Expertenkommentar

Porsche-Aktien am oberen Ende der Platzierungsspanne erwartet - EZB-Präsidentin Lagarde signalisiert weitere Zinserhöhungen

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Erwähnte Instrumente

  • Deutsche Bank AG - WKN: 514000 - ISIN: DE0005140008 - Kurs: 8,632 € (XETRA)
  • Credit Suisse Group AG - WKN: 876800 - ISIN: CH0012138530 - Kurs: 4,071 Fr (SIX)
  • Apple Inc. - WKN: 865985 - ISIN: US0378331005 - Kurs: 150,430 $ (Nasdaq)
  • Vonovia SE - WKN: A1ML7J - ISIN: DE000A1ML7J1 - Kurs: 22,000 € (XETRA)
  • Volkswagen AG Vz. - WKN: 766403 - ISIN: DE0007664039 - Kurs: 138,180 € (XETRA)
  • Continental AG - WKN: 543900 - ISIN: DE0005439004 - Kurs: 48,300 € (XETRA)
  • Las Vegas Sands Corp. - WKN: A0B8S2 - ISIN: US5178341070 - Kurs: 38,990 $ (NYSE)
  • Amazon.com Inc. - WKN: 906866 - ISIN: US0231351067 - Kurs: 115,230 $ (Nasdaq)
  • EasyJet PLC - WKN: A1JTC1 - ISIN: GB00B7KR2P84 - Kurs: 3,465 € (XETRA)
  • BioNTech SE - WKN: A2PSR2 - ISIN: US09075V1026 - Kurs: 129,770 $ (Nasdaq)
  • CFNAI: US-Wirtschaft lahmt
  • Forschungsinstitute erwarten 2023 BIP-Rückgang
  • ifo Geschäftsklima stürzt ab
  • OECD stampft Konjunkturprognosen deutlich ein
  • Ampel verabschiedet sich von der Gasumlage
  • Italien-Wahl lässt Euro abstürzen
  • Ampel: Gaspreisdeckel im Gespräch
  • Ukraine: Selenskyj verkündet weitere Kampferfolge
  • Apple produziert iPhone auch in Indien

Markt

Der deutsche Aktienmarkt hat nach der sehr schwachen Vorwoche zu Beginn der neuen Woche weitere Kursverluste verbucht. Der DAX gab am Montag im Xetra-Handel um 0,46 Prozent auf 12.227,92 Punkte nach. Der Wahlsieg der rechtspopulistischen Fratelli d’Italia bei der Parlamentswahl in Italien ernüchtert viele in Europa. Fratelli-Chefin Giorgia Meloni hat mehrfach versichert, dass es unter ihrer Führung keinen harten Bruch mit der EU geben würde. Ob diese Ankündigung sich bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Am Finanzmarkt trägt das Wahlergebnis zur allgemeinen Verunsicherung bei. Belastend wirkt zudem ein schwacher ifo-Index. „Die Finanzmärkte kommen nicht aus der Defensive, denn neben der Fed und anderen Notenbanken, die in der letzten Woche an der Zinsschraube gedreht haben, ist auch die Europäische Zentralbank derart unter Druck, aggressiv gegen die Teuerungswelle vorzugehen, dass die Zinserwartungen bereits bei rund 3 Prozent liegen, kommentierte die Helaba am Morgen. „Hohe Zinssteigerungen, geopolitische Risiken, Gaskrise und vieles mehr belasten die wirtschaftlichen Perspektiven und so neigen die Aktienkurse zur Schwäche“.

In der Nacht zu Montag ist der Euro kräftig im Wert gesunken und fiel zum US-Dollar erneut auf einen 20-jährigen Tiefstand. Ein Euro kostete im Tief rund 0,95 Dollar und damit so wenig wie zuletzt im Jahr 2002. Bis zum Morgen konnte sich der Euro wieder etwas fangen. Der Dollar profitiert schon seit längerem als sichere Alternative von den vielen krisenhaften Entwicklungen auf der Welt. Der Euro wird hingegen durch die Energiekrise in Europa belastet. Der Wahlausgang in Italien könnte den Euro zusätzlich belastet haben. Ein Bündnis um die rechtspopulistische Partei Fratelli d'Italia hat die Parlamentswahl gewonnen und wird voraussichtlich in beiden Kammern eine klare Mehrheit erreichen.

Das britische Pfund hat in den vergangenen Tagen drastisch an Wert verloren. Fachleute nennen vor allem die starken Steuersenkungen und weiteren Entlastungen der neuen Regierung unter Premierministerin Liz Truss als Unsicherheitsfaktor. Der finanzpolitische Kurs bereite dem Devisenmarkt mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung große Sorgen, kommentierte Expertin You-Na Park-Heger von der Commerzbank. Das Pfund sank zum Dollar am Montag auf den tiefsten jemals erreichten Stand. Auch gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung hat der Sterling zuletzt stark an Wert verloren. Noch im August kostete ein Pfund 1,19 Euro, inzwischen ist es nur noch 1,10 Euro wert.

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Unternehmen

Die Vorzugsaktien des Sportwagenbauers Porsche könnten beim Börsengang in dieser Woche am oberen Ende der bisher ausgegebenen Spanne von 76,50 bis 82,50 Euro je Aktie platziert werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Papiere seien überzeichnet, heißt es. Die Bücher für die Zeichnung könnten am Mittwoch um 14 Uhr geschlossen werden. Der erste Handelstag soll am Donnerstag sein. Volkswagen würde mit der Platzierung der Aktien an der oberen Grenze der Spanne brutto knapp 9,4 Milliarden Euro einnehmen.

Die Impfstoffentwickler Biontech und Pfizer haben für ihre an die Omikron-Varianten BA.4/BA.5 angepasste Wooster-Impfung eine Notfallzulassung in den USA zum Einsatz bei Kindern zwischen fünf und elf Jahren beantragt. Als Booster ab zwölf Jahren hat das Vakzin in den USA bereits grünes Licht erhalten. Ein Antrag zur Erweiterung der Marktzulassung in der EU soll in den nächsten Tagen auch bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA eingereicht werden.

Die britische Airline Easyjet hat ihr CO2-Kompensationsprogramm aufgekündigt und will stattdessen bis 2050 ihre Emissionen mit effizienten Flugzeugen um 78 Prozent reduzieren. „Wir glauben, dass dies machbar ist. Wir geben zu, dass es auch ehrgeizig ist", sagte Konzernchef Johan Lundgren am Montag. Das 2019 gestartete CO2-Kompensationsprogramm sei immer ein Zwischenschritt gewesen, bis neue Technologien zur Reduzierung der Emissionen gefunden sind.

Der deutsche Online-Marktplatz von Amazon ist in der Corona-Krise schnell gewachsen. Demnach haben die gut 45.000 angegliederten Händler im vergangenen Jahr 750 Mio. Produkte über Amazon verkauft und damit gut 100 Mio. mehr als 2020. Eine wachsende Zahl von Produkten wird demnach ins Ausland verkauft, wie Amazon Deutschland mitteilte. Die Exportumsätze stiegen demnach auf 4,25 Mrd. Euro, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von mehr als zehn Prozent.

Der US-Casino- und Ressortbetreiber Las Vegas Sands profitiert von einer Öffnungsperspektive im Spielerparadies Macau. Die dortige Regierung hatte erklärt, das Glücksspielparadies ab November wieder für Touristen zu öffnen. Die chinesische Sonderverwaltungszone verfolgt wie Festland-China eine strenge Null-Covid-Politik mit zahlreichen Einschränkungen.

Las Vegas Sands Corp.
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Volkswagen und der Materialtechnologiekonzern Umicore haben ein Gemeinschaftsunternehmen für Batteriematerialien gegründet. Das Joint Venture aus der VW-Tochter PowerCo und der belgischen Umicore mit Sitz in Brüssel will drei Milliarden Euro investieren und bis 2030 die Materialien bzw. Batteriekomponenten für 2,2 Mio. Elektroautos jährlich liefern, wie die Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten. Damit wollen die Firmen einen großen Teil des Bedarfs von Volkswagens geplanten europäischen Batteriezellfabriken decken.

Beim Autozulieferer und Kunststoffspezialisten Continental geht es drunter und drüber: Die Qualitätsprobleme bei Schläuchen haben sich offenbar ausgeweitet. Das Unternehmen habe festgestellt, dass die vorgesehenen Normen für Prüfprozesse von Industrieschläuchen am ContiTech-Spartenstandort Korbach nicht immer eingehalten wurden, teilten die Hannoveraner am Montag mit. So seien etwa Schläuche nicht durchgängig mit der vorgegebenen Häufigkeit geprüft worden. Seit Februar führt das Unternehmen erweiterte Qualitätstests bei allen Schlauchtypen durch, nachdem Probleme bei der Reinheit von Schläuchen für Klimaanlagen aufgetreten waren. Schon vor dem Wochenende hatte Conti interne Untersuchungen rund um Schläuche für Klimaleitungen bestätigt. 2021 trug die Schlauchproduktion in Korbach einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag zum Konzernumsatz bei.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) fordert eine Teilverstaatlichung von Deutschlands beiden größten Wohnungskonzernen Vonovia und LEG. Der Staat könne mit seinem Einstieg Einfluss auf den Mietmarkt nehmen. Das werde sich positiv auf die Mietspiegel in vielen Regionen auswirken. Der Bund soll sich bei großen, börsennotierten Wohnungsgesellschaften einkaufen und sich so eine Mitsprache bei der langfristigen Mietpreispolitik der Immobilienkonzerne sichern“, sagte der Vorsitzende Robert Feiger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Vonovia hat derweil angekündigt, künftiges Wachstum auch mit Hilfe externer Investoren zu finanzieren. „Die alte Art der Akquisitionsfinanzierung, also Ausgabe neuer Aktien, verbietet sich bei dem niedrigen Aktienkurs", sagte Konzernchef Rolf Buch der "Börsen-Zeitung". An den Beständen in Schweden und Baden-Württemberg sollen Partner beteiligt werden. Künftig könnten zusammen mit dem Partner dann Bestände aufgekauft werden.

Apple wird sein neues iPhone 14 auch in Indien produzieren. „Die neue iPhone 14-Reihe führt bahnbrechende neue Technologien und wichtige Sicherheitsfunktionen ein. Wir freuen uns, das iPhone 14 in Indien herzustellen", teilte der Konzern am Montag mit. Allerdings findet der Hauptteil der Produktion weiterhin China statt. Analysten zufolge will Apple Ende des Jahres etwa fünf Prozent der Fabrikation des neuen iPhones nach Indien verlagern.

Die Deutsche Bank und die Sparkassen wollen trotz Rückschlägen den Aufbau eines neuen europäischen Zahlungssystems forcieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Banken im Zahlungsverkehr stärken. „Deshalb stehen wir weiter zu dem Projekt und sind bereit, EPI 2.0 zusammen mit den verbliebenen Partnern voranzutreiben", sagte Deutsche-Bank-Vize-Chef Karl von Rohr dem "Handelsblatt". Joachim Schmalzl, Vorstand beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), sagte demnach, EPI wird umso erfolgreicher und schlagkräftiger, je mehr Teilnehmer sich hinter dem Vorhaben versammeln. Die Deutsche Bank hat sich in einem Rechtsstreit mit Anlegern derweil auf die Zahlung von rund 26 Mio. US-Dollar geeinigt. Die Kläger, die zwischen 2018 und 2020 mit Aktien der Deutschen Bank gehandelt hatten, werfen dem Geldhaus unzureichende Anti-Geldwäsche-Kontrollen vor, wie die "Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Die angeschlagene Großbank Credit Suisse will den Markt am 27. Oktober zusammen mit den Ergebnissen des dritten Quartals über die strategische Neuausrichtung informieren. Auch Veräußerungen und Verkäufe von Vermögenswerten würden geprüft, erklärte die Schweizer Großbank am Montag.

Credit Suisse Group AG
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Branchen

Die Stimmung in der Immobilienbranche ist angeschlagen. „Die Herbstbefragung im Rahmen des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) verdeutlicht eine große Anspannung der Immobilienunternehmen“, heißt es in einem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für den Branchenverband ZIA, das dem „Handelsblatt“ vorliegt. Das Immobilienklima habe sich zwar im Vergleich zum Vorquartal etwas aufgehellt, bleibe aber mit einem Wert von 0,3 Punkten auf niedrigem Niveau. „Gegenüber dem Vorquartal wird insbesondere die Lage der Unternehmen deutlich schlechter eingeschätzt, der Wert beträgt nur noch 21,8 Punkte – noch vor einem Jahr lag dieser Wert bei 71,7.

Konjunktur & Politik

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat weitere Zinserhöhungen angekündigt. „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Zinssätze in den nächsten Sitzungen weiter angehoben werden, um die Nachfrage zu dämpfen und dem Risiko einer anhaltenden Verschiebung der Inflationserwartungen nach oben vorzubeugen", sagte Lagarde vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments (Econ). Die Inflation sei nach wie vor viel zu hoch und werde wahrscheinlich für längere Zeit über dem Zielwert der Notenbank (Anm.: von zwei Prozent) liegen, führte Lagarde weiter aus. Der wirtschaftliche Ausblick verdunkle sich, sagte Lagarde. Die Aktivität dürfte sich in den kommenden Quartalen „substanziell" abschwächen. Die hohe Inflation belaste die Konsumausgaben und die Produktion. Mit Blick auf das neue Transmission Protecion Instrument (TPI), mit dem gezielt bestimmte Länder durch Staatsanleihenkäufe vor einem zu starken Renditeanstieg geschützt werden könnten, betonte Lagarde, dass das Instrument nur unter strengen Bedingungen und punktuell zum Einsatz kommen könne und es auch nicht für den dauerhaften Einsatz gedacht sei. Mit Blick auf die TLTRO-Refinanzierungsgeschäfte für Banken sagte Lagarde, dass man die Verzinsung dieser Geschäfte im Auge behalten werde. Die TLTRO-Geschäfte erlauben Banken eine sehr günstige Refinanzierung, obwohl die Verzinsung von Einlagen inzwischen wieder gestiegen ist.

Ein digitaler Euro könnte Risiken und Abhängigkeiten im internationalen Zahlungsverkehr reduzieren. Diese Einschätzung betritt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Ein System basierend auf europäischer Infrastruktur könnte Europa helfen, sich aus einer Abhängigkeit von bestimmten Anbietern zu befreien, sagte er am Montag bei einer Tagung der Notenbank in Frankfurt. „Deshalb plädiere ich auch dafür, dass das Eurosystem den Gestaltungswandel des Geldes aktiv angeht und die Untersuchung von digitalem Zentralbankgeld vorantreibt."

Der Inflationsschub im Euroraum erfasst nach den Worten von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos immer größere Bereiche der Wirtschaft. Zudem schwäche sich das Wachstum ab, sagte de Guindos am Montag auf einer Veranstaltung in Madrid. „Wir sehen, dass es im dritten und vierten Quartal eine deutliche Abschwächung gibt und wir möglicherweise Wachstumsraten nahe Null haben werden“.

Die USA haben weitere Hilfe für die Ukraine in Höhe von 457,5 Mio. Dollar angekündigt. Das Geld solle zivilen ukrainischen Sicherheitskräften und Einrichtungen der Justiz zugutekommen, sagte Außenminister Antony Blinken.

Die Wirtschaftsaktivität in den USA hat sich im August verlangsamt. Dies signalisiert der Chicago Fed National Activity Index (CFNAI), der auf 0,00 Punkte abfiel, wie die Federal Reserve Bank of Chicago mitteilte. Für Juli wurde der Indexstand auf 0,29 Zähler revidiert, nachdem zunächst ein Stand von 0,27 Punkten genannt worden war.

Die Ukraine hat laut Präsident Wolodymyr Selenskyj von den USA fortschrittliche Flugabwehrsysteme enthalten. Seine Aussage ist laut Reuters die erste Bestätigung, dass das National Advanced Surface-to-Air Missile System (NASAMS) die Ukraine erreicht hat. Die Regierung in Washington genehmigte deren Lieferung im vergangenen Monat.

Die USA haben Russland mit „katastrophalen Konsequenzen" gedroht, sollten in der Ukraine Atomwaffen eingesetzt werden. „Die USA werden entschlossen reagieren", sagt der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan dem Sender NBC. Details nannte er nicht.


Die vier führenden Forschungsinstitute hierzulands rechnen dem Handelsblatt zufolge mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr. In der Gemeinschaftsprognose erwarten die Institute RWI, Ifo, IfW und IWH demnach einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent, wie die Zeitung am Montag unter Verweis auf Regierungskreise berichtete. Für 2022 prognostizieren die Experten den weiteren Angaben zufolge nur noch ein Wachstum von 1,4 Prozent. Im Frühjahr hatten die Ökonomen für 2022 noch mit einem Wachstum von 2,7 und 2023 von 3,1 Prozent gerechnet. Die gemeinsame Prognose der Institute soll am Donnerstag in Berlin vorgestellt werden.

Die Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft hat sich weiter massiv verschlechtert. Das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer, der ifo Geschäftsklimaindex, ist im September auf 84,3 Punkte gefallen, nach 88,6 Zählern im August. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. Der Rückgang zieht sich laut ifo Institut durch alle vier Wirtschaftsbereiche. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage klar schlechter. Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat zudem deutlich zugenommen. Im Einzelhandel fielen die Erwartungen sogar auf ein historisches Tief. „Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession“, so ifo Präsident Clemens Fuest. Nach Einschätzung von ifo-Experte Klaus Wohlrabe haben sich auch die Lieferengpässe in der deutschen Industrie wieder verschärft. Zwei Drittel aller Unternehmen klagten über Engpässe, das sind rund vier Prozentpunkte mehr als im Vormonat, sagte Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. Zusätzlich machten die steigenden Energiepreise den Unternehmen zu schaffen. „Wir sehen ein dickes Minus auf allen Fronten", sagte Wohlrabe. Auch Bankvolkswirte äußerten sich pessimistisch. "Kurzfristig lässt sich wegen anhaltend hoher Gas- und Konsumentenpreise, der Versorgungsunsicherheit, der geopolitischen Risiken und der steigenden Zinsen nicht erkennen, dass die Stimmung der deutschen Wirtschaft schon bald auf Erholungskurs geht", sagte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). An dem Plan der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen weiter zu erhöhen, werde sich kaum etwas ändern. Ein konjunktureller Abschwung werde in Kauf genommen. Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank, kommentierte: Das ifo Geschäftsklima ist im September förmlich eingebrochen. Dieser wichtige Frühindikator signalisiert für das Winterhalbjahr mehr denn je eine Rezession. Der Energiepreisschock lässt die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und macht die Produktion vieler Unternehmen unrentabel. Deutschland steht vor einem wirtschaftlich schwierigen Winter."

Die Industriestaaten-Organisation OECD rechnet mit einer nur noch mauen Entwicklung der Weltkonjunktur. „Die globale Wirtschaft hat dieses Jahr ihr Momentum verloren", hieß es von der OECD am Montag. Die Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr um 3,0 Prozent wachsen, 2023 aber nur noch um 2,2 Prozent. Das wären für nächstes Jahr 0,6 Prozentpunkte weniger als noch im Juni erwartet. 2021 gab es wegen der Erholung von der Corona-Pandemie noch ein starkes Plus von 5,8 Prozent. In Deutschland dürfte die Wirtschaft nächstes Jahr sogar schrumpfen, hieß es weiter. 2022 wird mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet - 0,7 Punkte weniger als bisher. 2023 dürfte die Wirtschaft dann um 0,7 Prozent schrumpfen, das sind 2,4 Punkte weniger als im Juni prognostiziert.

Der britische Finanzminister Kwasi Kwarteng hat ein Paket zur Abfederung der hohen Energiepreise als auch Steuersenkungen angekündigt. Man wolle das Wachstum der Wirtschaft forcieren. Die Prognosen der Bank von England deuteten darauf hin, dass Großbritannien bereits in einer Rezession stecke. Innerhalb der kommenden sechs Monate liegt das Volumen des Pakets bei umgerechnet knapp 69 Mrd. Euro. In Kürze soll ein Plan vorgelegt werden, wie die öffentliche Schuldenquote mittelfristig gesenkt werden könne.

Bundesfinanzminister Christian Lindner pocht bei Maßnahmen der Bundesregierung gegen die stark steigenden Energiepreise auf die Einhaltung der Schuldenbremse. „Das Ziel heißt Schuldenbremse für den Bundeshaushalt und eine Gaspreisbremse. Es darf nicht in anderen Worten zu einem allgemeinen Dammbruch kommen. Ich kann es ganz offen sagen: Würde die Schuldenbremse aufgehoben, dann würde mit Sicherheit nicht nur all das finanziert werden, was wir für die Krise brauchen, sondern dann kommen allgemeine politische Wünsche und Vorhaben mit dazu. Und das wäre der finanzpolitische Dammbruch", sagte Lindner.

Die Ampel-Koalition legt angesichts rasant gestiegener Energiekosten für die Bürger die Pläne für die ab Oktober geplante Gasumlage offenbar zu den Akten. Die Umalge war von der gesamten Ampel-Regierung beschlossen und im Bundeswirtschaftsministerium unter der Leitung des Grünen-Politikers Robert Habeck konzipiert. Unter anderem der Gasimporteur Uniper sollte davon profitieren. Seit der Entscheidung, Uniper zu verstaatlichen, sieht Habeck jedoch verfassungsrechtliche Risiken. Nun rückte auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) am Sonntag von dem Projekt ab. Statt Gas weiter zu verteuern, brauche man vielmehr eine Preisbremse. Die SPD-Spitze verkündete daraufhin das Aus. In der Ampelkoalition wird jetzt über einen Gaspreisdeckel diskutiert. Die SPD schlägt zur Finanzierung ein Sondervermögen vor, die Grünen plädieren für ein Aussetzen der Schuldenbremse. Das lehnt die FDP ab.

In Italien ist es zu einem Rechtsruck gekommen. Ein Bündnis um die rechtspopulistische Partei Fratelli d'Italia hat die Parlamentswahl gewonnen und wird voraussichtlich in beiden Kammern eine klare Mehrheit erreichen. Hochrechnungen zufolge wird die Partei der Vorsitzenden Giorgia Meloni mit rund 25 Prozent stärkste Kraft. Zum Vergleich: Bei der Wahl 2018 kamen die Fratelli auf lediglich vier Prozent der Stimmen. Insgesamt kommt das Bündnis aus Fratelli d'Italia, der Lega des ehemaligen Innenministers Roberto Salvini und der Forza Italia des früheren Premierministers Silvio Berlusconi auf gut 43 Prozent der Stimmen. Das dürfte für eine klare Mehrheit in beiden Parlamentskammern reichen. Für das Mitte-Links-Bündnis aus Demokratischer Partei und anderen stimmten laut den vorliegenden Ergebnissen etwa 26 Prozent. Die Fünf-Sterne-Bewegung verlor klar und kam auf etwa 15 Prozent. Das offizielle Wahlergebnis will das Innenministerium in Rom im Laufe des Tages bekanntgeben.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in seiner täglichen Videobotschaft über heftige Kämpfe am Sonntag und in der Nacht auf Montag an verschiedenen Stellen der Frontlinie. Dabei könne die Ukraine „positive Ergebnisse“ vermelden. Eine Stellungnahme aus Russland dazu gibt es bisher nicht.

Bundeskanzler Olaf Scholz war am Wochenende in der Golf-Region zu Besuch. Dabei ging es vordringlich um eine engere Energie-Kooperation. Scholz konnte unter anderem vermelden, dass die Vereinigten Arabischen Emirate in Zukunft Flüssig-Erdgas nach Deutschland liefern würden. Wie es hieß, wird die erste Ladung von 137.000 Kubikmetern im Dezember im provisorischen Gas-Terminal von Brunsbüttel erwartet. Dem Kanzler ist mit der Einigung mehr gelungen als seinem Wirtschaftsminister Robert Habeck, der im Frühjahr beim Versuch gescheitert war, in Katar eine Gas-Partnerschaft auszuhandeln.

Das russische Parlament könnte noch diese Woche die Annexion ukrainischer Gebiete beschließen. Russische Nachrichtenagenturen zufolge wird das russische Parlament bereits am Donnerstag über Gesetzesentwürfe zur Eingliederung der Gebiete Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja beraten. DerNachrichtenagentur RIA Novosti zufolge könnte Kremlchef Wladimir Putin am Freitag vor dem Parlament sprechen und die Eingliederung absegnen. Die ehemalige Sowjetrepublik Kasachstan hat bereits angekündigt, die Referenden zur Annexion der ostukrainischen Gebiete nicht anzuerkennen. Das Außenministerium sprach von einer Verletzung internationalen Rechts, durch die der Krieg weiter eskaliert werde. Kasachstan poche auf die territoriale Integrität von Staaten und ihre friedliche Koexistenz. Russland war bisher ein wichtiger strategischer Verbündeter für Kasachstan. Seit dem Angriff auf die Ukraine aber hat sich das Verhältnis dramatisch verschlechtert.


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