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07:18 Uhr, 31.10.2026

150 Milliarden weniger: Warum OpenAI seine Bewertung kappt

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Finanzierungsziel gekürzt: OpenAI hat das Ziel für seine aktuelle Kapitalrunde laut Financial Times um 10 Milliarden auf 20 Milliarden Dollar gesenkt.
  2. 02Bewertung um 150 Mrd. gesenkt: Die angestrebte Unternehmensbewertung fällt von ursprünglich 1,4 Billionen auf 1,25 Billionen Dollar, während das erste Closing unter 20 Milliarden Dollar erwartet wird.
  3. 03Signal vor Anthropic-IPO: Die gekürzten Investorenzusagen deuten auf eine Abkühlung der KI-Bewertungen hin, nur wenige Wochen vor dem geplanten Börsengang des Rivalen Anthropic.

Der wichtigste Entwickler generativer künstlicher Intelligenz muss bei der Kapitalsuche unerwartet deutliche Zugeständnisse machen. Laut einem Bericht der Financial Times hat OpenAI sowohl die angestrebte Unternehmensbewertung als auch das Volumen seiner aktuellen Finanzierungsrunde kräftig nach unten korrigiert. Die Anpassung fällt mitten in eine Woche, die von Verkäufen bei Technologie-Aktien geprägt war, und zeigt, dass selbst das prominenteste KI-Unternehmen der Welt seine Preisvorstellungen am Kapitalmarkt nicht mehr ohne Widerstand durchsetzen kann.

Besonders brisant ist der zeitliche Druck hinter den Kulissen: OpenAI hat den potenziellen Geldgebern laut Financial Times eine Frist bis zum heutigen 31. Oktober 2026 gesetzt, um ihre Zusagen für die laufende Runde verbindlich einzureichen. Statt eines überzeichneten Bieterwettstreits zeichnet sich bereits vor Ablauf dieser Deadline ab, dass mehrere Investoren auf die Bremse treten.

Von 30 auf 20 Milliarden Dollar: Die neuen Zahlen der OpenAI-Runde

Die Korrektur betrifft beide zentralen Eckpfeiler der Transaktion. Ursprünglich wollte OpenAI in dieser Finanzierungsrunde frisches Kapital in Höhe von 30 Milliarden Dollar einsammeln. Dieses Ziel wurde laut Financial Times nun um 10 Milliarden Dollar – also um exakt ein Drittel – auf 20 Milliarden Dollar gesenkt.

Parallel dazu gab das Unternehmen bei der eigenen Preisforderung nach. Statt der zuvor veranschlagten Unternehmensbewertung von 1,4 Billionen Dollar setzt OpenAI nun 1,25 Billionen Dollar an. Das entspricht einem Bewertungsabschlag von 150 Milliarden Dollar oder rund 10,7 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Plan. Für ein nicht börsennotiertes Unternehmen ist eine Korrektur in dieser absoluten Größenordnung außergewöhnlich, da allein der gestrichene Wert von 150 Milliarden Dollar die gesamte Marktkapitalisierung vieler etablierter Großkonzerne übersteigt.

Selbst das reduzierte Ziel von 20 Milliarden Dollar scheint zum heutigen Stichtag noch nicht vollständig gesichert zu sein. Laut dem Bericht der Financial Times wird das sogenannte erste Closing der Finanzierungsrunde voraussichtlich unter der Marke von 20 Milliarden Dollar bleiben. Der Grund dafür ist, dass mehrere Investoren ihre ursprünglich eingeplanten Zuteilungen für die Runde gekürzt haben.

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Was bedeutet das erste Closing bei einer Finanzierungsrunde?

Bei großen privaten Kapitalrunden warten Unternehmen oft nicht, bis der letzte Dollar zugesagt ist. Beim ersten Closing (First Close) werden die bis zu einer festen Frist vorliegenden Investorenzusagen rechtlich verbindlich abgeschlossen und das Geld fließt. Weitere Geldgeber können manchmal in späteren Tranchen nachziehen, doch das erste Closing gilt am Markt als entscheidender Stimmungstest für die tatsächliche Nachfrage.

Warum Geldgeber ihre Zuteilungen kürzen – und was das für den KI-Sektor heißt

Dass Investoren ihre Ticketgrößen bei OpenAI reduzieren, ist mehr als eine isolierte Vertragsverhandlung. Über lange Zeit galt die ungeschriebene Regel, dass Risikokapitalgeber und institutionelle Fonds nahezu jeden Preis akzeptieren, um sich Anteile an den führenden Modellentwicklern zu sichern. Wenn nun gleich mehrere Parteien ihre Zuteilungen zurückschrauben und OpenAI zu einem Abschlag von 150 Milliarden Dollar zwingen, verschiebt sich die Verhandlungsmacht spürbar zugunsten der Kapitalgeber.

Die Senkung der OpenAI-Runde könnte auf eine breitere Abkühlung der Risikokapital-Bewertungen im generativen KI-Sektor hindeuten.

Financial Times, Einschätzung zur aktuellen Finanzierungsrunde

Laut Financial Times lässt sich der Schritt genau in diese Richtung deuten: Die gekappte Runde wird als möglicher Vorbote einer breiteren Abkühlung bei den Risikokapital-Bewertungen im gesamten Sektor für generative künstliche Intelligenz gewertet. Das zeitliche Zusammentreffen mit den jüngsten Abverkäufen bei börsennotierten Technologiewerten verstärkt diese Zurückhaltung. Wenn die Bewertungen an den öffentlichen Börsen nachgeben, sinkt bei großen Fonds automatisch die Bereitschaft, auf dem privaten Markt Rekordpreise von 1,4 Billionen Dollar zu bewilligen.

Hinzu kommt die enorme absolute Summe. Selbst eine Bewertung von 1,25 Billionen Dollar und ein Kapitalbedarf von 20 Milliarden Dollar bewegen sich in Dimensionen, die nur eine kleine Gruppe globaler Staatsfonds, Tech-Konzerne und Mega-Fonds darstellen kann. Kürzen in einem solchen engen Kreis bereits einige Adressen ihre Zusagen, lässt sich die Lücke bis zur heutigen Frist kaum durch kleinere Wagniskapitalgeber schließen.

Relevante Titel zum Thema: Anthropic-Börsengang und die Rolle von Microsoft

Die Nachrichten rund um OpenAI treffen den Markt in einer sensiblen Phase und strahlen direkt auf Wettbewerber sowie börsennotierte Partner aus, die eng mit der Entwicklung der KI-Bewertungen verknüpft sind.

Anthropic vor dem Börsentest: Besonders genau dürfte das Management des direkten KI-Konkurrenten Anthropic auf die gekürzten Zahlen blicken. Laut Financial Times steht Anthropic nur wenige Wochen vor einem geplanten Börsengang. Wenn der wichtigste Branchenrivale kurz vor diesem Termin seine eigene Bewertung um 150 Milliarden Dollar senken muss und beim ersten Closing unter der 20-Milliarden-Dollar-Marke bleibt, liefert das institutionellen Aktienkäufern ein starkes Argument, auch beim kommenden IPO von Anthropic strengere Bewertungsmaßstäbe anzulegen.

Microsoft Corp. als börsennotierter Gradmesser: Für reguläre Aktienanleger, die weder an privaten Finanzierungsrunden von OpenAI teilnehmen noch vorab in Anthropic investieren können, bleibt Microsoft der zentrale liquide Hebel auf das Thema. Eine nüchternere Preisfindung im privaten KI-Sektor hat für den Softwarekonzern zwei Seiten: Einerseits dämpft eine Abkühlung der Risikokapital-Bewertungen die unmittelbare Buchwert-Fantasie rund um KI-Beteiligungen, andererseits reduziert ein Ende der extremen Bewertungsspirale das Risiko, dass Kapital im Sektor blind verbrannt wird, während etablierte Cloud- und Softwareanbieter die Technologie bereits im laufenden Geschäft monetarisieren.

Meine Meinung dazu:

Das ist im aktuellen Umfeld nicht gerade förderlich für die Stimmung. Der Risikoappetit lässt deutlich nach, das merkt man an den Börsen und jetzt auch im Private Market. Könnte am Montag dann nochmals für Druck sorgen am Aktienmarkt, schon zuletzt haben vor allem auch Shortseller auf fallende Kurse gesetzt. – Michael Flender – Team Goldesel

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