allein im ersten Quartal erreichte der Wert der weltweiten Goldnachfrage mit 193 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand.
Dem Angebot fällt es schwer, mit dieser Nachfrage Schritt zu halten. Die weltweite Minenproduktion legte zuletzt nur um rund zwei Prozent zu, das Recycling von Altgold ging sogar leicht zurück, weil selbst hohe Preise viele Haushalte kaum zum Verkauf ihres Schmucks bewegten. Ein knappes Angebot bei anhaltend hoher Nachfrage ist ein klassisches Argument für weiter steigende Preise. Neue Minen zu erschließen dauert zudem Jahre, selbst ein deutlich höherer Goldpreis lässt sich also kurzfristig kaum in mehr Fördermenge übersetzen.
Neue Kurstreiber wirken
Auffällig ist, dass sich Gold seit 2022 von seinen traditionellen Bewertungsmodellen gelöst hat. Ein positiver Realzins drückt normalerweise auf den Goldpreis, weil verzinste Anlagen dann attraktiver werden. Trotz der heute hohen Zinsen ist das Edelmetall noch immer mehr als doppelt so teuer wie in der Niedrigzinsphase Anfang 2022. Die SG-Analysten begründen das mit strukturellen Trends: anhaltenden Notenbankkäufen, geopolitischer Unsicherheit, der schleichenden Abkehr vieler Staaten vom Dollar als Leitwährung und der Sorge vor hoher Staatsverschuldung. Hinzu komme ein anhaltendes Inflationsrisiko: neue US-Zölle, hohe Energiepreise, die Investitionswelle rund um Künstliche Intelligenz und große Haushaltsdefizite könnten die Teuerung länger hochhalten, als der Markt derzeit einpreist.
Ein weiterer Treiber bleibt die geopolitische Lage. Spannungen im Nahen Osten, Handelskonflikte und die Furcht vor Sanktionen lassen viele Staaten an der Sicherheit von Dollar-Reserven zweifeln. „Insbesondere staatliche Akteure aus Schwellenländern haben gelernt, dass Haltern von US-Staatsanleihen unliebsame Sanktionen drohen können“, erklärt Posthoff. Gold gilt in diesem Umfeld als Alternative ohne Kontrahentenrisiko, die niemand einfrieren kann.
Über allem steht zudem die Schuldenlast der Vereinigten Staaten. Das US-Finanzministerium kauft derzeit länger laufende Staatsanleihen zurück und gibt gleichzeitig mehr kurz laufende Papiere aus. Der Dollar reagierte darauf mit Kursverlusten, Gold zog an. Bleibt es bei der bloßen Bekämpfung der Schuldensymptome, statt die Verschuldung tatsächlich zu senken, dürfte diese Konstellation Gold weiter stützen.
Hochprofitable Minen
Dieses Umfeld nutzt auch den Goldminen. Sie sind so profitabel wie selten zuvor. Bei einem Goldpreis von 4500 Dollar pro Unze erzielen die Minen operative Margen von etwa 2.000 US-Dollar je Unze, erklärt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin für Gold und Edelmetalle bei VanEck.
Johannes Heinritzi, Rohstoffexperte bei Focus Money und Chefredakteur des Rohstoff-Börsenbriefs, sieht die Branche weiterhin außergewöhnlich günstig bewertet: Goldminen werfen im Verhältnis zu ihrem Börsenwert derzeit so viel freien Cashflow ab wie selten zuvor, und deutlich mehr als die großen europäischen Aktien im Stoxx Europe 600. „Die Aktien der Goldminen sind im Vergleich zum breiten Markt deutlich unterbewertet“, erklärt Heinritzi. Die Förderkonzerne honorierten die gute Gewinnlage bereits mit Dividenden, was zusätzliche Anlegerschichten anziehen dürfte.
Diese Kombination aus hohem Goldpreis und robusten Margen ist historisch ungewöhnlich. Über weite Strecken der vergangenen Jahre hinkten die Aktienkurse der Förderkonzerne der Wertentwicklung des Metalls hinterher, auch weil viele Anleger frühere Kostenexplosionen und Fehlinvestitionen der Branche nicht vergessen haben. „Die aktuelle Datenlage spricht jedoch dafür, dass diese Skepsis inzwischen zu weit geht“, sagt Heinritzi. Die Konzerne erwirtschafteten genug Kapital, um gleichzeitig zu investieren, Schulden abzubauen und Aktionäre über Dividenden und Rückkäufe zu beteiligen – selbst wenn der Goldpreis nicht weiter steigen würde.
Selbst steigende Produktions- und Energiekosten dürften die Minen nicht ausbremsen. „Der Margenpuffer ist erheblich. Die Unternehmen brauchen keinen weiter steigenden Goldpreis, um hochprofitabel zu bleiben“, erklärt der Experte. Zudem gebe es eine Art natürliche Absicherung: Dieselben Faktoren, die die Kosten der Minenbetreiber erhöhen, etwa Inflation oder geopolitische Unsicherheit, stützen meist auch den Goldpreis als wichtigsten Umsatztreiber der Minen.
Die Finanzkraft der Minen zeigt sich auch abseits der Bilanzen. „Übernahmen und Zusammenschlüsse nehmen zu, weil größere Konzerne gezielt kleinere Förderer mit attraktiven Lagerstätten kaufen, statt selbst neue Minen zu erschließen“, berichtet Heinritzi. Das beschleunigt das Wachstum, ohne die Kostendisziplin der Käufer zu gefährden. Ohnehin hat die Branche aus der Baisse der Jahre 2013 bis 2015 gelernt. Damals mussten viele Konzerne wegen unkontrollierter Expansion und hoher Schulden Milliarden abschreiben. Heute achten die großen Förderkonzerne stärker auf Kapitaldisziplin, niedrigere Verschuldung und verlässliche Ausschüttungen an die Aktionäre, statt jedes Wachstumsprojekt um jeden Preis zu verfolgen.
Insgesamt zeigt sich also ein klares Bild: Finanzinvestoren füllen ihre Depots, Notenbanken ihre Tresore, Minenkonzerne ihre Kassen. Mit Gold-ETCs und Minen-ETFs profitieren Anleger auch davon.
Lukrative Investments
Rund 30 Gold-ETCs werden am europäischen Markt gehandelt. Die Tabelle zeigt einige der größten, mit physischem Gold gesicherten ETCs. Aktien der Goldminen reagieren meist mit einem Hebel auf den Goldpreis. Das führte in den vergangenen Jahren zu sehr hohen Kursgewinnen.
| ETF Name | ISIN | Kosten pro Jahr in % | Volumen in Mio. Euro | Auflagedatum | Wertentwickl. 1 Jahr in % | Wertentwickl. 3 Jahre in % |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gold-ETC | ||||||
| iShares Physical Gold | <IE00B4ND3602> | 0,12 | 35200 | 16.07.2021 | 19,0 | 104,9 |
| Xetra-Gold | <DE000A0S9GB0> | 0,36 | 21500 | 14.12.2007 | 19,1 | 105,9 |
| Invesco Physical Gold Euro Hedged | <XS2183935274> | 0,34 | 1200 | 15.07.2020 | 13,4 | 104,6 |
| Goldminen-Aktien-ETF | ||||||
| L&G Gold Mining | <IE00B3CNHG25> | 0,55 | 790 | 08.06.2009 | 45,2 | 282,1 |
| UBS Solactive Global Pure Gold Miners | <IE00B7KMNP07> | 0,43 | 464 | 24.01.2013 | 37,5 | 259,4 |
| VanEck Junior Gold Miners | <IE00BQQP9G91> | 0,55 | 1260 | 27.05.2015 | 43,0 | 230,9 |
Von Wilhelm Nordhaus, Oktober 2026, © ETF Magazin
Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.
- ETF Magazin herunterladen als PDF
