Wissensartikel

BITCOIN wird erwachsen - Arbitrage macht´s möglich!

Anhand des aktuellen Beispiels Bitcoin wollen wir einen Blick auf die Funktionsweise von Arbitrage werfen.

Nach den Eskapaden in den vergangenen Handelstagen kehrte gestern im Bitcoin vermehrt Ruhe ein. Natürlich konnte es mit der Volatilität auf Dauer nicht so weitergehen, wie in den Tagen zuvor. Ob es sich beim Nachlassen der Volatilität jedoch um eine normale Reaktion oder aber um einen stabilisierenden Effekt des erst in dieser Woche gestarteten Futures handelt, ist letztlich nicht mit absoluter Sicherheit zu beantworten. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Eventuell aber ist die Zeit der Eskapaden im Bitcoin tatsächlich vorbei, denn mit dem Future steht letztlich auch ein professionelles Produkt zur Verfügung, mit dem sich institutionelle Anleger in der bekanntesten Kryptowährung engagieren können. Natürlich wäre dies auch im Bitcoin selbst möglich, jedoch ist dieser Markt derzeit noch extrem unreguliert. Futures hingegen werden an der Börse gehandelt und unterliegen den dortigen Richtlinien. Ein für institutionelle Trader wichtiger Aspekt.

Sofern die Hochfinanz den Future tatsächlich nutzen wird, um dem Bitcoin zu handeln, wäre am langen Ende tatsächlich ein stabilisierender Effekt auf den Kursverlauf der Kryptowährungen möglich. Dahinter steht die Annahme, dass den institutionellen Tradern zum einen mehr Kapital zur Verfügung steht und diese zum anderen deutlich risikobewusster agieren. Schließlich müssen sich Eigenhändler von Banken, Fonds und Co. an die ihnen auferlegten Risikoparameter halten.

Jetzt neu: Aktien- & Tradingdepot! Seien Sie von Anfang an dabei! Folgen Sie mir auf Guidants!

Natürlich spiegelt sich dies zunächst nur im Angebot und der Nachfrage im Future wieder. Über Arbitrage aber wirken die Kursentwicklungen des Futures auch auf den Bitcoin selbst. Sofern es zu starke Kursunterschiede zwischen beiden gibt, lassen sich risikolose Gewinne erzielen. Diese Tradingchancen wurden in den letzten Wochen bereits von cleveren privaten Tradern genutzt, die Preisunterschiede an den einzelnen Bitcoin-Börsen für sich ausnutzten. Mit dem Future stünde nun ein weiteres, professionelles Produkt hierfür zur Verfügung.

BITCOIN-wird-erwachsen-Arbitrage-macht-s-möglich-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

Wie funktioniert Arbitrage?

Die aktuelle Entwicklung in den Kryptowährungen können wir zum Anlass nehmen, einmal etwas genauer auf die Funktionsweise von Arbitrage einzugehen. Schließlich ist dieses Konstrukt auch der Leim, der Dax-Future und Dax-Index zusammenhält.

Entscheidend für das Verständnis von Arbitrage zwischen Futures und dem Basiswert ist die Tatsache, dass beide am Ende der Laufzeit des Futures den gleichen Preis haben müssen. Alles andere macht keinen Sinn, wäre „unlogisch“, irrational und nicht wirtschaftlich, schließlich berechtigt der Future zum Kauf/Verkauf des Basiswertes zum aktuellen Kurs. Kein Mensch würde am Verfallstermin - der nächste für den Deutschen Aktienindex ist übrigens an diesem Freitag (Hexensabbat) - einen höheren oder tieferen Preis für den Future zahlen. Es macht keinen Sinn, unmittelbar zum Fälligkeitstermin für den Dax Future 13.520 Punkte zu bezahlen, um damit das Recht zu erwerben, den Dax-Index „geliefert“ zu bekommen, während man diesen auch direkt für 13.500 Punkte kaufen könnte. (Anm.: bei Index-Futures erfolgt keine Lieferung, sondern der Barausgleich)

Arbitrage beim Bitcoin!

Es steht also fest, dass am Fälligkeitstermin sowohl der Future als auch der zugrundeliegende Basiswert in etwa den gleichen Preis haben werden. Den aktuellen Rahmenbedingungen für den Bitcoin-Future (siehe hier) können wir entnehmen, dass diese verschiedene Laufzeiten bis hin zu drei Monaten haben. Stellen wir uns vor, heute wäre Verfall und aktuell steht der Bitcoin bei 17.250 USD, während der Future einen Preis von 17.500 USD hätte.

In einer Stunde kommt es zur Abrechnung und aktuell wäre es billiger, den Bitcoin selbst zu kaufen, anstatt den Future. Natürlich fallen für Käufe und Verkäufe Transaktionskosten (Spread, Gebühren, Opportunitätskosten wie Zinsen…) an. Solange diese aber kleiner als 250 USD sind, würde es sich lohnen, den Bitcoin direkt zu kaufen und parallel dazu short im Future zu gehen. Nehmen wir an wir müssten dafür 50 USD Gebühren bezahlen, dann könnten wir in einer Stunde direkt zur Abrechnungszeit einen Gewinn von 200 USD verbuchen. Schließlich werden beide Produkte zum gleichen Preis abgerechnet.

Diesem Gedanken folgend ergibt sich für einen Trader eine risikolose Möglichkeit, Gewinne zu erzielen. Eine solche Chance lässt man sich natürlich nicht entgehen und warum soll man nur einen Bitcoin bzw. einen Future kaufen/shorten? Der Arbitrageur wird dies in viel größerem Umfang tun. Sein Problem ist jedoch, dass er mit seinen Aktionen Bitcoins nachfragt und den Future anbietet. Er wird also den Bitcoin-Kurs nach oben treiben, während der Futurepreis sinkt. Je mehr Kontrakte er kauft/verkauft, desto stärker und schneller werden sich beide Preise annähern. Der Arbitrageur selbst wird so lange kaufen und verkaufen, solange die Differenz groß genug ist, um einen akzeptablen Gewinn zu erzielen. Sie sehen also, am Ende nähern sich beide Preise an.

Der soeben beschriebene Effekt wirkt aber nicht nur am Verfallstag, sondern zu jedem Zeitpunkt. Der einzige Unterschied besteht in den Tradingskosten. Liegt der Verfallstag noch in weiter Ferne, sind die Opportunitätskosten/Haltekosten in der Regel größer. Je weiter der Verfallstermin in der Zukunft liegt, desto größer können die Unterschiede zwischen dem Future und dem Basiswert sein. Unterstellen wir beispielsweise ausschließlich positive Kosten, wird der Future teurer sein, als der zugrunde liegende Basiswert. Die Erklärung ist simpel: Wenn ich jemandem einen Future zum Kauf anbiete, verpflichte ich mich dazu, ihm dieses Produkt zukünftig am Verfallstermin zu liefern. Ich bekomme heute Geld, während ich das Produkt erst in einigen Tagen oder Wochen ausliefern muss. Bis dahin habe ich Haltekosten und diese Haltekosten werde ich auf den aktuellen Preis aufschlagen. Der Future ist also teurer, als der Cash-Basiswert. Je weiter entfernt der Verfallstermin ist, desto höher ist der Aufschlag, da das Produkt länger „gelagert“ werden muss.

Das Prinzip der Arbitrage ist nicht schwer und wird von nun an auch im Bereich der Kryptowährungen. Man darf gespannt sein, inwieweit dies zukünftig Einfluss auf den Kursverlauf des Bitcoins hat. Wird diese vielleicht erwachsen?

Viel Erfolg

Rene Berteit

Trading Masters macht Dich zum Börsenversteher!

Lernen, traden, gewinnen: Deutschlands größtes edukatives Börsenspiel „Trading Masters“ startet mit einem noch nie da gewesenen Konzept in eine neue Runde – und zum ersten Mal können die Teilnehmer im Börsenspiel auch Kryptowährungen handeln! Neben exklusiven Schulungen mit renommierten Finanzexperten warten natürlich auch viele Preise im Gesamtwert von über 60.000 Euro auf Dich.

Jetzt kostenlos anmelden und viele Vorteile sichern!

5 / 6 Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Um PLUS-Artikel kommentieren zu können, benötigen Sie ein stock3 PLUS-Abo. Alle anderen Artikel lassen sich kommentieren, sobald Sie einen beliebigen Premium-Service abonniert haben.

  • Zensiert
    Zensiert

    mit dem Start beim Futures Handel diese Woche ist es aus mit der Robin Hood Währung, sie verkommt im perverses Finanzsystem zu einem Zockerobjekt a la CDS

    18:05 Uhr, 13.12.2017
    1 Antwort anzeigen
  • frischfisch
    frischfisch

    vielen Dank nochmal!

    21:12 Uhr, 13.12.2017
  • mantra
    mantra

    m.E. nach wurde der BTC Kurs von unsichtbaren Händen hochgepuscht, damit der Future schön hoch notiert. Was jetzt passiert liegt nur noch in der Hand der Futures Verkäufer bzw.. Käufer.

    Da dies Instis sind werden sie die Kleinanleger an der kurzen Leine halten und in die Richtung bewegen die die Insti haben wollen! Viel Erfolg! Da dies auch an echten Computerhandel gebunden ist wird sobald die eine oder andere Richtung eingeschlagen wird autom. mit gemacht!

    12:20 Uhr, 13.12.2017
  • ncxx
    ncxx

    Danke für die Erklärung. Bis jetzt scheint der Future aber abgesehen vom ersten Handelstag kein besonders hohes Volumen aufzuweisen. Vielleicht ist ja der Handel an den Bitcoinexchanges dem Future doch aus irgendwelchen Gründen vorzuziehen? Vielleicht dauert es auch erst noch eine Weile bis sich die institutionellen Anleger nach und nach positionieren, und bei der Vola ist es irgendwie verständlich, dass man da erst mal abwartet bevor es zu größeren Umsätzen kommt. Zu den Preisunterschieden, könnte die Transaktionszeit und die Transaktionsgebühren des Bitcoin zusätzlich zu den Handelsgebühren nicht eher ein zusätzliches Hindernis darstellen, selbst bei niedrigeren Kursschwankungen? Und zuletzt, wenn sich der Preis stabilisiert, hat das zwar sicher auch etwas gutes. Aber macht es den Bitcoin wirklich um so viel interessanter? Viele sind ja ausschließlich wegen der steigenden Preise investiert und da reicht es vielleicht schon einfach aus, wenn der Bitcoin ein paar Wochen oder Monate einfach nicht mehr "liefert", und man sich dann nach was anderem umsieht, z.B. anderen Kryptos.

    11:27 Uhr, 13.12.2017
Ältere Kommentare anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Experten

Rene Berteit
Rene Berteit
Technischer Analyst und Coach

René Berteit ist Diplom-Betriebswirt mit Spezialisierungen in den Bereichen Finanzierung & Unternehmensbewertung sowie Geld und Währung. Aus seiner Leidenschaft für die Finanzmärkte wurde sein(e) Beruf(ung). René verfügt über mehr als 20 Jahre praktische Tradingerfahrung in Aktien, Indizes und Währungen und ist noch heute im Intraday-Handel aktiv. Seit 2007 setzt René sein langjähriges Know-how als charttechnischer Trader und Analyst in unserem Team ein, sowohl für unsere Portale als auch für Banken. Darüber hinaus gibt er sein theoretisches und praktisches Wissen als Coach seit über einer Dekade an Tradingneulinge und -fortgeschrittene weiter. Zudem ist er aktives Tradingmitglied in unserem Premium-Service PROmax, gern gesehener Referent in Webinaren und Seminaren sowie Buchautor.

  • Kurzfristiges Daytrading
  • Tradingcoach
  • Handelsstrategien
Mehr Experten