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Kommentar
11:53 Uhr, 10.07.2026

Anleihen: "Renditen stabilisieren sich nach rasantem Anstieg"

Höherer Ölpreis, höhere Inflation, wahrscheinlich höhere Leitzinsen – am Anleihemarkt haben die jüngsten Eskalationen im Nahen Osten die Zinsen stark steigen lassen. Zum Wochenausklang beruhigt sich die Lage.

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10. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs samt steigendem Ölpreis wirkt sich auch im Anleihemarkt aus. „Es war viel Bewegung im Markt, jetzt hat sich das etwas beruhigt“, berichtet Beate Mägerle, die für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handelt. „Die Woche stand ganz im Zeichen der neuerlichen gegenseitigen Angriffe am Persischen Golf“, erklärt Commerzbank-Analyst Pascal Reichert. Darüber hinaus plane die Bundesregierung für die kommenden Jahre ein noch höheres Defizit. „Außerdem hat es im Euroraum umfangreichen Neuemissionen im längeren Laufzeitbereich gegeben.“

Die Folge: Die Renditen von Bundesanleihen stiegen stark an. Die Rendite zehnjähriger kletterte in der Spitze über 3,10 Prozent. Meldungen, dass USA und Iran weiter an einer diplomatischen Lösung des Konflikts arbeiten, sorgen nun für etwas Entspannung. Zehnjährige Bundesanleihen werfen am Freitagmittag aber immer noch 3,04 Prozent ab – nach 2,93 Prozent vor einer Woche.

Auch in den USA wiesen die Renditen nach oben, für zehnjährige US-Treasuries ging es in Richtung 4,6 Prozent. Am Freitagmittag sind es immer noch 4,54 Prozent. „Bei einer Auktion neuer dreißigjähriger Anleihen lag die Rendite so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. „Die hohe Staatsverschuldung macht sich bemerkbar, Käufer verlangen höhere Zinsen.“

Kommen noch Zinserhöhungen?

Was die weitere Entwicklung der Leitzinsen im Euroraum angeht, geht der Markt nach der Erhöhung um 25 Basispunkte im Juni für die EZB-Sitzung am 23. Juli von unveränderten Zinsen aus. In den USA zeigten die Protokolle der letzten Notenbanksitzung Meinungsunterschiede hinsichtlich des weiteren Zinspfads, wie Chefanlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank feststellt: „Während ein Teil der Mitglieder von einer nachlassenden Inflation ausgeht und daher Zinssenkungen bis Jahresende für angemessen hält, sehen andere weiterhin Inflationsrisiken und schließen zusätzliche Zinserhöhungen nicht aus“, erklärt er. Der Markt habe nach der Pressekonferenz mit dem neuen US-Notenbankchef Warsh offenbar zunächst mit einer restriktiveren Fed gerechnet, also tendenziell höheren Leitzinsen. Zuletzt seien die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen jedoch gesunken.

Neues von RWE, Sixt und Amazon

Im Handel mit Unternehmensanleihen geht es eher ruhig zu, „Anleger sind ‚on hold‘, es herrscht Sommerflaute“, berichtet Marcus Mielert von Oddo BHF. Gute Umsätze meldet ICF-Händler Brunner für die 2029 fällige Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig (DE000A383RA4>). „Auch wenn die Geschäftszahlen nicht überragend ausgefallen sind: Der hohe Kupon von 9,75 Prozent überzeugt.“

Arthur Brunner

Neue Anleihen gibt es unter anderem von RWE. „Die Nachfrage ist gut“, meldet Mägerle. Die eine Tranche läuft bis 2032 und bietet einen Kupon von 3,375 Prozent (XS3430748759), die andere bis 2037 und 4 Prozent (XS3430748676). Auch Autovermieter Sixt kam mit einer Neuemission, wie Brunner berichtet, und zwar mit Laufzeit bis 2031 und Kupon von 3,75 Prozent (DE000A46Z700). Mindestanlagesumme in beiden Fällen: 1.000 Euro.

Zudem brachte Amazon neue US-Dollar-Bonds, in mehreren Tranchen und einem Volumen von insgesamt 25 Milliarden US-Dollar. Damit soll – wie im Fall der anderen US-Tech-Riesen– der milliardenschwere Ausbau der KI-Rechenzentren finanziert werden. Ein Beispiel: bis 2029 laufende Anleihen mit 4,6 Prozent-Kupon (US023135EB86). „Auch Amazon muss hohe Zinsen zahlen, für die dreißigjährige Anleihe (US023135EG73) zum Beispiel 6,1 Prozent“, bemerkt Brunner.

Von Anna-Maria Borse, 10. Juli 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com